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Fast schon ein Frühlingssturm

Opel eröffnet die Open-Air-Saison mit einem spektakulären Cabrio. Und hat für die Zukunft ebenso spektakuläre Pläne.

Eleganter Hoffnungsträger aus Rüsselsheim:
Eleganter Hoffnungsträger aus Rüsselsheim:
Opel
Das 4-plätzige Cabriolet Cascada...
Das 4-plätzige Cabriolet Cascada...
Opel
...in die Mittelklasse bringen.
...in die Mittelklasse bringen.
Opel
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Zugegeben. Für einen Sturm ist es jetzt, Mitte März, noch ein bisschen früh. Aber ein Frühlingserwachen ist es schon, was Opel in diesen Tagen an der Côte d’Azur zelebriert. Mit dem Cascada, dem brandneuen, 4-sitzigen Cabriolet, das sich in Genf noch bis morgen Sonntag im Scheinwerferlicht dreht, in Südfrankreich aber bereits über die Strasse rollt. Und auch dabei gute Figur macht.

Der Kompaktklasse enteilt

Ja, er ist ein Hingucker, dieser Cascada. Ein klassischer 4-Sitzer mit lang gestreckter, fliessender Silhouette, dynamisch gepfeilter Front mit markanten seitlichen Lufteinlässen und einem alles andere als pummeligen Heck. Auch die Kehrseite passt. Da haben Opel-Designchef Malcom Ward und Cascada-Gestalter Andrew Dyson wirklich ganze Arbeit geleistet und in keiner (Kohle-)Faser auch nur einen einzigen Gedanken an den Astra verschwendet, auf dessen Plattform der Neue noch immer steht.

Warum auch? Mit 4,7 Meter Länge ist der Cascada nicht nur seinem Vorgänger, sondern auch dessen bisherigen Konkurrenten, den kompakten Open-Air-Versionen von VW (Golf), Peugeot (308 CC) oder Renault (Megane) buchstäblich enteilt. Und zwar zielgenau Richtung Mittelklasse. Mehr noch: Opel macht mit dem Cascada sogar Premiumansprüche geltend. Strategie-Vorstand Thomas Sedran sieht es so: «Das Segment der Mittelklasse-Cabriolets beschränkte sich bisher ausnahmslos auf hochpreisige Modelle der Premium-Hersteller. Mit dem Cascada bieten wird nun ein Auto an, von dem unsere Kunden Ausstattungsmerkmale und Qualität auf Premiumniveau erwarten dürfen – zu einem äusserst attraktiven Preis.»

Schon ab 35 600 Franken

So ist es. In der Basisversion wird es den Cascada, wenn er Ende April in den Handel kommt, bereits ab 35 600 Franken geben. Da steckt dann zwar nur der 1,4-Liter-Benziner mit 140 PS unter dem wohlgeformten Blech (und nicht der neu entwickelte, 170 PS-starke Turbo-Direkteinspritzer), dafür gibts darüber Stoff, der sozusagen zum Träumen ist. Gemeint ist das Softtop, das wie beim (Premium-)Audi A5 vom Dachspezialisten Magna Steyr in Graz gefertigt wird. Mit faltenfreiem Sitz und bündig in den Stoff eingelassener, beheizbare Glasheckscheibe wirkt die «Mütze» nicht nur hochwertig, sie ist es auch. Denn ein spezielles Polyestervlies zwischen äusserer Dämmschicht und Innenraumverkleidung sorgt für besten Geräuschkomfort im Opel.

Perforierte Ledersitze

Und auch die Technik passt: Per Knopfdruck öffnet sich das Verdeck in 17 Sekunden, und das bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Wem das zu schnell ist, der kann das Dach auch aus dem Stand öffnen – mittels Fernbedienung, wenn er sich dem Auto gelassenen Schrittes nähert. Apropos Komfort: Zertifizierte Ergonomiesitze sind das eine, dass Opel hitzereflektierendes Leder einsetzt, durch dessen perforierte Flächen zusätzlich Frischluft (oder auch Warmluft) einströmen kann, das andere. Einen Premium-Pluspunkt verdient sich der Cascada auch durch das respektable Raumangebot für die Fondpassagiere und das noch respektablere Stauvolumen: 280 Liter sind es bei offenem Dach, 350 Liter bei geschlossenem Verdeck – ein Spitzenwert für ein Cabriolet. Selbst in der Mittelklasse.

Da kann das Motorenangebot (noch) nicht ganz mithalten. Dafür das Fahrwerk. Es basiert auf jener Chassistechnologie, die Opel für den 280 km/h schnellen Insignia OPC entwickelt hat und die auch ohne Allradantrieb wie im Hochleistungskombi für optimale Traktion sorgt. Der Cascada hat sich auch bei schnell gefahrenen Kurven gut im Griff.

Volle GM-Unterstützung

Doch seien wir ehrlich: Eigentlich ist der neue Open-Air-Schönling auf eine ganz andere Art der Freude am Fahren ausgelegt. Und die Frühlingsgefühle, die das Cabriolet beim lockeren Cruisen entlang der Avenue d’Anglais in Nizza wachruft, sind sogar bloss Vorboten auf jenen «richtigen» Frühlingssturm, den Opel nun im Zuge der Lancierung des Cascada ankündigt. Und das mit voller Unterstützung durch die US-Konzern-Mutter General Motors (GM).

Das war in den vergangenen, wirtschaftlich turbulenten Jahren, nun wirklich nicht immer so. Und wenn Opel-Stratege Thomas Sedran jetzt und ziemlich unvermittelt von einer «milliardenschweren Produkte-Offensive» erzählt und dabei die besondere Rolle des neuen Cascada «als wichtigem Baustein» herausstreicht, dann kommt das in jeder Beziehung einer völlig unerwarteten Trendwende gleich.

23 neue Autos bis 2016

Denn ganz offensichtlich stehen die Amerikaner wieder voll hinter Opel. GM-Vize Steve Girsky, der zugleich Chef des Opel-Aufsichtsrates ist, macht jedenfalls grosse Versprechungen. Anlässlich des Produktionsstarts des Cascada im polnischen Werk Gliwice kündigte er an, dass Opel bis 2016 insgesamt 23 neue Fahrzeuge und 13 neue Motoren auf den Markt bringen wird. Und schon ein Jahr früher will der Amerikaner bei der deutschen Konzerntochter wieder schwarze Zahlen schreiben lassen.

Welche Rolle der Cascada dabei genau spielen soll, lässt Girsky offen. Bekannt ist nur, dass er sich vom Mittelklasse-Cabrio einen tüchtigen Imageschub erhofft. Wohl zu Recht.

Peter Hegetschweiler fuhr den neuen Cascada auf Einladung von Opel Schweiz am 12./13. März in Südfrankreich.

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