Saanenmöser

Neue Gondelbahn nimmt Fahrt auf

Saanenmöser Das 29 Millionen Franken teure Neubahnprojekt Saanersloch steht vor seiner Fertigstellung. Bis zu 60 Mann arbeiten auf das Ziel hin, den Winterbetrieb der Bahn am 15. Dezember aufzunehmen.

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«Eigentlich hätten wir einen Bau dieses Ausmasses auf zwei Jahre verteilen sollen»: Direktor Matthias In-Albon ist sich bewusst, dass das prächtige Sommerwetter den Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) in die Karten gespielt hat, der enge Zeitplan aber auch so noch sportlich genug war. «Wir sind im Fahrplan und werden die neue Anlage am 15. Dezember eröffnen können.»

Ein halbes Einfamilienhaus

Bis es so weit ist, muss noch einiges gehen am Saanerslochgrat. Wie Scheiterbeigen stehen mancherorts noch Berge von 40-jährigem Stahl herum. Alles Abbruchmaterial der alten Saanerslochbahn. Gleich daneben ragen schon fast majestätisch die modernen Stahlbauten der künftigen 10er-Gondelbahn in die Höhe. Im Hasenloch in der Mitte der oberen Sektion steht die höchste der 16 errichteten Zwischenstützen: 30 Meter hoch, mit einem Rohrdurchmesser von zuunterst 2 Metern.

Durch den idealen Standort unmittelbar neben der Bergstrasse konnte die ganze Stütze ohne Helikoptereinsatz mit ei­nem Pneukran erbaut werden. «Mit dem für das Fundament verbauten Beton könnte man locker ein halbes Einfamilienhaus bauen», sagt In-Albon. Er spricht von rund 70 Kubikmetern Beton. Gewaltige Dimensionen.

Und dennoch: Durch die grössere Dimension der Bahn kann die Anzahl der Zwischenstützen von 30 auf 16 verringert werden. «So haben wir nur halb so viele Rollenbatterien zu warten, der Rollwiderstand halbiert sich ebenfalls», erklärt Gerhard Marti, der Leiter aller dreissig in Betrieb befindlichen Bergbahnen der BDG.

Die drei Bauplätze

Am weitesten «gerückt» ist der Neubau bei der Bergstation (1940 m), wo in diesen Tagen bereits die Glasfassaden angebracht und die Steuerungen eingebaut werden. «Die Leute vom Seilbahnbauer Garaventa haben gesagt, sie hätten es noch nie erlebt, dass eine Seilbahn von oben nach unten fertiggestellt wird. Meistens wird es für sie jeweils bei der Bergstation oben noch zeitlich eng», weiss Matthias In-Albon.

«Hauptgrund dafür ist eine Auflage des Bundesamtes für Umwelt, wonach im oberen Bahnsektor von April bis Juli ­Helikopterflüge und Sprengungen verboten sind.» In der momentanen Situation kommt den BDG zudem zugute, dass selbst ein sehr früher Wintereinbruch der rechtzeitigen Fertigstellung der Bahn nicht in die Quere ­käme.

An der Mittelstation im Horefäng (1420 m) steht die Seilbahntechnik bereits fertig, aber noch schutzlos da. Am Montag konnte mit der Abdeckung der Anlage mit 17 grossen Stahlblechplatten begonnen werden.

Als grösste Herausforderung für Seilbahnleiter Gerhard Marti gilt derzeit die Talstation (1280 m), ein über 4000 Kubikmeter grosses Betongebilde, das in der riesigen Einstellhalle im Untergeschoss künftig die 69 künftigen Seilbahngondeln beherbergen wird. Auf weiteren fast 700 Quadratmetern Fläche ist nebst dem Skiboxenraum auch die Einrichtung eines Shops für Skivermietungen angedacht.

Der schmale Schacht für die zwei Rolltreppen und der Eingangsbereich stehen noch im Rohbau da. Derweil ist der unmittelbar danebenliegende bahntechnische Bereich bereits einiges weiter, damit die Fertigstellung der Bahn bald beginnen kann. So sollen in einem Monat die beiden 52 Millimeter dicken Umlaufseile gezogen und gespannt werden.

Modernste Bahn im Land

Die sogenannte D-Line gilt als neuste Generation Bahntyp der Garaventa AG. Laufruhiger, leiser und gedämpfter als alle ihre Vorgänger. Es wird die erste Bergbahn dieses Typs in der Schweiz werden. Die zwei Bahnsektionen mit voneinander unabhängigen Antrieben haben eine Länge von 830 (unten) und 2000 Metern (oben). Insgesamt werden rund 10 000 Kubikmeter Beton – das sind umgerechnet 50 Einfamilienhäuser – und 600 Tonnen Stahl verbaut. 155 Tonnen davon allein für die 16 Zwischenstützen.

Bis zu 60 Mann arbeiten zurzeit auf den drei Baustellen, ein Viertel davon Monteure von Garaventa. Schön im Fahrplan, denn Matthias In-Albon will am 15. Dezember fahren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.09.2018, 08:34 Uhr

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