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Ärzte fordern Ende «der psychischen Folter» von Assange

Experten fürchten um das Leben des Wikileaks-Gründers, der in London im Hochsicherheitsgefängnis sitzt.

Sollte er in der Zelle sterben, dann sei er «effektiv zu Tode gefoltert worden», schreiben rund 120 Ärzte und Psychologen. Julian Assange in London. (Archivbild) Bild: Henry Nicholls/Reuters
Sollte er in der Zelle sterben, dann sei er «effektiv zu Tode gefoltert worden», schreiben rund 120 Ärzte und Psychologen. Julian Assange in London. (Archivbild) Bild: Henry Nicholls/Reuters

Er wollte im Internet eine sichere Plattform für die Aufdeckung heikler Geheimnisse schaffen. Doch die Veröffentlichung von US-Kriegsverbrechen brachte Julian Assange ins Visier der USA. Er ist in London in Haft; jetzt geht es um seine Zukunft und seine Gesundheit.

Knapp 120 Ärzte und Psychologen fordern ein Ende «der psychologischen Folter und medizinischen Vernachlässigung» des Wikileaks-Gründers Julian Assange. Er leide unter den Folgen des Aufenthalts in der ecuadorianischen Botschaft und im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, schrieben die Experten in einem Brief, den die Medizin-Zeitschrift «The Lancet» veröffentlicht hat.

Sollte der 48-Jährige in der Zelle sterben, dann sei er «effektiv zu Tode gefoltert worden», heisst es in dem Schreiben weiter. Die Folterung von Assange müsse eingestellt und es müsse ihm Zugang zur «bestmöglichen Gesundheitsversorgung gewährt werden, bevor es zu spät ist». Er sitzt seit April 2019 im Gefängnis im Osten der Hauptstadt ein. Assanges Gesundheitszustand ist seinen Anwälten zufolge schlecht.

Kriegsverbrechen bekannt gemacht

Die USA haben Assanges Auslieferung beantragt. Die Anhörung dazu soll am 24. Februar beginnen. Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning – damals noch Bradley Manning – geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dadurch wurden auch von US-Soldaten begangene Kriegsverbrechen bekannt.

Insgesamt liegen 18 Anklagepunkte gegen Assange vor. Bei einer Verurteilung in allen Punkten drohen ihm 175 Jahre Haft.

Für die Freiheit des Wikileaks-Gründers: Demonstration anlässlich der Eröffnungsdebatte über das Rentenreformgesetz der französischen Regierung in Paris. (17. Februar 2020) Bild: Charles Platiau/Reuters
Für die Freiheit des Wikileaks-Gründers: Demonstration anlässlich der Eröffnungsdebatte über das Rentenreformgesetz der französischen Regierung in Paris. (17. Februar 2020) Bild: Charles Platiau/Reuters

Der Wikileaks-Gründer hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden aber inzwischen eingestellt.

Im April 2019 wurde er von der britischen Polizei verhaftet, weil er mit seiner Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstossen habe. Dafür wurde er kurz darauf zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt.

Konstruierte Vorwürfe gegen Assange in Kritik

Auch der Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, hatte kürzlich schwere Vorwürfe gegen die Behörden in Grossbritannien, Schweden, den USA und Ecuador erhoben. In seinen Augen wird an Assange ein Exempel statuiert, um Journalisten einzuschüchtern. Die Vorwürfe gegen den gebürtigen Australier hält er für konstruiert. Mehr als 130 Politiker, Künstler und Journalisten in Deutschland hatten sich ebenfalls für die Freilassung von Assange ausgesprochen.

Protest auch in München: Demonstranten fordern die Freilassung Assanges anlässlich der Sicherheitskonferenz. (15. Februar 2020) Bild: Michael Dalder/Reuters
Protest auch in München: Demonstranten fordern die Freilassung Assanges anlässlich der Sicherheitskonferenz. (15. Februar 2020) Bild: Michael Dalder/Reuters

In London ist am kommenden Samstag eine Demonstration für Assange geplant, an der auch Prominente wie die Modedesignerin Vivienne Westwood, der Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters und der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis teilnehmen.

SDA/oli

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