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Bessere Autos – für die Älteren

Mit einer neuen Testserie fühlt der deutsche ADAC einem Dutzend Modellen auf den Zahn – mit Blick auf jene Zielgruppe, die am schnellsten wächst und offenbar zu wenig Beachtung findet.

Das waren noch Zeiten, denkt sich mancher Autofahrer, wenn er den Harass mit den Orangensaft-Flaschen in den Kofferraum hievt, wenn er beim Ausscheren nach hinten links über die Schulter schaut oder wenn er in der Innenstadt rückwärts einparken muss… – «das waren noch Zeiten, als ich flotte 50 war».

Irgendwann werden alle älter, auch die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs. Wie in der Bevölkerungsstatistik steigt der Anteil der Senioren auch in der Kundendatei stetig an – doch die Automobilhersteller könnten sich nach Ansicht des ADAC «noch besser auf die Bedürfnisse des wichtigsten Kundensegments einstellen». Anders herum gesagt: Man könnte mehr für die Senioren machen.

Erste Serie von Autotest publiziert

Dies belegen auch zwölf neue Modellreihen-Tests, die der ADAC nun publiziert hat – anhand von Basisdaten aus den umfangreichen eigenen Verfahren, aber erweitert um Aspekte wie die Verfügbarkeit von Assistenzsystemen wie Einparkhilfen oder die Tauglichkeit des Lichts für Nachtfahrten, die besonders älteren Menschen die alltägliche Fahr-Arbeit erleichtern können.

Die Resultate der ersten Tests stimmen nicht unbedingt glücklich. Von zwölf untersuchten Modellreihen haben sieben nur «befriedigend» abgeschlossen, während fünf ein «gut» erreichten – und also keiner der Wagen ein «sehr gut». Dem Audi A4 Avant gaben die Tester zwar in vier von sechs Aspekten eine Höchstnote. Doch weil beispielsweise die niedrigen Sitze und breiten Türschwellen das Ein- und Aussteigen für Ältere erschweren können, blieb es unter dem Strich nur bei der zweitbesten Gesamtnote.

Auf Platz zwei brachte es die C-Klasse von Mercedes mit viermal «sehr gut». Die Tester lobten unter anderem die grosse Zahl verfügbarer Assistenzsysteme, von Spurtreue-Assistenten über den Totwinkel-Assistenten bis zur automatischen Abstandsregelung mit Notbremsfunktion. Doch andererseits: Beim Einsteigen «fällt man sprichwörtlich in den Sitz, beim Aussteigen muss man sich hochziehen», schreibt der ADAC.

Betrachtung in sieben Kategorien

Neben dem Ein- und Ausstieg und der Ausstattung mit Hilfselektronik beurteilten die Autofachleute auch die Lichtverhältnisse beim Fahren bei Nacht, den Komfort, die Sichtverhältnisse sowie die Bedienung. Und natürlich den Kofferraum, der viele Senioren beim Packen nach dem Grosseinkauf zu Turnübungen zwingt. Beim VW-Passat fiel ihnen positiv auf, dass sich die Kofferraumklappe auch mithilfe eines Beinkontakts an der Stossstange öffnen lässt – eine findige Lösung, die jeder zu schätzen weiss, der regelmässig Mineralwasser einkauft.

«Wir haben die Tests wirklich mit den Augen der Senioren gemacht», sagt Manfred Gross, der das Projekt im ADAC-Technikzentrum in Landsberg leitet, «schliesslich bin ich auch bald 65 Jahre alt.» Eine Schwäche, die er bei fast allen Modellreihen geortet hat, ist die schlechte Sicht nach hinten auf den Heckbereich. «Bei älteren Menschen verengt sich das Sichtfeld», erklärt er, «der Nacken ist nicht mehr so beweglich wie früher, und allgemein verschlechtert sich mit dem Alter ja auch die Sehfähigkeit.»

Weitere Tests bereits eingeplant

Sein Fazit der ersten Testreihe? «Das ideale Auto für die älteren Generationen konnte bisher noch nicht identifiziert werden», sagt Gross mit einem Augenzwinkern. Das könnte nach seiner Ansicht auch daran liegen, dass manche Hersteller die Bedürfnisse der Senioren zwar kennen – aber vielleicht nicht als wichtigstes Ziel sehen. Beispiel Beweglichkeit: Um Entwürfe zu testen, setzen namhafte Hersteller zwar einen Anzug ein, der manche Bewegungen hemmt – eine Simulation eines Fahrers im Alter von 60 bis 70 Jahren. Doch wie stark diese Erkenntnisse wirklich in das Design einfliessen, sagt Gross, «das ist natürlich eine ganz andere Frage».

Bis zum Jahresende will der Tester mit seinem Arbeitgeber 30 Modellreihen fertig getestet haben und die Resultate vorlegen; im Anschluss sollen pro Monat jeweils ein bis zwei neue Tests folgen. Die Fachleute beim Interessenverband sind überzeugt, dass die Zielgruppe sich für diesen Service interessieren wird. Und vielleicht auch andere Autofahrer, für die der Komfort das wichtigste Argument bei einer Kaufentscheidung ist.

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