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Startet er ein Comeback?

Mitt Romney schlug sich gut bei der ersten Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten – weit besser, als von ihm erwartet worden war. Barack Obama hingegen wirkte geradezu lustlos. Ist das für Romney die Wende?

Stellten beide falsche Behauptungen auf: Barack Obama und Mitt Romney während ihres ersten TV-Duells. (3. Oktober 2012)
Stellten beide falsche Behauptungen auf: Barack Obama und Mitt Romney während ihres ersten TV-Duells. (3. Oktober 2012)
Keystone
Erhielt schlechte Noten: Barack Obama wird nach dem TV-Duell von seiner Frau Michelle umarmt. (3. Oktober 2012)
Erhielt schlechte Noten: Barack Obama wird nach dem TV-Duell von seiner Frau Michelle umarmt. (3. Oktober 2012)
Keystone
Die Farben Rot, Weiss und Blau dominieren: Die Aula an der Universität Denver, in welcher das Duell Obama - Romney stattfand. (2. Oktober 2012)
Die Farben Rot, Weiss und Blau dominieren: Die Aula an der Universität Denver, in welcher das Duell Obama - Romney stattfand. (2. Oktober 2012)
Keystone
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Die amerikanischen Strassen waren leer gefegt, weil die Amerikaner den gestrigen Abend vor ihren Fernsehern verbrachten – und durch ihre Wohnzimmer flimmerte ein Präsident, der den Eindruck machte, er wolle irgendwo sein, nur nicht auf der Bühne der Universität von Denver, wo Barack Obama erstmals gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney antrat. Seltsam zaudernd wirkte Obama bei der eineinhalbstündigen Debatte über die amerikanische Wirtschaft, über die Zukunft der sozialen Versorgungswerke und über seine umstrittene Reform des Gesundheitswesens.

Romney hingegen, schon allein deshalb aufgewertet, weil er mit dem Präsidenten die Bühne teilte, war energisch, ja geradezu unter Strom schien Obamas republikanischer Kontrahent zu stehen. Er punktete, er ging in die Offensive, und er drehte nicht bei, obschon der demokratische Präsident ein ums andere Mal Romneys grosse Schwachstelle anprangerte: Nämlich die Weigerung des Republikaners, spezifisch zu werden und zu erklären, wie er beispielsweise weitere Steuersenkungen bezahlen möchte, ohne die immensen amerikanischen Staatsschulden weiter nach oben zu treiben.

Merkwürdig deplatzierter Präsident

Obama wies wiederholt auf diesen Umstand hin, und er warnte vor den fehlenden Einzelheiten der Romney-Pläne, doch merkwürdig deplatziert wirkte der Präsident zuweilen, rostig fast, als habe er sich nur schlecht vorbereitet auf die Debatte und betrachte das Rennen um den Einzug ins Weisse Haus als gelaufen, weshalb es ausreiche, bis zum Wahltag in der ersten Novemberwoche auf Zeit zu spielen. Romneys problematische Ausflüchte und Verschleierungen einmal beiseite muss dem Herausforderer bescheinigt werden, dass er sich besser schlug, als von ihm erwartet worden war.

Damit verliess er den Debattenplatz in Denver wohl als Punktsieger, wenngleich er bisweilen aufgeregt und fahrig wirkte, ein Mann im Overdrive, der über Wochen hinweg auf seine grosse Stunde präpariert worden war und sich gelegentlich aufführte, als benötige er eine Dosis Ritalin. Obama andererseits schien gelegentlich irritiert; fast erwartete man, er werde wie einst George Herbert Walker Bush bei der Debatte mit Bill Clinton 1992 bald auf seine Armbanduhr blicken, um herauszufinden, wie lange die Tortur wohl noch dauere.

Kundiger und lebhafter Romney

Die Debatte, geleitet vom erfahrenen TV-Moderator Jim Lehrer, hatte Substanz; sie ging dem jeweiligen Verständnis der Rolle des Staats in der Gesellschaft ebenso nach wie dem nötigen Mass an Deregulierung, sie näherte sich dem Bildungswesen geradeso wie dem Wahnsinn eines Gesundheitswesens, das als teuerstes der Welt kaum noch bezahlbar ist und dessen Ergebnisse den Aufwand nicht rechtfertigen. Wer freilich erwartet hatte, Obama werde einmal mehr auf die Abgehobenheit seines reichen Kontrahenten zu sprechen kommen oder ein Wort über Romneys Kommentar zu jenen 47 Prozent der Amerikaner verlieren, die ihn nicht kümmerten, sah sich getäuscht.

Denn defensiv blieb der Präsident, nur selten gelang ihm eine Antwort, die den Republikaner in die Schranken verwies. Der Herausforderer hat sich in Denver gut verkauft: Wer ihn bis gestern Abend als ein politisches Leichtgewicht betrachtet hatte, sah sich eines anderen belehrt; kundig und lebhaft stand Romney seinen Mann. Dass er einmal mehr nicht wirklich sagen wollte, wie er seine Steuersenkungen bezahlen will, oder dass er schon wieder vernebelte, wie seine Reform des Gesundheitswesens aussehen wird: Es ging unter, weil Romney darüber hinwegsegelte, ohne vom Amtsinhaber wirklich herausgefordert zu werden.

Romney brachte Obamas Ursünde auf den Punkt

Lustlos kam dieser daher, ein angenehmer Mensch zwar, aber niemand, der in Denver wirklich überzeugt hätte. Zumal Mitt Romney die Ursünde der Obama-Präsidentschaft knapp und bündig auf den Nenner brachte: Wie nur konnte der Präsident zwei volle erste Amtsjahre mit der Reform des Gesundheitswesens verbringen, derweil die Arbeitslosigkeit himmelhoch war und sich immer mehr Amerikaner aus der Mittelschicht verabschiedeten?

Die kommenden Tage werden zeigen, wie gross der Gefallen war, den sich Mitt Romney in Denver getan hat. Weiter an Boden verlieren wird der Republikaner nach dem gestrigen Abend gewiss nicht. Eher schon könnte Denver der Beginn eines Comebacks gewesen sein.

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