Zum Hauptinhalt springen

Der Gelangweilte wurde zum Leben erweckt

Die zweite Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten gab Barack Obama eine Gelegenheit, die Pleite von Denver auszubügeln. Zumeist ergriff er sie, ohne seinen republikanischen Kontrahenten zu demontieren.

Keine Zuneigung: Mitt Romney und Barack Obama in Hempstead. (16. Oktober 2012)
Keine Zuneigung: Mitt Romney und Barack Obama in Hempstead. (16. Oktober 2012)
AFP
Mehr Spass als letztes Mal: Barack Obama kann eindeutig zufriedener sein. Nach einigen unsicheren Minuten fand er den Tritt. Und machte es sich zur Gewohnheit, fast jeden Punkt seines Gegners Mitt Romney zu korrigieren. (16. Oktober 2012)
Mehr Spass als letztes Mal: Barack Obama kann eindeutig zufriedener sein. Nach einigen unsicheren Minuten fand er den Tritt. Und machte es sich zur Gewohnheit, fast jeden Punkt seines Gegners Mitt Romney zu korrigieren. (16. Oktober 2012)
Jason Reed, Reuters
Der Medienrummel ist riesig: Journalisten bereiteten sich auf die Berichterstattung vor. (16. Oktober 2012)
Der Medienrummel ist riesig: Journalisten bereiteten sich auf die Berichterstattung vor. (16. Oktober 2012)
Reuters
1 / 10

Oft leben amerikanische Präsidentschaftsdebatten mehr vom Stil als von der Substanz: Vor zwei Wochen in Denver attestierten die medialen Schiedsrichter dem Republikaner Mitt Romney, er habe die verbale Auseinandersetzung gegen seinen demokratischen Gegner, den Präsidenten Barack Obama, rundherum gewonnen, weil er, Romney, präsidial gewirkt und somit den amerikanischen Wählern die Angst vor einer Fehlentscheidung genommen hätte.

Es half, dass Romneys Gegenüber in Denver verschlafen und mürrisch wirkte, ein gelangweilter Mann, der offensichtlich Besseres zu tun hatte, als sich mit einem Dahergelaufenen eine Bühne zu teilen. Gestern Abend bei der zweiten Debatte an der Hofstra-Universität nahe New York war der Gelangweilte zum Leben erweckt worden: In einem offenen und über Strecken meinungsstarken Schlagabtausch der beiden Kontrahenten behielt Barack Obama des Öfteren die Oberhand, wenngleich sich Romney immer dann in Szene setzen konnte, wenn er die Versäumnisse des Präsidenten anprangerte und Millionen von Fernsehzuschauer fragte, ob sie wirklich gewillt seien, trotz hoher Arbeitslosigkeit und einer generellen Malaise der Wirtschaft weitere vier Jahre mit Barack Obama zu verbringen.

Selbst den Respekt vor dem anderen ringen sie sich mühselig ab

Doch wie ausgewechselt im Vergleich zu seiner lausigen Performance in Denver wirkte der so Gescholtene: Obwohl zuvor ausgewählte «unentschlossene Wähler» – wo gibt es diese eigentlich nach Monaten des Wahlkampfs und nach einem veritablen TV-Bombardement mit politischen Werbespots noch? – den Kandidaten Fragen stellten, liess der Präsident seinem Herausforderer gestern nicht durchgehen, was er in Denver sprachlos hingenommen hatte.

Zwischen diesen beiden existiert keine Zuneigung, selbst den Respekt vor dem anderen ringen sie sich mühselig ab. Besonders Obama wirkte zuweilen fast feindselig, doch stets entschlossen, die Dynamik dieses Wahlkampfs, die Romney seit dem Debakel des Präsidenten in Denver begünstigt hat, wieder umzukehren. Die kommenden Tage werden zeigen, ob dem Präsidenten dies gelungen ist.

Hier patzte Romney

Wahrscheinlich aber tat sich Obama gestern Abend einen Gefallen: Er beleuchtete die Ungereimtheiten in Romneys Steuer- und Haushaltspolitik, er appellierte überzeugend an die Amerikanerinnen – und er machte eine besonders gute Figur, als er republikanische Vorwürfe zurückwies, die Ermordung des amerikanischen Botschafters in Libyen nicht sogleich als eine Terror-Attacke verstanden zu haben. Hier patzte Romney und musste sich von der Moderatorin, der CNN-Journalistin Candy Crowley, belehren lassen, dass er einem Irrtum aufgesessen war.

Zweifel an der Aufrichtigkeit und am politischen Kern Mitt Romneys zu wecken, war Obama in Denver misslungen. Gestern Abend gelang es ihm zumindest stellenweise: Wiederholt verwies er auf Romneys politische Volten und auf seine Ausflüchte, ja er bezichtigte den republikanischen Kontrahenten sogar, in manchen Dingen rückschrittlicher als George W. Bush zu sein.

Obama landete einen Volltreffer

Den vor zwei Wochen angerichteten Schaden wieder auszubügeln, hatte sich der Präsident vorgenommen, doch wie schon in Denver machte es ihm Mitt Romney schwer: Der Republikaner empfahl sich neuerlich und durchaus wirkungsvoll als eine Alternative zu Obama, als ein runderneuerter Mann der politischen Mitte kam er auf die Wähler zu: Der neue Romney hat sich zumindest teilweise von den fragwürdigen Ideen des rechten Flügels seiner eigenen Partei befreit, weshalb er jetzt behauptet, seine rabiaten Auftritte beim innerparteilichen Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur widerspiegelten nicht wirklich seine Seele.

Schwamm drüber, sagt Romney bei den bisherigen beiden Debatten – und wurde vom gestrengen Obama gestern Abend doch wieder und wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Kaum etwa hatte Romney auf der Bühne der Hofstra-Universität die Kohle als sauberen Energiespender gepriesen, konfrontierte ihn der demokratische Präsident: Als Gouverneur von Massachusetts habe Romney die Abschaltung eines Kohlekraftwerks begrüsst, weil es die Luft verschmutzte.

So wogte die lebhafte Debatte hin und her, der Amtsinhaber aber blieb in der Offensive und landete gegen Ende einen Volltreffer, nachdem der Republikaner betont hatte, er werde als Präsident für alle Amerikaner, also für einhundert Prozent, da sein. Damit verschaffte er Obama eine Gelegenheit, auf Romneys verächtliche Bemerkung über jene 47 Prozent der Amerikaner einzugehen, die an der Zitze des Staats hingen. Und genau da zeigte Barack Obama, dass ihm noch immer jene Instinkte zu eigen sind, die ein Kandidat für das mächtigste Amt der Welt braucht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch