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Unternehmer will Rothirsche halten – Pro Natura ist dagegen

Unternehmer ­Markus Bösiger möchte Rothirsche halten. Doch Pro Natura Bern hat daran keine Freude. Die Naturschutzorganisation stellt die Haltung der Tiere in deren natürlichem Verbreitungs­gebiet per se infrage.

Der Rothirsch ist im Oberaargau auch in freier Wildbahn wieder ­verbreitet.
Der Rothirsch ist im Oberaargau auch in freier Wildbahn wieder ­verbreitet.
zvg / Pixelio

Gemäss Baugesuch geht es Markus Bösiger um ein Hobby. In der Landwirtschaftszone zwischen der Hauptstrasse und dem Sej­iumattbächli will der Roggwiler Unternehmer beim Bauernhof an der St. Urbanstrasse 55 ein Gehege für die Haltung von Hirschen erstellen. Genauer: zwei Hirsch-, ein Auslauf- und ein Abschussgehege sowie einen Viehdurchgang entlang der Bahnlinie.

Doch das Vorhaben stösst auf Widerstand. Wie Jan Ryser, Geschäftsführer von Pro Natura Bern, bestätigt, hat die Naturschutzorganisation gegen das Baugesuch Einsprache gemacht.

Libellen und Hirschkühe

Es gehe dabei zum einen um den ungenügenden Abstand des Zauns zum Sejiumattbächli im Osten des knapp 20'000 Quadratmeter grossen Geheges, erklärt Jan Ryser. Das Gewässer sei ein bedeutender Lebensraum etwa für Libellen, der Zaun dürfe deshalb nicht direkt an den Bach grenzen, so die Auffassung von Pro Natura.

Doch auch das Vorhaben von Markus Bösiger an sich stösst bei der Naturschutzorganisation auf Ablehnung. Der Rothirsch sei im Oberaargau mittlerweile auch in freier Wildbahn wieder verbreitet, sagt Jan Ryser. Und gerade deshalb sei die Haltung der Tiere in Gefangenschaft problematisch: weil die eingesperrten Hirschkühe während der Brunftzeit wild lebende Artgenossen anzögen.

Der Klassiker

«Das führt zu Kämpfen zwischen den Hirschen durch den Zaun hindurch», erinnert der Pro-Natura-Geschäftsführer an Rothirsch Ardy. Das besenderte Wildtier, das einst wegen seiner Rückkehr in den Oberaargau über zwei Autobahnen die Fachwelt verblüffte und für landesweite Schlagzeilen sorgte, wurde 2011 in Trubschachen vom Wildhüter getötet: weil es einen Monat lang versucht hatte, in ein ­Gehege mit Hirschdamen einzudringen und dabei einen massiven Schaden angerichtet hatte.

Hier soll das Gehege zu stehen kommen. Das Landstück grenzt direkt an die St. Urbanstrasse und die Bahnlinie. Andreas Marbot
Hier soll das Gehege zu stehen kommen. Das Landstück grenzt direkt an die St. Urbanstrasse und die Bahnlinie. Andreas Marbot

Für Jan Ryser ein Klassiker: «Solche Konflikte gehen am Ende immer zuungunsten des Hirsches aus», sagt er. Und sie würden durch die Haltung der Tiere in deren natür­lichem Verbreitungsgebiet nur unnötig provoziert. Das sei auch der Grund, weshalb die Haltung des Rothirschs in vereinzelten Schweizer Kantonen verboten sei, verweist Ryser etwa auf den Kanton Solothurn, wo ein Verbot 2018 in Kraft treten soll.

Der Rothirsch ist Tier des Jahres. Nach langer Abwesenheit erobert er langsam Bern zurück:

Die interaktive Übersichtsgrafik in einem separaten Fenster öffnen.

Beim Vorhaben in Roggwil für Pro Natura erschwerend hinzu kommt, dass das Gehege entlang einer Hauptstrasse und einer Bahnlinie zu stehen käme. Die durch die gehaltenen Hirsche angelockten wild lebenden Artgenossen würden auch eine Gefahr für den Verkehr darstellen und umgekehrt, sagt Ryser.

Beim Statthalter

Nach Angaben des Roggwiler Bauverwalters Herbert Schnetzler ist während der Auflagefrist auch noch eine zweite Einsprache eingegangen gegen das Baugesuch von Markus Bösiger. Das weitere Baubewilligungsverfahren werde nun das Regierungsstatthalteramt übernehmen.

Eine Haltebewilligung wiederum wird gemäss dem kantonalen Veterinärdienst jeweils erst nach der Abnahme eines Geheges durch den Wildhüter erteilt.

Markus Bösiger selber wollte gegenüber Redaktion Tamedia keine Stellung nehmen zu seinem Vorhaben und den Einsprachen.

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