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Analyse zur SCB-TrainerwahlBern wechselt den Kurs und bleibt sich treu

Der SC Bern setzt auf der Trainerposition einmal mehr auf die Antithese des Vorgängers. Der neue Coach Don Nachbaur (61) hat vornehmlich Junioren betreut und kennt das hiesige Eishockey kaum. Das birgt Risiken.

Die Clubspitze des SC Bern mit VR-Präsident Beat Brechbühl, CEO Marc Lüthi und COO Rolf Bachmann (von links) überrascht mit der Ernennung des kanadisch-österreichischen Doppelbürgers Don Nachbaur zum Cheftrainer.
Die Clubspitze des SC Bern mit VR-Präsident Beat Brechbühl, CEO Marc Lüthi und COO Rolf Bachmann (von links) überrascht mit der Ernennung des kanadisch-österreichischen Doppelbürgers Don Nachbaur zum Cheftrainer.
Foto: Peter Schneider

Er trägt einen Namen, den man nicht so schnell vergisst. Dennoch war Don Nachbaur im Schweizer Eishockey bis gestern den wenigsten geläufig respektive bekannt. Nun steht er dem Schwergewicht SC Bern als Trainer vor. Der kanadisch-österreichische Doppelbürger verblieb als Letzter auf dem Kandidatenkarussell, auf dem unter anderen der bisherige SCB-Coach Hans Kossmann, Davos-Assistent Johan Lundskog und Växjös Sam Hallam gesessen hatten.

Hallam war der renommierteste und wohl teuerste Kandidat, sein Engagement im Zuge der Corona-Krise kaum finanzierbar. Nachbaurs Verpflichtung haftet das Etikett «Billiglösung» an. Vor einigen Wochen liess Marc Lüthi verlauten, die finanzielle Situation beeinflusse auch die Wahl des Trainers. Nun betont der Geschäftsführer ungefragt, es handle sich um keine Verlegenheitslösung. Im Vergleich zum zweifachen Meistertrainer Kari Jalonen dürfte Nachbaur für Bern rund viermal günstiger sein.

Der SCB bleibt sich im Trainerdossier insofern treu, als er einmal mehr den Kurs wechselt. Die Artenvielfalt an der Bande war in den vergangenen Jahren beeindruckend. Die Berner suchten häufig, was sie vorher nicht gehabt hatten. Auf den kanadischen Selbstdarsteller Larry Huras folgte Antti Törmänen, der an die Selbstverantwortung der Spieler appellierte. Auf den sozialen Finnen folgte Drillmeister Guy Boucher, der mit seiner Trillerpfeife die Launen der Spieler taktete und sich um die Gepflogenheiten des europäischen Eishockeys foutierte. Auf Boucher folgte mit Jalonen einer der erfolgreichsten Trainer auf dem Kontinent, der unnahbar war und im Umgang mit jungen Spielern Schwächen zeigte. Und nun rückt in Bern erneut eine Antithese zum Vorgänger in die Verantwortung: Nachbaur ist ein extrovertierter, guter Kommunikator, der in Übersee 19 Jahre lang Juniorenteams verantwortet hat.

Sportchefin Florence Schelling sagt: «Wir haben einen Trainer gesucht, der weiss, wie er mit jungen Spielern umgehen muss. Nachbaur hat uns auch mit seinem Charakter und seiner positiven Energie überzeugt.» Lüthi sagt: «Wir suchten keinen Trainer mit einem wunderbaren Palmares, sondern jemanden, der zu uns passt. Nachbaur trägt unsere DNA in sich: hard working.»

Was dem SCB nicht vorzuwerfen ist: dass er seine Anhänger mit naheliegenden Personalentscheiden und drögen Mitteilungen langweilt.

Der frühere NHL-Profi konnte die Verantwortlichen mit einer einwandfreien Präsentation für sich gewinnen. Er weiss sich ähnlich gut zu verkaufen wie einst Huras, hat auf höchster Stufe aber keine Titel vorzuweisen, genoss in Übersee auf Nachwuchslevel viel Kredit. Ambri-Angreifer Dominic Zwerger spielte drei Jahre lang in der Western Hockey League unter Nachbaur. Er sagt: «Unterschätzen Sie diese Liga nicht. Deren Ziel ist es, möglichst viele Spieler in die NHL zu bringen. Entsprechend brauchen diese Spieler einen Trainer, der sie besser macht, von dem sie profitieren können. Das war bei Don der Fall.»

In Bern wird Nachbaur (61) allerdings ein Team führen, dessen Leader vornehmlich über 30 Jahre alt sind. Zudem beschränkt sich seine Erfahrung als Headcoach im europäischen Eishockey auf die Anstellung beim slowakischen Club Zvolen. Dort wurde er im März entlassen. In Österreich hat in jüngerer Vergangenheit mancher Club von der Verpflichtung des Doppelbürgers abgesehen, der als Spieler in Graz zur Kultfigur avanciert war. Auch deshalb ist Nachbaurs Verpflichtung von Zweifeln begleitet. Mit Kossmann und dem Assistenten Lars Leuenberger wären zwei Kandidaten verfügbar gewesen, die Club, Liga und Spieler bereits kennen und die die Payroll ebenfalls nicht über Gebühr belastet hätten.

Mit seiner Wahl bestätigt der SCB zweierlei: einerseits die Absicht, in der sportlichen Führung auf neue, unvoreingenommene Leute zu setzen. Anderseits den Eindruck, wonach gewisse Entscheidungsträger Leuenberger die Rolle als Chef auf Dauer nicht zutrauen. Was nichts daran ändert, dass der Meistertrainer von 2016 eine Chance verdient hätte.

Was dem SCB mit Sicherheit nicht vorzuwerfen ist: dass er in der Meisterschaftspause seine Anhänger mit naheliegenden Personalentscheiden und drögen Mitteilungen langweilt.

1 Kommentar
    äki

    Der wird scheitern. Aber Hauptsache Schelling hat irgendeine Lösung präsentiert.