Langsam, aber sicher

Die WM ist für den Schweizer Sauber-Rennstall bis anhin eine Nullnummer. Erstmals überhaupt droht der letzte Rang in der Konstrukteurswertung. Immerhin scheint die Zeit der Existenzängste der Vergangenheit anzugehören.

Ratlos: Sauber-Pilot Marcus Ericsson fährt der Konkurrenz hinterher.

Ratlos: Sauber-Pilot Marcus Ericsson fährt der Konkurrenz hinterher.

(Bild: Keystone)

Philipp Rindlisbacher

Geht es um den Kalender, schüttelt manch einer den Kopf. Auf 21 Rennen wurde die Formel-1-Weltmeisterschaft ausgedehnt. Was zur Folge hat, dass die ohnehin schon gewaltigen Fixkosten der Teams nochmals steigen. Die Königsklasse sei eine Geldvernichtungsmaschine, schrieb unlängst das Magazin «Motorsport». Kein Wunder bei Budgets von 120 bis rund 500 Millionen Franken.

Für den sportlich kriselnden Sauber-Rennstall könnte sich die Programmerweiterung dennoch als Segen erweisen. Nach 17 Grands Prix ist die Equipe nach wie vor punktelos; weil die ebenfalls weit hinterherfahrende britische Manor-Mannschaft einen Zähler aufweist, liegt Sauber auf dem elften und letzten WM-Rang.

Nie haben die Schweizer eine Saison ausserhalb der Top Ten beendet. Dies hätte finanzielle Konsequenzen: Aus dem Topf der Chefvermarkter gäbe es «nur» den Grundstock von 30 Millionen. Lediglich die besten zehn profitieren von zusätzlichen Ausschüttungen. Als WM-Neunter kassierte Sauber vor Jahresfrist 54 Millionen.

Den Schweden sei Dank

Geld, Geld und nochmals Geld – darum dreht sich in der Formel 1 beinahe alles. Erst recht beim Traditionsteam mit Sitz in Hinwil. Mehrmals geriet Sauber in den vergangen Jahren in Nöte. Die Lage war derart prekär, dass befürchtet werden musste, der Stecker würde gezogen. Anfang dieser Saison wurden die Löhne verspätet überwiesen, einige Mitarbeiter suchten das Weite.

Derlei Sorgen haben die Angestellten seit dem Spätsommer allerdings nicht mehr. Sauber ist zwar zu langsam, zumindest aber ist die Zukunft gesichert – dank des für viele überraschenden Einstiegs von Longbow Finance SA. Die Schweizer Investmentgesellschaft übernimmt die Sauber-Holding inklusive Motorsport AG, hat Gründer Peter Sauber sowie Monisha Kaltenborn sämtliche Firmenanteile abgekauft.

Die Österreicherin bleibt Teamchefin, nimmt überdies Einsitz im Verwaltungsrat. Longbow Fi­nance ist eine Tochter des Verpackungsriesen Tetra Laval, welcher ebenfalls in der Romandie stationiert ist und einer schwedischen Familie gehört. Und da kommt Sauber-Pilot Marcus Ericsson ins Spiel. Seit geraumer Zeit wird der 26-jährige von Tetra Laval unterstützt, gewiss war er Bindeglied beim Deal. Dem Vernehmen nach haben seine Geldgeber dem Rennstall schon mehrmals mit Finanzspritzen ausgeholfen.

Historischer Tiefpunkt

Um Ericsson herum dürfte künftig das Team gebildet werden. Wer 2017 das zweite Cockpit erhält, ist unklar, wobei der aktuelle Pilot Felipe Nasr Chancen besitzt. Ungeachtet dessen, dass er sich mehrmals über den Boliden beschwert hat. Dank der neuen Geldquelle ergeben sich Möglichkeiten, nach jahrelanger Existenzangst herrscht Aufbruchstimmung. Engagiert wurde bereits die Britin Ruth Bascombe, einst Ferrari-Strategin; auch der spanische Ingenieur Xevi Pujolar sowie Aerodynamikchef Nicolas Györgi aus Frankreich figurieren nun auf der Gehaltsliste. Inwiefern sich das Budget von etwas mehr als 100 Millionen Franken erhöhen wird, ist ungewiss.

Doch von heute auf morgen wird kaum alles besser werden. Zu gross sind die Probleme am Wagen, der technische Rückstand ist gewaltig. Am Sonntag im GP von Japan drehten Ericsson und Nasr die zwei langsamsten Rundenzeiten, es handelte sich um einen historischen Tiefpunkt. Dem nicht genug: Ende Juli in Hockenheim raste das Sauber-Duo erstmals aus der letzten Startreihe los, in Monaco fuhren sich die zwei Piloten über den Haufen. Nun disloziert der Tross nach Austin, wo es in zehn Tagen mit dem GP der USA weitergeht. Die Verantwortlichen sagen derzeit nicht viel. Nasr verzichtete nach dem Rennen in Japan (Rang 19) auf ein Interview. Auf die Performance angesprochen, winkte er ab. Und schüttelte den Kopf.

Berner Zeitung

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