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Ein Zuhause in der Fremde

Die Buchserin Kathrin Oplatka betreut seit Oktober Abdiqani aus Somalia. Der 14-Jährige konnte sich in ihrer Familie bereits gut integrieren und kann dennoch nicht vergessen, was er in seiner Heimat erlebt hat.

Sebastian Weber

Abdiqani sitzt am Tisch und lächelt. Er wirkt wie jeder andere Jugendliche in seinem Alter. Dann beginnt der 14-Jährige auf Hochdeutsch von seiner Heimat Somalia zu erzählen. In dieser habe er viel Gewalt erlebt. Weshalb er sich schliesslich, ohne vorher seine Familie darüber zu informieren, auf die Flucht gemacht habe. Diese führte ihn über Äthiopien, den Sudan, Libyen, Italien nach Chiasso und letztlich ins ­Ankunftszentrum für unbegleitete minderjährige Asylbewerber (UMA) in Huttwil.

Abdiqani erinnert sich ungern an die Überfahrt nach Italien in einem Boot mit 200 anderen Flüchtlingen, ohne Trinkwasser.Von der Schweiz hingegen erzählt er gerne: Nach acht Wochen in Huttwil wurde er über die Pflegeplatzorganisation Prima Familia, die im Kanton Bern aktuell zwischen 50 und 60 UMA untergebracht hat, nach Herzogenbuchsee vermittelt.

Dort lebt er seit Oktober vergangenen Jahres bei Kathrin Oplatka und deren drei Kindern. Die 45-jährige Musikerin und Theaterpädagogin hatte 2015 bereits zwei syrische Jugendliche betreut und voriges Jahr neben Abdiqani noch ein weiteres somalisches Kind bei sich aufgenommen. Dieses hat Buchsi bereits wieder verlassen. Abdiqani ist geblieben.

Fussball und Freunde

Und er hat sich, wie Kathrin Oplatka erzählt, gut in seinem neuen Zuhause eingelebt. Auch wenn ihm vieles anfangs komplett fremd gewesen sei. Bevor er nach Huttwil kam, hatte er beispielsweise noch nie mit Messer und Gabel gegessen. Der junge Muslim besucht die Oberstufe in Buchsi und konnte dort bereits erste Freunde gewinnen. Zudem spielt er im örtlichen Fussball­verein.

In seiner neuen Familie erhält er klare Strukturen wie ­etwa regelmässige Essenszeiten. «Wir wollen ihm möglichst viel Normalität bieten», sagt Kathrin Oplatka, deren Vater selbst Flüchtling war. So muss Abdiqani auch Ämtli übernehmen und zum Beispiel mit dem Hund Gassi gehen.

Mit Kathrin Oplatkas drei Kindern versteht er sich gut. Der Buchserin ist aber auch klar, dass ihr Zögling eine schwierige Vorgeschichte hat. Zuerst habe er ihr kaum etwas davon erzählt, sagt sie. Erst später habe er sich ihr gegenüber geöffnet. «So etwas braucht Zeit.»

Oplatka, die bei Betreuungs­fragen von einem Sozialpädagogen von Prima Familia beraten wird, ist zuversichtlich, dass Abdiqani bis zu seinem 18. Lebensjahr in Herzogenbuchsee bleiben kann. Danach wäre nicht mehr Prima Familia, sondern die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe für ihn zuständig. Vom Zusammenleben will Oplatka, die auch als Leiterin des Vereins Bunte Bühne.ch tätig ist, am Infoabend vom 16. Januar berichten. Es werden dann auch zwei Vertreter von Prima Familia anwesend sein.

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