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Zehntausende flüchten ins Ungewisse

Im Nordwesten von Syrien suchen Flüchtlinge Schutz vor der Armee. Die Grenze zur Türkei ist geschlossen.

Syrische Familien aus Idlib auf dem Weg in die Türkei, wo sie sich mehr Sicherheit erhoffen. Foto: Izzeddin Idilbi (Getty)
Syrische Familien aus Idlib auf dem Weg in die Türkei, wo sie sich mehr Sicherheit erhoffen. Foto: Izzeddin Idilbi (Getty)

Zehntausende Menschen sind in der nordsyrischen Provinz Idlib auf der Flucht vor schweren Gefechten. Truppen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad versuchen seit Donnerstag vergangener Woche in einer neuen Offensive, unterstützt von der russischen Luftwaffe und vom Iran kontrollierten Milizen, in das Gebiet vorzustossen – es ist das letzte, das von der bewaffneten syrischen Opposition kontrolliert wird. Die militärisch stärkste Kraft aufseiten der Rebellen ist die jihadistische Miliz Hayat Tahrir al-Sham. Nach Angaben von Hilfsorganisationen wurden bis zum ersten Weihnachtsfeiertag etwa 216'000 Menschen vertrieben.

Die Vereinten Nationen berichten, dass verstärkte Luftangriffe im Süden und Osten Idlibs sowie neue Kämpfe am Boden die Menschen in die Flucht treiben. Bei einem Raketenangriff auf eine Schule in dem Ort Jobas, in dem Flüchtlinge Zuflucht gesucht hatten, starben an Heiligabend laut Aktivisten acht Menschen, unter ihnen fünf Kinder und eine Frau. Auch in den von der Regierung kontrollierten Gebieten sind die Bewohner nach Angaben der UNO wahllosem Beschuss ausgesetzt.

Auf der Flucht beschossen

Die Offensive des Regimes hat zum Ziel, die seit 2012 geschlossene Überlandstrasse M5 unter Kontrolle zu bringen, die Damaskus mit Aleppo verbindet und noch immer streckenweise durch Rebellengebiet führt. Dabei eroberten die Regierungstruppen nach Angaben der amtlichen ­syrischen Nachrichtenagentur Sana in den vergangenen Tagen mehr als 40 Dörfer und rückten bis auf wenige Kilometer auf Maarat al-Numan vor.

Die Bewohner aus etwa 250 Orten verliessen ihre Häuser. Die meisten von ihnen zogen nach Norden in Richtung der geschlossenen türkischen Grenze, wo sie sich Sicherheit erhoffen. Mindestens zwölf Zivilisten sollen jedoch bei der Flucht auf der M5-Strasse durch Angriffe der russischen und der syrischen Luftwaffe getötet worden sein.

Verschärft wird die Lage der Vertriebenen durch das Winterwetter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und schweren Regenfällen. Viele Flüchtlingslager und Zelte wurden überflutet. Die Versorgung der Flüchtlinge durch die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen ist nur bis am 10. Januar gesichert. Dann läuft eine UNO-Resolution aus, die eine grenzüberschreitende Versorgung ermöglicht. Russland hatte deren Verlängerung im UNO-Sicherheitsrat blockiert, weil Deutschland und die Mitinitiatoren Belgien und Kuwait darauf beharrt hatten, auch einen Übergang aus dem Irak weiter offen zu halten, über den Hilfsgüter für 1,3 Millionen Notleidende in die von den kurdischen YPG-Milizen kontrollierten Gebiete Syriens gelangen. China hatte sich dem angeschlossen.

Die Offensive könnte auch zu neuen Verwerfungen zwischen der Türkei und Russland führen. Syrische Regierungseinheiten haben einen der zwölf befestigten Beobachtungsposten der türkischen Armee in Idlib umstellt, die diese im Einverständnis mit Moskau dort errichtet hatte. Im September hatten sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Kollege Wladimir Putin auf eine ­Deeskalationsvereinbarung für Idlib verständigt, die nun wieder infrage steht.

Trump wartet ab

Russischer Druck hat Einheiten des Regimes bisher weitgehend davon abgehalten, die türkischen Truppen direkt zu attackieren. Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin sagte, Russland habe zugesagt, dass die Angriffe gestoppt würden. Erdogan hatte am Montag eine Delegation nach Moskau geschickt, um darüber zu verhandeln.

US-Präsident Donald Trump warnte Russland, Syrien und den Iran, in Idlib Zivilisten zu töten. Sie seien dabei, Tausende Unschuldige umzubringen, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die Türkei arbeite hart daran, dieses Gemetzel zu stoppen. Er drohte allerdings nicht direkt mit einem Eingreifen der USA in der Region. Die USA haben noch einige Hundert Soldaten mit schwerem Gerät in Nordsyrien in der Nähe der Grenze zum Irak stationiert. Diese sollen dort die kurdischen YPG-Milizen unterstützen.

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