Zum Hauptinhalt springen

«Wir wollen keine Versöhnung»

Nach den Nato-Angriffen auf Tripolis meldete sich Muammar al-Ghadhafi im Staatsfernsehen zu Wort. In einer Audiobotschaft beschwor er Libyens Standhaftigkeit und schloss einen Rücktritt aus.

«Sollen die Nato nur angreifen»: Der libysche Machthaber meldete sich im Staatsfernsehen. (Archivbild)
«Sollen die Nato nur angreifen»: Der libysche Machthaber meldete sich im Staatsfernsehen. (Archivbild)
Keystone

Der libysche Machthaber Muammar al-Ghadhafi hat in einer Audio-Botschaft erneut seinen Rücktritt abgelehnt. Die Nato solle sich unterstehen, weiter Luftangriffe auf die Hauptstadt Tripolis zu fliegen. Das Militärbündnis werde nicht gewinnen, sagte er.

Die Botschaft wurde vom libyschen Staatsfernsehen ausgestrahlt. Zu den Worten Ghadhafi wurden Bilder von tausenden Regierungsanhängern gezeigt, die auf dem zentralen Grünen Platz in Tripolis demonstrierten. Ghadhafi sagte mit lauter Stimme, Abtrünnige und Deserteure seien ebenso feige wie die Aufständischen. An einer Stelle hörte es sich an, als spuckte er. «Wir sind standhaft», rief er. «Sollen die Nato nur angreifen.»

Ghadhafi erklärte zudem erneut, er weigere sich zurückzutreten. «Wir sind in unserem Land und wir bestehen drauf, dass wir bis zum Tode bleiben», sagte er. «Wir wollen keine Versöhnung, und wir wollen keine Gespräche mit ihnen. Wir sind standhaft.»

Tote bei Angriffen auf Misrata

Bei Angriffen der libyschen Regierungskräfte auf Stellungen der Rebellen bei Misrata sind am Freitag zehn Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben von Ärzten wurden 30 weitere Menschen verletzt.

Zwischen den westlich der Hafenstadt gelegenen Ortschaften Dafnija und Slitan gingen Berichten zufolge sowohl Artilleriegeschosse als auch Grad-Raketen nieder.

Nato-Bombardement den Tag durch

Kampfflugzeuge der Nato haben heute erneut auch tagsüber Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis unter Beschuss genommen. Über einem Viertel im Süden stiegen am Nachmittag schwarze Rauchwolken auf. Auch in anderen Teilen der Stadt kam es zu Explosionen, während am Himmel Flugzeuge zu hören waren. Angebote des libyschen Regimes, freie Wahlen abzuhalten, wurden von den USA als «zu spät kommend» bezeichnet.

Den heutigen Angriffen gingen heftige Bombardements in der Nacht voraus. Dabei wurde erneut auch eine Residenz des Machthabers Muammar al-Ghadhafi angegriffen. Einer russischen Delegation wurden anschliessend die Schäden in dem Anwesen Bab al Asisija gezeigt. Berichte über Tote und Verletzte lagen nicht vor.

Die am Donnerstag von Ministerpräsident Al-Baghdadi al-Mahmudi überraschend angekündigte Verhandlungsbereitschaft des libyschen Regimes stiess international auf wenig positive Resonanz. «Es ist ein bisschen spät für jegliche Vorschläge Gadhafis und seiner Kreise für einen demokratischen Wandel», sagte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums, Victoria Nuland. «Es ist Zeit für ihn zu gehen.»

Regime verhandelt offenbar mit Rebellen

Al-Mahmudi hatte erklärt, seine Regierung habe bereits einige vorbereitende Treffen mit dem Übergangsrat der Rebellen in Benghazi gehabt. Zugleich betonte er jedoch, ein Rücktritt Gadhafis sei für das Regime keine Option. «Wir werden nichts akzeptieren, was gegen ihn geht», sagte er in Tripolis. Auch eine Teilung des Landes sei inakzeptabel.

Gadhafis Sohn Seif al-Islam hatte zuvor der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» gesagt, sein Vater werde nicht ins Exil gehen, Wahlen unter internationaler Aufsicht könnten aber ein Ausweg sein. al-Ghadhafi würde im Falle einer Niederlage abtreten, eine Niederlage sei aber unwahrscheinlich. Zugleich räumte er ein, dass «das Regime meines Vaters, wie es sich seit 1969 entwickelte, tot ist».

UN-Menschenrechtsrat verlängert Mandat zur Überwachung

Unterdessen verlängerte der UN-Menschenrechtsrat in Genf das Mandat einer Expertenkommission zur Untersuchung der Lage in Libyen. Das Gremium verurteilte dabei die «andauernden, umfassenden und systematischen Verstösse gegen die Menschenrechte» durch das Regime des Landes. Bei einigen dieser Vergehen «könne es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handeln», hiess es.

In Stockholm billigte das schwedische Parlament am Freitag eine dreimonatigen Verlängerung der Beteiligung des Landes am Nato-Einsatz in Libyen. Die Zahl der schwedischen Kampfflugzeuge wird dem Beschluss zufolge von derzeit acht auf fünf verringert, diese sollen allerdings nicht mehr nur zur Sicherung der Flugverbotszone, sondern künftig auch für Überwachungsmissionen eingesetzt werden. Der bisherige Einsatz wäre am 22. Juni ausgelaufen.

dapd/kpn, mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch