«Unsere Zukunft ist elektrisch»

Der Pariser Autosalon steht im Zeichen der Elektrotechnologie. Auch VW mischt mit. Der Batterieantrieb soll den Konzern neu ausrichten, wie Markenchef Herbert Diess ankündigte.

VW-Markenchef Herbert Diess präsentierte gestern in Paris den VW I.?D. , der eine neue Ära bei Volkswagen einläuten soll.

VW-Markenchef Herbert Diess präsentierte gestern in Paris den VW I.?D. , der eine neue Ära bei Volkswagen einläuten soll.

(Bild: Getty Images)

Gleich 70 Modelle mit ganz oder teilelektrischem Antrieb dominieren die neuste Ausgabe des Pariser Autosalons, der morgen beginnt. Volkswagen zeigt zum Beispiel eine Designstudie namens I. D. , die nach dem Käfer und dem Golf eine dritte VW-Ära einläuten soll. «Unsere Zukunft wird elektrisch und voll vernetzt sein», erklärte VW-Markenchef Herbert Diess am Donnerstag in Paris. «Wir erwarten den Durchbruch für die E-Mobilität für 2020. Bis 2025 wollen wir eine Million rein elektrische Fahrzeuge verkaufen und in diesem Bereich globaler Marktführer werden.»

Bereits im vergangenen Jahr verkaufte Renault vom Zoé, einem der Stars an der zweiwöchigen Messe, zwei Drittel mehr Fahrzeuge als im Vorjahr, nämlich 18 700. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich allerdings, dass der stark subventionierte Zoé in Frankreich vor allem von der öffentlichen Hand und Flottenbetreibern erstanden wird. Bei Privaten bleiben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück. Die kommerzielle Wirklichkeit ist noch hart: Weltweit kommen die E-Autos erst auf einen Markt­anteil von 0,6 Prozent.

Reichweite wird verdoppelt

Die Haupthürden sind die stolzen Preise und die bescheidenen Reichweiten. Der Zoé fährt mit geladener Batterie offiziell 210 Kilometer weit, nach Testfahrten auf der Autobahn aber nur 110 Kilometer. Deutsche Hersteller wie Opel – mit dem Ampera-e – oder Daimler präsentieren in Paris nun Modelle mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern.

Der ganze Pariser Mondial zeigt immerhin, dass die ganze Branche Kurs auf die E-Sparte nimmt und sich von Diesel abwendet. Der Abgasskandal bei VW hat das Umdenken beschleunigt. In Paris wird das über den Autosalon hinaus ersichtlich: Die Stadtregierung möchte dieselgetriebene Autos ab 2020 in den Strassen von Paris verbieten. Und Frankreich, bisher ein «Dieselland», verteuert den Dieseltreibstoff via Steuern immer mehr.

Aber eben: Die Umstellung wird dauern. Gemäss einer neuen Studie des Beraterbüros AlixPartners wird erst 2030 jedes fünfte verkaufte Auto einen voll elektrischen Antrieb aufweisen. Deshalb konzentrieren sich derzeit noch viele Hersteller auf die Hybridtechnologie mit Kabelstrom und Benzintank.

Welcher Mix setzt sich durch?

In Paris dominiert die Plug-in-Technologie, bei der die Batterie auch an der Steckdose aufgeladen werden kann. Führend sind dabei, wie sich am Salon klar zeigt, die deutschen Hersteller. Renault-Boss Carlos Ghosn, ein leidenschaftlicher E-Befürworter, meint skeptisch, der doppelte Plug-in-Motor nehme bis in den Kofferraum viel Platz weg und erhöhe die Kosten nochmals um rund 7000 Euro. Neutraler meint der Vorsteher des grössten französischen Autobestsandteilherstellers Valeo, Jacques Aschenbroich: «Noch weiss niemand ­genau, welcher Mix sich durchsetzen wird. Wahrscheinlich fällt die Antwort je nach Weltgegend unterschiedlich aus.»

Dies dürfte auch deshalb der Fall sein, weil die Gesetzgebungen von Land zu Land anders sind. Dass in China in diesem Jahr am meisten E-Autos verkauft wurden, hat mehr mit den Engpässen bei der Neuwagenzulassung zu tun als mit einer ökologischen Einstellung wie in Norwegen. In Deutschland war der Absatz reiner E-Autos in der gleichen Periode sogar rückläufig; nur die Plug-in-Hybride legten um 23 Prozent zu.

Der Leiter der betreffenden Länderstudie, Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management, führt dies auf das immer noch ungünstige Verhältnis Reichweite - Ladestationen - Preis zurück.

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