«Das hässlichste TV-Duell in Amerikas Geschichte»

Der zweite TV-Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Donald Trump wirft in den Medien hohe Wellen – nicht nur in den USA.

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Die grossen amerikanischen Medien sehen nach dem zweiten und hitzigen Duell wiederum Hillary Clinton als Profiteurin. Bei der «Washington Post»wird die Kandidatin der Demokraten jedenfalls zur Siegerin erklärt. Sie sei «beständig, kenntnisreich und nett» gewesen. Und sie habe geschickt ihren Widersacher reden lassen, was ohnehin immer sein Verderben sei. Immerhin gibt die Zeitung zu, dass Donald Trump «sehr viel stabiler und aktiver» gewesen sei als im ersten TV-Duell.

Auch CNN findet, dass «Clinton die Debatte gewonnen hat». Immerhin habe der Verlierer die Erwartungen übertreffen können. Der Sender hält aber auch fest, dass die Zuschauer «die hässlichste, bitterste persönliche Debatte der Präsidentschaftskandidaten in der jüngeren Geschichte» gesehen hätten. Der TV-Sender Fox sieht ebenfalls Trump als Verlierer. Für den Mann sei es ein «kontinuierliches Desaster» gewesen. Fox-News kommt bei diesem Wahlkampf ohnehin zum Schluss: «Wir werden die grösste Schlammschlacht der amerikanischen Geschichte sehen.» «Politico» bezeichnet das TV-Duell als das «hässlichste in der amerikanischen Geschichte». Die Kandidaten hätten sich die ganze Zeit beschimpft, politische Themen seien nur am Rande behandelt worden.

Trumps «flegelhaftes Benehmen»

Die «New York Times» findet, dass es sich um ein «90minütiges Spektakel» gehandelt habe. Es sei eine «feindliche Debatte» zwischen den beiden Kandidaten gewesen. Die NYT kritisiert beim Kandidaten der Republikaner, dass dieser zu Beginn angespannt gewesen und später immer wütender geworden sei.

Selbstverständlich wirft der US-Wahlkampf auch in Europas Medien hohe Wellen. Trump kommt beim britischen «The Guardian»nicht besonders gut weg. «Das Schönste, was man über den Auftritt von Trump sagen kann, ist, dass er bescheuert war.» Es sei die erste Debatte gewesen, in der sich Eltern wohl gewünscht hätten, ihre Kinder ins Bett geschickt zu haben. So aber sahen sie ein «groteskes Spektakel des republikanischen Kandidaten, der in der Scheisse stocherte, sich flegelhaft benahm, mit Dreck um sich warf und versuchte, die Politik mit sich hinunterzuziehen.» Auch für das Blatt «The Independent» geht Clinton als Siegerin hervor, wenn auch weniger deutlich als beim ersten Mal.

Die Wende nicht geschafft

Die NZZ glaubt nicht, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat nach den Geschehnissen der letzten Tage den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Unter dem Titel «Trump verfehlt die Wende» heisst es unter anderem im Kommentar: «Unmittelbares Ziel für Trump war am Sonntagabend somit realistischerweise nicht mehr, seinen Umfragerückstand gegen Clinton wettzumachen. Es ging vielmehr ums nackte Überleben seiner Kampagne. Dies dürfte er erreicht haben.» (…) Aber es wird sich zeigen, ob die Absetzbewegung im republikanischen Lager wirklich gestoppt wurde.» Trump bleibe einen Monat vor der Wahl weit davon entfernt, eine genügend breite Koalition von Wählerschichten hinter sich zu haben. Die NZZ schliesst mit dem Fazit: «Einen Total-Absturz mag Trump mit dieser Debatte zwar verhindert haben – aber den Turnaround hat er nicht geschafft.»

Spiegel Onlineempfindet das zweite TV-Duell als «Psychokrieg», was kein Wunder sei nach dem Auftauchen des Skandalvideos. «Sachthemen treten in den Hintergrund, stattdessen starren alle auf die Frage: Wird er sich mit diesem Duell doch noch retten können? Und wie?» Trump machte schon vorher deutlich, wie er sich aus den Affären ziehen will – mit totalem Angriff.» Er habe Clinton teilweise brutal attackiert. Trumps grösste Schwäche sei sein Temperament. «Er schmeisst mit Schmutz, instrumentalisiert Opfer sexueller Belästigung für seine Zwecke, gibt sich aggressiv und laut. Die Frage, wie er mit dieser Art Unentschlossene davon überzeugen will, den richtigen Charakter für das Weisse Haus zu haben, bleibt die Kernfrage.» Das Duell werde die Dynamik des Wahlkampfs nicht fundamental verändern. Das Fazit von spiegel.de: «Sie bleibt die Favoritin auf den Wahlsieg.»

Die FAZ hat den verbalen Zweikampf unter einem wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet. «Anleger an der Wall Street haben wieder mehr Appetit auf Risiko. Ein Sieg von Donald Trump würde die Wall Street schocken», glaubt die Zeitung aus Frankfurt am Main.

fal

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