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Bangladesh brodelt

Die Fabriken in Bangladesh sind teilweise sicherer geworden – doch die Löhne stagnieren. Nun wachsen die Spannungen im Textilland, protestierende Arbeiter werden entlassen und kurzzeitig verhaftet.

So einen Aufstand hatte Bangladesh schon lange nicht gesehen: In Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, forderten im Dezember Zehntausende Näher und Näherinnen eine Erhöhung des monatlichen Mindestlohns von 5000 Taka (64 Franken) auf 16 000 Taka. Wie ein Feuer griffen die Streiks von einer Fabrik auf die nächste über.

Doch dann erhielten die Aufmüpfigen die Quittung: Gemäss Polizeiangaben entliessen die Fabriken rund 1600 Beschäftigte, Gewerkschaften sprechen sogar von rund 3500 Betroffenen. Anführer der Streiks und einfache Arbeiter wurden von Fabrikmanagern sogar bei der Polizei gemeldet und kurzfristig festgenommen – wegen Vandalismus und Unruhestiftung.

Löhne stagnieren

Es brodelt weiter in Bangladesh: Mehr als drei Jahre nach der Rana-Plaza-Katastrophe bleibt das südasiatische Land das Schmuddelkind der globalen Textilindustrie. Während sich die Sicherheitsstandards zumindest in manchen Fabriken schrittweise verbessern, führen nun die geringen Löhne zu immer heftigeren Spannungen. Das letzte Mal wurde der Mindestlohn vor drei Jahren erhöht – als Reaktion auf das Unglück von Rana Plaza.

Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Campaign nennt das Vorgehen der Behörden und der Unternehmen in Bangladesh «einen Angriff auf legitime Arbeiterorganisationen und einen Versuch, Beschäftigte dabei zu stoppen, auf ihre ­Armutslöhne und schrecklichen Arbeitsbedingungen hinzu­weisen».

Zulieferer von H & M und Zara

Es sind diesmal nicht die kleinen Betriebe, in denen die Arbeiter für ihre Proteste bestraft wurden. Oft entschuldigen sich die grossen Modeketten bei negativen Schlagzeilen mit dem Hinweis auf das undurchsichtige Zuliefernetzwerk.

Doch wie mehrere Medien in Bangladesh berichten, sind auch grosse Firmen gegen die Arbeiter vorgegangen. So hätten die Sharmin Group oder die Ha’Meem Group mit Entlassungen und Anzeigen gegen ihr Personal reagiert – beide Firmen beschäftigen Zehntausende Arbeiter.

Als Kunden führen beide Unternehmen auf ihrer Internetseite zahlreiche westliche Ketten auf, unter anderem H & M, Gap und Zara.

In einer Stellungnahme hat die Alliance for Bangladesh Worker Safety, eine nach der Rana-Plaza-Katastrophe gegründete Initiative amerikanischer Modeketten, darunter auch Gap, die Festnahmen verurteilt. Zu den Massenentlassungen und den Forderungen der Belegschaften äusserte sich die Initiative jedoch nicht.

Dass die Unzufriedenheit in Bangladesh wächst, ist kaum überraschend: Im Gegensatz zu anderen Textilstandorten wie Kambodscha oder Vietnam stagnieren die Einkommen in Bangladesh trotz steigender Lebenshaltungskosten.

Dass sich die Löhne in Bangladesh kaum erhöhen, resultiert auch aus der Billigstrategie des Landes. «Bangladesh hat vergleichsweise geringe Preise in praktisch jeder Textilproduktkategorie», heisst es in einer Studie der Weltbank, in der Textilbranchen in Südostasien und Südasien miteinander verglichen werden.

«Es scheint, als wolle das Land damit Defizite in Qualität, Arbeitsstandards und Zuverlässigkeit ausbügeln.» Doch das funktioniert nur bedingt: Trotz Wachstum verlor Bangladesh laut Weltbank in den vergangenen Jahren Marktanteile an die Konkurrenz aus Südostasien.

Rund 80 Prozent aller Exporte des Landes stammen aus dem Textilsektor. Der Aufschwung der Branche machte den armen Staat zu einem der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Im aktuellen Haushaltsjahr dürfte Bangladesh laut der Asiatischen Entwicklungsbank um rund 7 Prozent wachsen – doch die breite Masse der Beschäftigten profitiert kaum davon.

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