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Poesie aus der Isolationshaft

Ein Geheimvideo gibt erstmals Einblick ins Leben von Liu Xia. Sie steht unter Hausarrest, seit ihr Mann Liu Xiaobo vor drei Jahren den Friedensnobelpreis erhalten hat.

ldc

Chinesische und amerikanische Autoren bekamen gestern Abend in New York ein Video zu sehen, in denen Liu Xia in ihrer Pekinger Wohnung zwei Gedichte vorträgt. Die Dichterin, die zu den Mitbegründern des unabhängigen chinesischen Pen-Zentrums gehört, trägt ein Hemd, der Kopf ist kahlrasiert. Nachdem sie das zweite Gedicht vorgelesen hat, reckt sie ihren Daumen in die Höhe. Die Aufnahmen stammen vom vergangenen Monat.

Danach zeigten die Organisatoren einen kurzen Dokumentarfilm mit dem Titel «The Wife Outside the Barred Window» (dt. Die Frau ausserhalb des geschlossenen Fensters), in dem die Geschichte von Liu Xias Gefangennahme erzählt wird. Zu sehen sind darin unter anderem Unterstützer, die sich an den Sicherheitswachen entlang in ihre Wohnung stehlen, um Liu Xia in den Arm zu nehmen und ein paar persönliche Worte an sie zu richten. Schliesslich werden die Besucher wieder hinaus eskortiert.

Empörte Regierung straft Familie

Liu Xia steht seit drei Jahren unter Hausarrest. Ihr Mann Liu Xiaobo wurde 2009 wegen umstürzlerischen Verhaltens zu elf Jahren Haft verurteilt. Der Aktivist hatte ein Plädoyer für eine Demokratisierung geschrieben und verbreitet, das als Charta 08 bekannt ist. 2010 wurde ihm für seinen jahrzehntelangen gewaltlosen Kampf für die Menschenrechte der Friedensnobelpreis zuerkannt.

Die Regierung in Peking reagierte empört, Liu Xia wurde kurze Zeit später isoliert und darf ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Ihr jüngerer Bruder wurde zudem wegen mutmasslichen Betrugs zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Liu Xia hat das Urteil als politischen Rachefeldzug gegen ihre Familie kritisiert.

(SDA)

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