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Die innere Schönheit einer Stadt

Bernhard Räber hat die Altstadt von innen fotografiert. Mit diesem speziellen Blick will er auf ihren oft versteckten Charme aufmerksam machen.

Vor und nun auch während des Umbaus konnte Bernhard Räber die Spanische Weinhalle fotografieren.
Vor und nun auch während des Umbaus konnte Bernhard Räber die Spanische Weinhalle fotografieren.
Bernhard Räber/zvg

Bernhard Räber – blaue Weste, braunes Béret, Brille, 57-Jahre alt – hat ein hehres Ziel: Er will einer an sich selber zweifelnden Stadt neues Selbstvertrauen einhauchen. Gemeint ist das stolze Burgdorf mit seiner allzu ruhig gewordenen Altstadt. Wie er das tun will? Mit seiner Kamera und einem Blick für das Schöne.

Seit letzten Herbst fotografiert Bernhard Räber die altehrwürdige Zähringerstadt – und zwar meist nur ihre Innenräume. Nicht weniger als achtzig Wohnungen und Geschäfte hat er mit seiner Kamera besucht und somit quasi die inneren Werte ans Licht gebracht. Das Ergebnis sind stille, grossformatige Schwarzweissaufnahmen, die durch ein kunstvolles Spiel aus Licht und Schatten einen ganz eigenen Charme entfalten.

«Stolz, aber resigniert»

In den nächsten Monaten wird Räber nun nach und nach seine abgelichteten Preziosen präsentieren. Dies tut er an vier Vortragsabenden mit den Titeln «Bewegung», «Begegnung», «Begeisterung» und «Bewunderung». Diese Schlagworte symbolisieren seine Herangehensweise an das Projekt: die anfängliche Suche nach den Motiven, die Begegnung mit den Menschen, die Aufregung und Freude während der Arbeit. Der erste Vortrag fand am Donnerstag im Restaurant Serendib statt. Mit den Präsentationen will er auf die Ausstellung Lust machen, die es 2019 geben wird. ­Später möchte er seine Arbeiten in einem Bildband versammeln.

Seit September zieht der Fotograf Bernhard Räber durch die Altstadt. (Foto: Thomas Peter)
Seit September zieht der Fotograf Bernhard Räber durch die Altstadt. (Foto: Thomas Peter)

«Die Burgdorfer sind stolz auf ihre Stadt», sagt Räber. «Aber sie sind auch irgendwie resigniert». Sich in Selbstmitleid zu suhlen, bringe aber nichts. Räber sagt: «Zu scheitern, ist nicht schlimm. Muss man aber wieder aufstehen. Man muss sich bewegen.» Das sage er auch seinen Kindern. Mit seinem Projekt wolle er also auch Mut und Tatendrang in Burgdorf wiedererwecken.

Bernhard Räber ist schon sein ganzes Leben lang Fotograf. Jedoch mit einem langen Unterbruch. 25-jährig brach er sein Fotografiestudium ab. Er wandte sich der Betriebswirtschaft zu und arbeitete dann zwei Jahrzehnte als Geschäftsführer in der Baubranche. Zu brotlos sei das Fotografendasein gewesen dafür, für eine Familie mit drei Kindern zu sorgen, sagt Räber. Vermisst habe er es immer. Nur habe ihm die Kraft gefehlt und somit auch der Zugang zur Kreativität.

Ein Riss in den Menschen

Vor rund fünf Jahren kam es zur Zäsur in Räbers Leben. Nach der Scheidung hängte er auch seinen Job an den Nagel, zog nach Burgdorf und begann wieder zu fotografieren, inklusive Studium. ­Seine Brötchen verdient er heute mit Bau- und Gebäudefotografie.

Dass mit Burgdorf irgendetwas nicht stimmt, dass da ein Riss in den Leuten ist, hat er nach und nach selber gemerkt. Die Be­wohner leiden irgendwie mit ihrer schönen Heimatstadt. Sie möchten ihr aber noch so gern wieder zu Glanz verhelfen. Das hat Räber während seiner Arbeit gemerkt. «Ich war wirklich überrascht, wie aufgeschlossen die Menschen für meine Idee sind», sagt er. Nur Ladeninhaber seien etwas zurückhaltender gewesen. Ein Anzeichen für Räber, dass gerade das ­lokale Gewerbe der Altstadt doch mit Frust zu kämpfen hat.

«All diese Räume erzählen­ Ge­schichten. Sie sind einzigartig.»

Bernhard Räber

Dass auch die Politik daran interessiert ist, die Stadt imagemässig aufzupolieren, zeigte sich, als Räber seine Projektidee letzten Sommer der Kulturkommission präsentierte und ihm innert zwei Wochen eine Unterstützung zugesagt wurde.

Einzigartige Räume

Im September legte er los. So konnte er etwa nicht nur im Schloss fotografieren, sondern sich auch vor und nun während des Umbaus der Spanischen Weinhalle zuwenden. Dass seinem Projekt noch ein weiterer Aspekt innewohnt, hat Räber gemerkt, als er das erste Mal in der leer geräumten Weinhalle stand, mehrere Minuten verharrte und plötzlich das frühere Treiben gespürt, ja sogar fast die Geräusche und Gerüche wahrgenommen hat.

«All diese Räume», sagt er, «erzählen Geschichten. Sie sind einzigartig.» Irgendwie spüre man in ihnen das Menschsein etwas mehr. Seine Bilder setzten deshalb auch der heutigen, fast zu gradlinigen, oftmals sterilen Welt, etwas entgegen.

Vorträge in Burgdorf:31. 5., Buchhandlung Langlois, 30. 8., Wychäuer Ämmitau, 15. 11., Restaurant Krone. Anmeldung unter: www.altstadt­leben.ch.

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