Zahlreiche Weisshelme sitzen noch an der Grenze zu Israel fest

Statt 800 Helfer und ihre Familienangehörige sind nur 422 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Selbst in Gefahr: Die Weisshelme müssen nun von Israel gerettet werden.

Nach dem israelischen Einsatz zur Rettung Hunderter syrischer Weisshelme und ihrer Familien steckt eine Gruppe der Ersthelfer weiter im umkämpften Süden Syriens fest. Statt wie zuerst angekündigt 800 Mitglieder der Hilfsorganisation, konnten am Sonntag laut der jordanischen Regierung nur 422 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Regierung in Damaskus kritisierte die Rettung der Ersthelfer, die nun in westliche Länder gebracht werden sollen.

Am Sonntag hatte es geheissen, mehr als 800 Syrer seien von Israel vor den heranrückenden Regierungstruppen in Sicherheit gebracht worden. Später erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aber aus kanadischen Regierungskreisen, dass einige der Weisshelme wegen der Lage vor Ort nicht ausser Landes gebracht werden konnten. Ihre Situation in Syrien sei schwierig. Es sei unklar, ob eine neue Rettungsaktion gestartet werden könne, hiess es.

«Kriminelle Operation»

Die jordanische Regierung erklärte später, es seien bisher 422 Flüchtlinge über Israel nach Jordanien gebracht worden. Demnach hatten Kanada, Deutschland und Grossbritannien ursprünglich zugesagt, 827 Weisshelme und deren Angehörige aufzunehmen. Die Weisshelme waren durch den Vormarsch der syrischen Truppen von Machthaber Baschar al-Assad nahe der israelisch besetzten Golan-Höhen eingeschlossen worden.

Die syrische Regierung kritisierte ihre Rettung scharf. «Die kriminelle Operation von Israel und seinen Werkzeugen offenbart die wahre Natur der sogenannten Weisshelme», sagte ein Vertreter des Aussenministeriums. Er bekräftigte den Vorwurf, dass die Ersthelfer eine Frontorganisation für «Terroristen» seien. Syrien und Russland werfen den Weisshelmen seit langem vor, gemeinsame Sache mit Rebellen und Jihadisten zu machen.

«Mutige Menschen, die ihr Leben riskiert haben»

Die Rettungsaktion erfolgte auf Bitten von Kanada, Grossbritannien und Deutschland, die auch zusagten, die geretteten Weisshelme mit ihren Familien aufzunehmen. Kanada erklärte sich bereit, bis zu 50 Weisshelmen und deren Familien, also etwa 250 Menschen, aufzunehmen. Kanadas Regierung hat seit November 2015 mehr als 40'000 syrische Flüchtlinge geholt und unterstützt seit Jahren die Arbeit der Weisshelme in Syrien.

Helfer brauchen selbst Hilfe: Weisshelme bei einer Rettungsaktion in in Idlib. (7. Januar 2018) Bild: AP

Auch Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) bestätigte die Aufnahme von Weisshelmen in Deutschland. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er habe entschieden, dass Deutschland acht Weisshelme und ihre Familien aufnehmen werde. Seine Sprecherin sagte am Montag, aufgenommen würden die Kernfamilien aus Ehefrauen und minderjährigen Kindern, was voraussichtlich 47 Menschen bedeute.

Das französische Aussenministerium erklärte, Frankreich werde «seinen Anteil» übernehmen und sich auch weiter einsetzen für «diese mutigen Menschen, die Tag für Tag ihr Leben riskiert haben, um der syrischen Bevölkerung zu helfen». Die Weisshelme bergen in Rebellengebieten nach Luftangriffen Menschen aus den Trümmern und leisten erste Hilfe. Für ihre Arbeit wurden sie 2016 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Hunderte Syrer verlassen den Libanon

Die Weisshelme sollen Jordanien binnen drei Monaten verlassen. Das haschemitische Königreich beherbergt seit Jahren mehrere hunderttausend syrische Flüchtlinge. Wie in den Nachbarländern Libanon und Türkei werden die Flüchtlinge zunehmend als Belastung der Gesellschaft wahrgenommen, weshalb die Regierungen inzwischen auf eine Rückkehr der Flüchtlinge dringen, was aber wegen der Sicherheitslage in Syrien weiter schwierig ist.

Aus dem Libanon kehrten am Montag einige hundert Flüchtlinge im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Beirut und Damaskus zurück. Rund 850 Syrer würden die libanesische Grenzstadt Arsal in Richtung der Stadt Kalamun bei Damaskus verlassen, meldeten die staatlichen Nachrichtenagenturen beider Länder. Bereits in den vergangenen Monaten hatten hunderte Flüchtlinge im Zuge ähnlicher Vereinbarungen den Libanon verlassen.

mch/afp

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