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187 – das Codewort für Mord

Vor knapp zwei Jahren hat ein psychisch kranker Mann auf der Allmend einen Mann, der dort auf einer Parkbank sass, erschossen. Seit Montag steht der geständige Täter vor Gericht.

Die Begründung des Angeklagten, weshalb er damals abdrückte: Einmal König oder Gott sein.
Die Begründung des Angeklagten, weshalb er damals abdrückte: Einmal König oder Gott sein.
Keystone

«187» hatte sich der Angeklagte am Vortag seiner Tat notiert. ­Diese Zahl sei bei der amerikanischen Polizei der Code für Mord, erklärte der 33-jährige psychisch kranke Schweizer dem Richter am Montag. Die Zahl stand im «Drehbuch», das der Angeklagte als genauen Zeitplan für sein Vorgehen erstellt hatte.

Plangemäss beschaffte er sich bei einem Ar­beitskollegen für 2200 Franken eine Pistole. Das Geld hatte er zuvor von einem Bekannten bekommen – unter dem Vorwand, er gehe auf eine Velotour. Mit der Pistole ging er darauf auf die Grosse Allmend, schlich sich von hinten an einen Mann heran, der dort auf einer Bank sass, und schoss ihm in den Kopf. Der 29-jährige Pole war sofort tot.«Ich wollte ihn schmerzlos und effizient töten», gab der Angeklagte vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland zu Protokoll.

Die Ex-Freundin sollte die Nächste sein

Er habe die Vision gehabt, «König» oder «Gott» zu sein, wenn er den Mann getötet habe, und sich nach dieser Tat an seiner Ex-Freundin rächen zu können, erklärte er weiter. Tatsächlich stieg der Angeklagte nach dem tödlichen Schuss im Wankdorf in den Zug und fuhr in Richtung Biel. Dort schoss er zuerst auf den Balkon seiner Ex-Freundin und dann auf die Eingangstüre des Hauses. Die Ex-Freundin war aber nicht zu Hause.

Er übernachtete im Freien am Bielersee und kehrte dann nach Hause zurück.

In der Zwischenzeit stellte der Fund des toten 29-jährigen Polen am 14. Juli 2016 die Polizei vor grosse Rätsel. Sie suchte das Gelände mit Hunden minutiös ab und rief Spaziergänger zu Zeugenaussagen auf. Doch erst als sich der Täter einige Tage später selber stellte, konnte die Polizei den Tathergang klären.

Paranoid, schizophren

Der An­geklagte war der Polizei bekannt. Vor fünf Jahren beschimpfte und bedrohte der Mann seine Ex-Freundin mehrmals. Mit ihr hat er einen gemeinsamen Sohn. Er leide darunter, dass sie ihn verlassen habe, als sie schwanger gewesen und mit einem anderen Mann zusammengezogen sei, erklärte er.

Einmal wartete er im Bahnhof Biel auf sie, schlug ihr mit der Faust ins Gesicht und trat mit den Füssen nach ihr, als sie am Boden lag. Schon damals befand eine psychiatrische Gutachterin, dass der Mann unter einer schweren paranoiden Schizophrenie leide. Der Mann müsse jedoch nicht in eine Klinik eingewiesen werden, sondern könne ambulant behandelt werden.

Rückfallgefahr ist hoch

Während dieser ambulanten Behandlung hatte der Beschuldigte aber wieder einen Gewaltausbruch: Als er sich mit einem psychiatrischen Pflegefachmann zu einem Gespräch in einem Berner Restaurant traf, schlug er diesem unvermittelt die Faust ins Gesicht. Ein neuer Gutachter, der vor Gericht angehört wurde, bestätigte trotzdem nach wie vor: Die Krankheit lasse sich mit Medikamenten und Psychotherapie behandeln. Doch attestierte der Gutachter dem Angeklagten eine «brüchige Therapiewilligkeit». Deshalb müsse er zur Behandlung seiner psychischen Störung in eine geschlossene psychiatrische Klinik. Denn: «Die Rückfallgefahr ist hoch, insbesondere ohne Behandlung.»

Der Gutachter kam zudem zum Schluss: Wegen seiner schweren paranoiden Schizophrenie in Verbindung mit langjährigem Cannabismissbrauch sei der Täter vollständig schuldunfähig. Der Beschuldigte habe in einem psychotischen Schub eine «Aufräumaktion» geplant. Stimmen hätten ihn dazu aufgefordert, jemanden zu erschiessen und sich dann an der Ex zu rächen.

Schon jetzt in einer Klinik

Die Staatsanwältin beantragt deshalb nun eine Behandlung in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik. Bereits jetzt befindet sich der Beschuldigte in einer Klinik. Dort malt er unter anderem Bilder. Er würde später gern von der Kunst leben, sich international einen Namen machen und eine gute ­Beziehung zu seinem Sohn aufbauen, erzählte er dem Richter.

Der Richter fragte nach, ob es stimme, dass er vor dem Gerichtstermin mit der Ex-Freundin telefoniert habe und ihr gedroht habe, seine Tat zu vollenden. «Chabis, das muss sie falsch verstanden haben», antwortete der Mann. Er habe nur mit ihr telefoniert, weil er seinen Sohn habe sehen wollen.

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