Trumps Überlebenskampf

Kein K.O., aber ein Sieg nach Punkten für Hillary Clinton, so der Kommentar von US-Korrespondent Thomas Spang zum bizarrsten Duell in der Geschichte amerikanischer Wahlkämpfe.

US-Korrespondent Thomas Spang über Donald Trumps Überlebenskampf in der zweiten Debatte gegen Hillary Clinton.

Donald Trump hat die zweite Debatte überlebt und Hillary Clinton damit den Wahlsieg beschert. Jeder andere Ausgang hätte die Republikaner dazu bewegt, sich nach einem Ersatzkandidaten umzuschauen.

Trump hat alles getan, den harten Kern seiner schrumpfenden Basis bei der Stange zu halten. Der lebt wie der Kandidat selbst in einem alternativen Universum.

In dieser Welt ist es normal darüber zu fantasieren, Hillary Clinton wegen der Email-Affäre ins Gefängnis zu werfen. Dass Trump dies vor Millionenpublikum aussprach, dürfte seine Basis ebenso begeistert haben wie dass der Kandidat sie als «Teufel» bezeichnete.

Bei den strategisch wichtigen Wählergruppen in den alles entscheidenden Swing-States hat sich Trump damit weiter geschadet. Wie die Wähler dort auch das Eingeständnis nicht schätzen dürften, dass der Milliardär über Jahre keine Einkommenssteuern bezahlt hat.

Der Kandidat bekräftigte mit seinem Gerede über die strafrechtliche Verfolgung eines politischen Gegners den Eindruck, nicht ein Konservativer der alten Schule, sondern ein Bananen-Republikaner zu sein. Ein trauriger Tiefpunkt für die politische Kultur der USA. Seine Körpersprache und das aggressive Auftreten gegenüber Clinton und der Co-Moderatorin wirkten bedrohlich.

Zusammen mit dem schwachen Versuch, die sexuelle Belästigung einer verheirateten Frau als Gerede in der Umkleidekabine vergessen zu machen, hat er sich den bisher unentschiedenen Wählerinnen in den Vororten nicht empfohlen. Clinton versäumte es, Trump in der Debatte K.O. zu schlagen, siegte aber nach Punkten. Das lässt die Republikaner mit einem grossen Problem zurück. Die Partei bleibt nun bis zum 8. November dem Monster ausgeliefert, das sie selber geschaffen hat. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Trump den Konservativen damit nicht nur das Weisse Haus, sondern auch die Mehrheit im Senat kostet.

In jedem Fall wird diese Debatte in St. Louis als das bizarrste Duell in die Geschichte amerikanischer Wahlkämpfe eingehen. Ein Spektakel gewiss, inhaltlich aber alles andere als befriedigend.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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