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Zwei Gotthelf-Geschichten in einem Theater

Ein sorgsamer Umgang mit der Sprache, Dramatik pur und viel Geschichtliches: Das Sommertheater Gürbental spielt «Ueli, vom Chnächt zum Pächter». Als Aufführungsort dient die Tuftgrube oberhalb des Schlosses.

Ueli der Knecht wird Ueli der Pächter, gespielt von Simon Schneider.
Ueli der Knecht wird Ueli der Pächter, gespielt von Simon Schneider.
Tom Wuersten (PD)

«Gott wieuche miteanang»: So heisst das Sommertheater Gürbental seine Gäste in Toffen willkommen. Schauplatz der dritten Produktion des Vereins ist eine Waldlichtung oberhalb des Schlosses. Hier, umgeben von Bäumen, verlieben sich die berühmten Gotthelf-Figuren Ueli und Vreneli, dienen als Knecht und Magd, um schliesslich als Pächter Verantwortung über den Hof zu nehmen.

Sprachlicher Höhenflug

Alles schon x-mal gesehen, gehört und gelesen, könnte manch einer sagen. Trotzdem, ein Gang den Waldweg hinauf lohnt sich. Die zwei von Jeremias Gotthelf geschriebenen Geschichten – zusammengefügt und auf bühnenreif getrimmt durch Rudolf Stalder – haben durch die Handschrift von Regisseur Alex Truffer eine ganz eigene Dynamik erhalten.

Romantisch verklärt oder durch Gleichberechtigung geprägt ist die Geschichte des Paares nie gewesen, und Truffer hat dies in der Inszenierung herausgearbeitet. Auf der Freilichtbühne wird getobt, geschrien und auch mal reingeschlagen. Damit verlassen die Laiendarsteller die beschauliche und behäbige Art, die den Emmentalern nachgesagt wird. Doch durch den sorgsamen Umgang mit dem Berndeutschen führen sie das Publikum nah an den Originalschauplatz. «Ä Mouggere grisse» und weitere eingeflochtene Redearten sind für Liebhaber von Mundart ein Genuss und zeichnen die Inszenierung aus. Für die Gürbentaler Spielleute war dies mit vielen Sprachübungen verbunden.

Die Redearten sind für Liebhaber von Mundart ein Genuss.

Einer, der schon vor dem Casting des Vereins gesetzt war, ist Simon Schneider als Ueli. Der Landmaschinenverkäufer spielt seit acht Jahren als Laiendarsteller bei den Theaterleuten von Toffen mit. Nun wollte auch das Sommertheater nicht auf den charismatischen Darsteller verzichten. Mit ihm wirbt der Verein für die Aufführungen und setzt dabei intensiv auf Internetauftritte. «Gotthelf-Stücke sind keine Selbstläufer mehr», sagt der Werbechef Hannes Zaugg-Graf. Wenn der Verein die Messlatte der 10 000 Besucher der letzten Produktion übertreffen wolle, müsse er mächtig die Werbetrommel schlagen.

«Gotthelf-Stücke sind keine Selbstläufer mehr.»

Hannes Zaugg-GrafWerbechef

Dabei können die Organisatoren durchaus auch auf die Mundpropaganda des Premierenpub­likums vom Mittwoch setzen. ­Immer wieder wurde bei gelungenen Einlagen geklatscht, und ein frenetischer Schlussapplaus liess ebenfalls auf begeisterte ­Zuschauer schliessen. Besonderen Anklang fand das Bühnenbild. Ein Hausgerippe ermöglicht es, ein Drinnen und ein Draussen zu schaffen. Und die Produzenten des Stücks zeigen zugleich, dass pragmatische Lösungen ihren Reiz haben. So ist ein gezeichnetes Bett an der Wand zu sehen, und die Akteure führen ­ihre Bettgespräche stehend.

Noch freie Plätze

Die Tribüne des Freilichttheaters ist überdacht und fasst bis zu 400 Personen pro Vorstellung. Hingegen sind die 19 Darsteller auf einigermassen gutes Wetter angewiesen. Regnet oder gewittert es, ist eine Durchführung ­ungewiss. Dies führt zu relativ vielen kurzfristigen Buchungen und dürfte ein Grund dafür sein, wieso noch kein Datum aus­gebucht ist. Die Organisatoren empfehlen jedoch, möglichst rasch zu reagieren. Nach ihren Erfahrungen sind die freien Plätze nach der Premiere jeweils schnell weg.

«Ueli»:bis 25. August in Toffen. Weitere Informationen unterwww.sommertheater-guerbetal.ch.

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