Zum Hauptinhalt springen

Rücktritt in EstlandBildungsministerin liess Kinder mit Dienstauto abholen

Ein Fahrer des Ministeriums hat wiederholt die Kinder der alleinerziehenden sechsfachen Mutter Mailis Reps zur Schule gebracht und von dort abgeholt. Nun wurde der öffentliche Druck für die 45-Jährige zu gross.

Dritter Rücktritt eines Regierungsmitgliedes in Estland im November: Mailis Reps stolperte über eine Dienstwagenaffäre.
Dritter Rücktritt eines Regierungsmitgliedes in Estland im November: Mailis Reps stolperte über eine Dienstwagenaffäre.
Foto: Wikipedia

Estlands Bildungs- und Forschungsministerin Mailis Reps hat wegen einer Dienstwagen-Affäre ihren Rücktritt eingereicht. Der Politikerin der linksgerichteten Zentrumspartei legte am Freitag ihr Amt nieder. «Ich bin unter starken Druck damit geraten, die Rolle einer Ministerin und einer Mutter in Einklang zu bringen. Ich gebe zu, dass ich Fehler gemacht habe und entschuldige mich dafür», teilte die 45-jährige auf Facebook mit.

Weiter teilte Reps mit: «Ich möchte meinen minderjährigen Kindern ein sicheres und friedliches wachsendes Umfeld bieten. Deshalb habe ich beschlossen, heute als Minister für Bildung und Forschung zurückzutreten und übernehme auch die politische Verantwortung für meine Fehler bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.»

Die Boulevardzeitung «Õhtuleht» hatte zuvor aufgedeckt, dass ein Fahrer des Ministeriums mit einem Dienstwagen zuletzt wiederholt Reps› Kinder zur Schule gebracht und von dort abgeholt hatte – ohne die Ministerin.

Reps räumte nach Bekanntwerden der Affäre eine unverhältnismässige Nutzung des Ministeriumsfahrzeugs für private Zwecke in jüngster Zeit ein. Trotz der Enthüllungen wollte die alleinerziehende sechsfache Mutter aber zunächst im Amt bleiben. Nach steigendem öffentlichem Druck zog sie nun aber die politischen Konsequenzen.

Regierungschef Jüri Ratas, der Reps in der Affäre in Schutz genommen hatte, nahm den Rückzug seiner Parteikollegin mit Bedauern an. Mit dem Rücktritt von Reps haben in Estland im November bereits drei Mitglieder der Regierung des baltischen EU- und Nato-Landes ihren Posten vorzeitig verlassen.

SDA/nag

5 Kommentare
    Hans Iseli

    Ist eine Zeiterscheinung in doppelter Hinsicht:

    Noch nie war der Verkehr so sicher wie heute. Aber nein: die Kindchen müssen automobil gebracht und geholt werden. Laufen ist schon gar nicht drin.

    Noch nie war die Hysterie über den motorisierten Verkehr so gross wie heute. Wenn es aber um die eigenen Interessen geht, dann bleibt davon nichts mehr übrig.