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Zehntausende Blanko-Pässe in den Händen des IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat zahlreiche echte Passdokumente erbeutet. Dies könnte Jihadisten die Einreise nach Europa erleichtern.

Begehrtes Gut: Auf dem Schwarzmarkt kostet ein irakischer Pass bis zu 1500 Franken. (Das Foto zeigt den Warteraum einer Behörde in Bagdad)
Begehrtes Gut: Auf dem Schwarzmarkt kostet ein irakischer Pass bis zu 1500 Franken. (Das Foto zeigt den Warteraum einer Behörde in Bagdad)
Hadi Mizban, Keystone

In Syrien, dem Irak und in Libyen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in mehreren Städten die offiziellen Ämter und Behörden übernommen. Dabei gelangten Blanko-Pässe in den Besitz der Extremisten und wohl auch Maschinen zur Produktion von Ausweisdokumenten, wie die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf westliche Geheimdienste berichtete. Sicherheitsbehörden befürchten, dass die Jihadisten die Pässe auch nutzen, um Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schleusen.

Die IS-Miliz betreibe mit den Pässen offenbar auch einen regen Handel und verdiene damit Geld. Solche «echten falschen Pässe» seien für tausend bis 1500 Franken auf dem Schwarzmarkt zu haben.

Flüchtlingsströme als Sicherheitsrisiko

Der Chef der Europäischen Grenzsicherungsbehörde Frontex, Fabrice Leggeri, sagte der Zeitung: «Die grossen Ströme von Menschen, die derzeit unkontrolliert nach Europa einreisen, stellen natürlich auch ein Sicherheitsrisiko dar.» Die Frontex-Beamten kontrollieren demnach zwar genau, ob Flüchtlinge möglicherweise mit gefälschten oder gestohlenen Papieren einreisen.

«Dennoch ist die Aussagekraft von Flüchtlingspässen aus unserer Sicht sehr begrenzt», sagte Leggeri. In einem Bürgerkriegsland wie Syrien könne niemand garantieren, «dass die Dokumente, die echt aussehen, auch wirklich von einer offiziellen Behörde ausgestellt wurden oder wirklich von dem rechtmässigen Inhaber mitgeführt werden».

Gestohlene Pässe aus Raka

Mindestens zwei der Attentäter der islamistischen Anschlägen von Paris am 13. November sollen Anfang Oktober mit syrischen Pässen über Griechenland in die Europäische Union eingereist sein. Sie sollen dabei Ausweise verwendet haben, die der IS im syrischen Raka gestohlen hatte. In Österreich hatte die Polizei jüngst zwei weitere Verdächtige in einem Flüchtlingsheim in Salzburg festgenommen. Die beiden Männer sollen mit Pässen aus derselben Tranche aus Raka nach Europa gekommen sein.

Nach Informationen der «Welt am Sonntag» übermittelte ein ausländischer Geheimdienst jüngst deutschen Behörden eine Liste mit Pass-Nummern jener Dokumente, die von der IS-Miliz im syrischen Raka erbeutet worden sein sollen. Die Daten seien inzwischen im Schengener Informationssystem eingespeist worden. So solle ein Einsickern weiterer Attentäter verhindert werden.

In Pizzaöfen geschmuggelt

Die IS-Jihadisten sind aber nicht nur an arabischen Pässen interessiert. Am Flughafen Istanbul wurden vergangene Woche laut türkischen Medienberichten zwei Männer verhaftet, die rund 150 europäische Reisepässe in die Türkei schmuggeln wollten. Die Dokumente waren in kleinen Pizzaöfen versteckt, zusammen mit Kameras und SIM-Karten.

Bei einem der Schmuggler habe es sich um einen Belgier türkischer Herkunft gehandelt, berichtete die «Welt am Sonntag». Beide würden verdächtigt, im IS-Auftrag unterwegs gewesen zu sein.

SDA/chi

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