Zum Hauptinhalt springen

Der König von Palermo

In Palermo kann ihn die eine Hälfte der Bevölkerung nicht ausstehen, die andere aber verehrt ihn: Leoluca Orlando steht vor seiner fünften Amtszeit als Bürgermeister der sizilianischen Hauptstadt.

Drückt Palermo seit 1985 den Stempel auf: Langzeit Bürgermeister Leoluca Orlando.
Drückt Palermo seit 1985 den Stempel auf: Langzeit Bürgermeister Leoluca Orlando.
Keystone

«Ich sollte der Nächste sein»: So heisst Leoluca Orlandos Autobiografie von 2002. Spätestens nach den tödlichen Attentaten auf die beiden Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino zehn Jahre davor war dem Politiker klar, wer ganz oben auf der Mafia-Todesliste stand. Doch Orlando ist noch da. Und wie: Nach seinem Wahlsieg vom Sonntag steht er vor seiner fünften Amtszeit als Bürgermeister von Palermo.

Erstmals stand Orlando 1985 dank der Quasi-Staatspartei Democrazia Cristiana (DC) an der Spitze der sizilianischen Kapitale. Mit dem Zusammenbruch des alten Parteiensystems gründete er 1991 die Bürgerbewegung La Rete (Netz) und wurde 1993 prompt zum Bürgermeister gewählt.

Er verkörperte wie kein anderer die Aufbruchstimmung auf Sizilien zu Beginn der 90er-Jahre. Der «Frühling von Palermo» wäre ohne ihn undenkbar. Es war das erste Mal, dass Italiener und Italienerinnen ihre Bürgermeister direkt wählen konnten. In Rom schaffte es der spätere Vizepremier Francesco Rutelli, in Venedig der Philosoph Massimo Caccari. Beide sind längst weg vom Fenster. Orlando aber wurde 2012 erneut ins Amt gewählt und wirkt noch immer ziemlich unkonventionell.

Zwar ist er nicht mehr der «revolutionäre Missionar» von einst, in Palermo ist kein Enthusiasmus für ihn spürbar. Aber bei seinen Wählern steht er für Stabilität, die Palermitaner haben sich an ihn gewöhnt. Auch die Mafia scheint einen Modus vivendi mit ihm gefunden zu haben. Als er 2001 aber Regionalpräsident werden wollte, erteilte ihm das Wahlvolk eine Abfuhr.

Kirchturmpolitik war noch nie Orlandos Sache, er behält das Ganze im Blick. Und während auf Lampedusa die wegen ihres Einsatzes für die Flüchtlinge weltweit geachtete Bürgermeisterin abgewählt wird, bleibt Orlando im Amt, ohne seinen humanistischen Idealen abzuschwören. Oft setzt er sich für die Gestrandeten ein: «Die Flüchtlinge sind unsere Brüder. Wie viele Tote müssen wir noch bergen, bevor Europa den Egoismus aufgibt?»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch