Zwei, die gegen den Strom schwimmen

Auch in Zeiten des Booms bei Elektroautos bedient BMW die Nachfrage nach potenten Sportwagen oder bulligen SUV.

Die BMW X4 M (Bild) und X3 M sind technische Zwillinge mit unterschiedlicher Karosserieform. Foto: PD

Die BMW X4 M (Bild) und X3 M sind technische Zwillinge mit unterschiedlicher Karosserieform. Foto: PD

Dicke Post aus München: Während die ganze Welt nach vernünftigen Elektroautos schreit, wirft BMW zwei potente SUV-Modelle auf den Markt. Das macht für die Umwelt wenig, für den Hersteller aber viel Sinn: Denn noch ist es nur ein kleiner Teil der Schweizer Autokäufer, die ein rein elektrisch angetriebenes Modell kaufen – der Marktanteil von Januar bis Ende Mai 2019 lag bei 3,7 Prozent –, und noch sind es ganz viele, die einen leistungsstarken Sportwagen oder einen bulligen SUV wollen. Oder eben beides in einem.

Logisch, dass die Hersteller Produkte anbieten, die gerne gekauft werden. Bei BMW sind das vor allem SUV und auch die sportlichen M-Modelle; dass diese Verkaufsschlager miteinander kombiniert werden, ist also kein Zufall, sondern Kalkül. Herausgekommen sind dabei der X3 M und der X4 M, technische Zwillinge mit unterschiedlicher Karosserieform. Der eine ein 4,73 Meter langer SUV, der andere ein 4,76 Meter langes SUV-Coupé – beide vom Grundkonzept her überhaupt nicht sportlich, nun aber durchtrainiert und selbst für den Einsatz auf der Rennstrecke gerüstet. Nicht, dass damit je ein Kunde tatsächlich auf einem Racetrack fahren würde. Aber man könnte.

Patt bei der Motorleistung

Damit das gelingt, haben die Entwickler von BMW M eine Menge Aufwand betrieben. Entsprechend selbstbewusst zeigt sich die sportliche Tochtermarke: «Es wird in diesem Segment kein Fahrzeug geben, dass unserem das Wasser reichen kann», erklärt der neue M-Chef Markus Flasch ziemlich breitbrüstig und weist damit den Mercedes GLC 63 AMG und den Alfa Romeo Stelvio Quadrifo­glio in die Schranken. Zumindest verbal. Pikant dabei ist, dass die neuen M-Modelle in ihrer Topversion Competition 510 PS und damit exakt die gleiche Leistung wie die genannten Konkurrenten generieren. Beim Stammtischspurt von null auf hundert muss der X4 M Competition aber hintenanstehen: Während die Konkurrenten diesen in 3,8 Sekunden abhaken, benötigt der BMW dafür drei Zehntel länger. Das sind in dieser Kategorie Welten.

Untypisch hohe Drehzahlen

Punkten sollen X3 M und X4 M vor allem mit dem von BMW bekannten Handling. «Das Entwicklungsziel war es, das Fahrgefühl eines M3 in den ersten Stock zu versetzen», sagt Markus Flasch. Dazu wurden diverse Versteifungen in Vorderwagen und Heck verbaut, inklusive einer Domstrebe aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) im Motorraum. Das Fahrwerk wurde entsprechend angepasst und neu abgestimmt, die Bremsanlage stammt aus dem M760i. Vor allem aber erhalten die beiden Modelle das aus dem M5 bekannte Allradsystem M xDrive, das erst dann Kraft auf die Vorderräder leitet, wenn die Hinterräder ans Limit gelangen. Wie von M-Modellen gewohnt, können die drei Schaltprogramme für die 8-Gang-Automatik, die Kennlinie für das Gaspedal oder die Dämpferrate, nach persönlichem Gusto zusammengestellt werden.

Das Highlight dieser neuen Modelle ist der Motor. Der Reihensechszylinder mit doppelter Turboaufladung wurde komplett neu entwickelt und wird künftig auch in anderen M-Fahrzeugen zu finden sein.

«Wir setzen noch eins drauf»

«Dieser Motor hat mit seinem Vorgänger nichts gemeinsam. Ein neuer Zylinderkopf, eine eigene Abgasanlage, eine eigenständige Ölversorgung – es ist im Prinzip ein völlig neuer Motor», führt M-Chef Markus Flasch aus. Das Resultat: 480 PS und 600 Nm aus drei Litern Hubraum, in der Competition-Version sind es 510 PS bei gleichem Drehmoment. Dabei ist das Aggregat auf hohe Drehzahlen ausgelegt, was für Turbomotoren untypisch ist: Die Höchstleistung steht bei 6250 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment wird von 2600 bis 5950 Touren konstant gehalten.

Im Fahrbetrieb ist der Antriebsstrang über alle Zweifel erhaben, wie der X4 M Competi­tion auf der kurvigen Rennstrecke von Monticello bei Newark bewiesen hat. Doch auf den schlechten Strassen im Hinterland hatte das sehr straffe Fahrwerk selbst im Komfortmodus Mühe, die Contenance zu bewahren. Insgesamt aber ist das Fahrverhalten wohl so, wie es die M-Kundschaft wünscht: betont sportlich, aber durchaus alltagstauglich.

Natürlich hat BMW M diese beiden Modelle nicht für den Renneinsatz entwickelt, im Fokus stand vor allem der wirtschaftliche Erfolg. «Der X3 M40i ist das bisher erfolgreichste M-Fahrzeug überhaupt», so Flasch. «Nun setzen wir mit dem X3 M und X4 M noch eins drauf.» Als Hauptmarkt bezeichnet er die USA, wo die beiden Modelle gebaut werden und wo rund ein Drittel aller Fahrzeuge abgesetzt werden soll. In der Schweiz dürften sie ebenfalls bestens ankommen: Allrad-SUV und sportliche Motoren sind bei der Kundschaft nach wie vor sehr gefragt.

Dave Schneider fuhr die neuen X3 M und X4 M auf Einladung von BMW Schweiz in Newark.

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