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«Wir werden die IS zerstören»

Nach dem gewaltsamen Tod des Journalisten Sotfloff entsenden die USA mehr Soldaten in den Irak. Man werde sich von der Terrormiliz nicht «einschüchtern lassen», sagte US-Präsident Obama.

Demonstrierte Lockerheit: Barack Obama in der estnischen Hauptstadt Tallinn. (3. September 2014)
Demonstrierte Lockerheit: Barack Obama in der estnischen Hauptstadt Tallinn. (3. September 2014)
Reuters

Nach der Hinrichtung eines zweiten US-Reporters durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verstärkt die US-Regierung ihr militärisches Engagement im Irak. Die USA würden sich nicht «einschüchtern» lassen, sagte Präsident Barack Obama am Mittwoch in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die USA würden die IS «degradieren und zerstören».

350 zusätzliche US-Soldaten werden in die irakischen Hauptstadt Bagdad geschickt, wie das Weisse Haus in Washington mitteilte. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums werden damit insgesamt 820 US-Soldaten im Irak stationiert sein, die für die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen zuständig sind. Hinzu kommen 300 militärische Berater für die irakischen Sicherheitskräfte.

Die Nachricht vom Tod einer zweiten US-Geisel kam für Barack Obama zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der amerikanische Präsident sass praktisch schon im Flugzeug in Richtung Baltikum und zum NATO-Gipfel in Wales - zwei Termine, bei denen er Entschlossenheit, Härte und Führungskraft demonstrieren will. Die angebliche Enthauptung eines US-Bürgers durch islamistische Terrormilizen im Nahen Osten passt da nicht recht ins Bild.

Obama, der Medienmann, zog es denn erst einmal vor abzutauchen. Ohne jeden Kommentar joggte er demonstrativ locker die Gangway zur «Air Force One» empor - ob er auf dem Nachtflug nach Tallinn viel Schlaf fand, ist mehr als fraglich.

Hilflos zusehen

US-TV-Sender strahlten kurze Frequenzen des Videos aus. Der Vermummte fuchtelte mit dem Messer, mit versteinertem Gesicht kniete das Opfer vor ihm nieder. Das Ganze spielte sich auf dem goldgelben Sand einer Wüstenlandschaft ab. Es war ein eiskalt angekündigter Mord. Scheinbar hilflos musste der «mächtigste Mann der Welt» zusehen.

Immer mehr gerät Obama unter Druck, der republikanische Kongressabgeordnete Peter King sprach am Dienstag erneut von einer «Kriegserklärung an Amerika». Immer heftiger werfen die Republikaner dem Präsidenten vor, er habe die Gefahr durch die IS-Milizen verschlafen und viel zu spät mit Luftangriffen auf IS-Stellungen begonnen.

Mehr noch: Durch den Abzug aller Soldaten aus dem Irak und durch seine Weigerung, moderate Oppositionsmilizen in Syrien mit Waffen zu unterstützen, habe Obama geradezu zum Aufstieg der Terrorgruppe beigetragen.

Nicht gerade zur Beruhigung trug zudem die gescheiterte Geiselbefreiung bei. Eigentlich wollte das Pentagon die Aktion geheim halten, doch auch der Foley-Mord vor knapp zwei Wochen setzte die Regierung derart unter Druck, dass sie mit der Operation der Spezialkräfte an die Öffentlichkeit ging.

Obama wollte seinen Landsleuten zeigen, dass er alles tut, um Amerikaner zu retten - und sei es mit dem Hinweis auf eine Befreiungsaktion, die ein Schlag ins Wasser war.

Gutes Zeichen?

Zwar wirkt Obama auf den ersten Blick scheinbar hilflos. Doch Experten meinen, die Morde der Milizen könnten durchaus auch ein «gutes Zeichen» sein - ein Zeichen, dass die Luftschläge der US-Kampfjets bereits deutliche Wirkung zeigen. Ausdrücklich meint der Vermummte auf dem Video, Sotloff müsse wegen der Luftschläge gegen IS-Stellungen nahe des Mossul-Damms sterben. «So wie deine Raketen weiter unsere Leute treffen, werden unsere Messer weiter die Hälse deiner Leute treffen.»

Tatsächlich sind den USA mit ihren Bombardierungen innerhalb weniger Wochen erste Erfolge gelungen. Weit über 100 Angriffe flogen die USA laut Pentagon: Sie brachen die Belagerung am Sindschar-Gebirge, Zehntausende Menschen, Angehörige der Minderheit der Jesiden, konnten fliehen. Auch der Mossul-Damm befindet sich nicht mehr unter Kontrolle der Milizen.

Doch neue Gräueltaten sind schon angedroht. Als nächstes Opfer drohen die Milizen, eine britische Geisel zu töten. Und nach einem Bericht der «New York Times» haben sie mindestens zwei weitere Amerikaner in ihrer Gewalt.

Obama wird weiter Härte zeigen, Nachgeben im Kampf gegen die Milizen gehört nicht zu den Optionen. Wohl aber die Suche nach Partnern. «Wo bleiben unsere Verbündeten, wo bleiben unsere arabischen Freunde?», fragte ein CNN-Reporter in Bagdad.

sda/AFP/ajk/mrs

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