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Koreanische Nullnummer

Während Hyundai und Kia boomen, kämpft der koreanische Hersteller SsangYong ums Überleben. Hat die Marke noch eine Zukunft in der Schweiz?

Der elektrische Korando soll 2021 auf den Markt gebracht werden. Foto: PD
Der elektrische Korando soll 2021 auf den Markt gebracht werden. Foto: PD

SsangYong – der Zwillingsdrache. Die bekannte koreanische Automarke, die doch so viele nicht kennen. Während Hyundai und Kia im Zusammenschluss seit Jahren vorne wegziehen und global zu einer Macht geworden sind, bleibt SsangYong im Heimmarkt unter den koreanischen Herstellern ­sogar noch hinter GM Korea an vierter und letzter Stelle zurück. Die Unternehmensgeschichte ist von einem steten Wandel geprägt – doch richtig aufwärts ging es für SsangYong nie.

Der erst seit 1986 unter diesem Namen auftretende Autohersteller war in den 90er-Jahren von der Kooperation mit Mercedes-Benz abhängig, bezog von den Stuttgartern erst Motoren und dann ganze Modelle, bevor er 1998 vom ebenfalls koreanischen Autohersteller Daewoo übernommen wurde. Schon drei Jahre später stiess Daewoo SsangYong wieder ab, worauf die Marke mit dem Zwillingsdrachen wenig später in chinesischen Besitz überging. Seit 2011 wird SsangYong von der ­indischen Mahindra Group kontrolliert – ein Konkurs der Koreaner konnte durch diese Übernahme verhindert werden.

Höhenflug auf bescheidenem Niveau

Auch in der Schweiz durchlief SsangYong ein stetiges Auf und Ab: Zwischenzeitlich verschwand die Marke ganz vom Markt, dann kehrte sie selbstbewusst unter neuem Importeur, der belgischen Alcopa-Gruppe, und mit neuer Vertriebsstruktur zurück. Auf grosse Stückzahlen kam der koreanische Allradspezialist dennoch nie, auch nicht in der allradverrückten Schweiz.

2015 wurde der ­kompakte Crossover Tivoli lanciert, und die Verkäufe stiegen von 569 Einheiten (2014) auf 968 Exemplare zwei Jahre später. Doch da endete der Höhenflug auf bescheidenem Niveau bereits wieder: 2019 konnten ­hierzulande noch 791 Fahrzeuge an Frau und Mann gebracht ­werden – auffällig viele davon (248 Fahrzeuge) im Dezember, was auf Tageszulassungen schliessen lässt.

Und nun das: Im Januar dieses Jahres steht in der Zulassungsstatistik von Auto-Schweiz eine dicke Null bei SsangYong. Wie ist das zu erklären? «Wir konzentrieren uns 2020 auf den Verkauf von Händlerbeständen», begründet Nicole Sahlmann, Chefin der SsangYong Schweiz AG, diesen Rückgang auf Anfrage der SonntagsZeitung. «Wir rechnen mit einem entsprechend tieferen Volumen im Neuwagengeschäft.»

Zukunftsfähige Produkte fehlen

Aber auch die neuen CO2-Vorschriften setzen SsangYong zu, wie vielen anderen Herstellern auch. Doch mit den aktuellen Modellen, dem überarbeiteten Crossover Tivoli und der neuen Generation des SUV Korando haben die ­Koreaner diesbezüglich einen schweren Stand: Der Tivoli emittiert in der sparsamsten Version 146 Gramm pro Kilometer, der neue Korando weist 149 Gramm als Bestwert aus – erlaubt sind seit Anfang Jahr noch 95 Gramm. Für jedes Gramm mehr muss der Importeur empfindliche Bussen bezahlen.

Massgebend ist dabei der Durchschnitt aller verkauften Fahrzeuge, und dieser dürfte bei Ssang­Yong noch deutlich höher liegen, denn die stärksten ­Benzinversionen von Tivoli und Korando mit Allradantrieb stossen 195 respektive 198 Gramm pro Kilometer aus.

In Aussicht gestellte, zukunftsfähige Produkte fehlen noch: «Der rein elektrisch angetriebene Korando EV kommt verspätet erst 2021 – das erschwert es uns derzeit, die CO2-Ziele zu erreichen», so Nicole Sahlmann. Ausserdem hat auch der Dieselskandal der Marke mit dem Zwillingsdrachen zugesetzt, besonders im grossen deutschen Markt. «Für eine Marke, die einmal einen Dieselanteil von über 80 Prozent hatte, ist das natürlich ein Thema. Das tut uns durchaus weh», sagte SsangYong-Deutschland-Chef Ulrich Mehling vor zwei Jahren.

Trotzdem sind die Verkäufe in Deutschland relativ moderat zurückgegangen: Von 3400 Einheiten im Jahr 2016 auf 2870 Fahrzeuge im vergangenen Jahr. In der Schweiz ist der Dieselanteil von SsangYong mit rund 65 Prozent ebenfalls hoch, doch hierzulande hat sich der Skandal weniger stark auf die Verkäufe ausgewirkt.

Ein zweites Standbein wird aufgebaut

Aber hat SsangYong überhaupt noch eine Zukunft in Europa, in der Schweiz? Darüber will Schweiz-Chefin Nicole Sahlmann nicht spekulieren. Viel lieber will man mit dem Import von elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen der Marke Maxus Motors ein zweites Standbein aufbauen. Noch ist das Angebot überschaubar: Die zur chinesischen SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) gehörende Marke bietet in der Schweiz mit dem EV80 einen elektrisch angetriebenen Transporter an, der als Kastenwagen oder als Chassis-Kabine erhältlich ist. Bald soll der kleinere EV30 folgen, für 2021 ist die Einführung des grösseren EV90 geplant. Das Vertriebsnetz besteht momentan aus 15 Maxus-Händlern und soll weiter ausgebaut werden.

Dieser Ausbau um die Marke Maxus könnte zu einer Verlagerung des Geschäfts führen, denn der Import der elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge trifft im ­aktuellen Marktumfeld auf fruchtbaren Boden. Für die Marke Ssang­Yong hingegen wird die Situation in Europa nicht einfacher: Die ­grossen Autohersteller investieren derzeit hohe Milliardenbeträge in Elektroautos, ins autonome ­Fahren und in neue Mobilitätskonzepte. Da mitzuhalten, wird ein schwerer Kampf für den angeschlagenen Zwillingsdrachen.

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