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Gewinnprognose erhöhtBKW geschäftet auch ohne AKW Mühleberg gut

Der Berner Energiekonzern hat ein Viertel seiner Stromproduktion verloren. Trotzdem gehört er bislang zu den Gewinnern der Energiewende.

Die Stilllegung des AKW Mühleberg läuft nach Plan: Die Brennstäbe wurden aus dem Reaktor ins Abkühlbecken gebracht.
Die Stilllegung des AKW Mühleberg läuft nach Plan: Die Brennstäbe wurden aus dem Reaktor ins Abkühlbecken gebracht.
Foto: BKW

Die BKW kommt gut ohne ihr Atomkraftwerk aus. Das zeigt das Ergebnis im ersten Halbjahr 2020, also in den ersten sechs Monaten nach Abschaltung des AKW Mühleberg.

Nach diesem historischen Schritt sank die Stromproduktion des Berner Energiekonzerns zwar um rund 25 Prozent. Doch auch die Betriebskosten fielen um 50 Millionen Franken. Der weggefallene Verkaufserlös und der weggefallene Aufwand gleichen sich in etwa aus, sagt BKW-Chefin Suzanne Thoma. Anders formuliert, das AKW rentierte nicht mehr.

Trotz der Abschaltung ihres Atomkraftwerks steigerte die BKW den Betriebsgewinn im Energiegeschäft um 12 Prozent auf 128 Millionen Franken. Das ist umso bemerkenswerter als wegen der Coronakrise die Stromverkäufe an die KMU- und Industriekunden um 10 Prozent gesunken sind. Der Umsatz in der Grundversorgung blieb stabil. Und die Preise für die Kleinkunden im Monopol bleiben auch nächstes Jahr unverändert.

Strom handeln, statt Produktion bolzen

Mehr verdient hat die BKW im Stromgeschäft insbesondere deshalb, weil sie die verbliebenen Kraftwerke flexibler dann einsetzen kann, wenn die Nachfrage gross und die Preise im Stromhandel hoch sind. Das Handelsgeschäft sei im ersten Halbjahr 2020 ausgezeichnet verlaufen, sagte Thoma vor Analysten und Journalisten in Zürich.

Es gehe im Stromgeschäft nicht mehr darum, Kilowattstunden zu bolzen. Denn wer zur falschen Zeit produziere, müsse schlimmstenfalls sogar dafür zahlen, dass er den Strom jemandem verkaufen könne, erklärte Thoma. Dagegen könne Strom insbesondere im Winter sehr wertvoll sein. Hier will die BKW insbesondere ihre Wasserkraftwerke vermehrt dann einsetzen, wenn es am meisten rentiert.

Insgesamt produziert die BKW zwar weiterhin deutlich mehr Strom, als sie für ihr Versorgungsgebiet benötigt. Mit dem AKW Mühleberg sind aber 5 Prozent der Stromproduktion in der Schweiz weggefallen. Kurzfristig gebe es deswegen keine Versorgungsprobleme, sagte Thoma.

Mittelfristig müsse die Politik aber die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Investoren bereit seien, neue Kapazitäten für Strommangellagen zu finanzieren. Die BKW-Chefin hat bereits angedeutet, dass sie neben dem Ausbau der erneuerbaren Energiequellen auch den Bau eines Gaskraftwerks prüfen würde.

Einkaufstour gestoppt

Beim Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts mit Gebäudetechnik, Energieeffizienz und Infrastrukturen legt die BKW nach jahrelangem Wachstum eine Pause ein. Im vergangenen Halbjahr tätigte der Konzern keine einzige Übernahme mehr.

In der zweiten Jahreshälfte 2019 waren noch drei grössere Einkäufe erfolgt, darunter die Gebäudetechnikgruppe Swisspro. Der Umsatz im Dienstleistungsgeschäft kletterte so im Jahresvergleich zwar um 43 Prozent. Der Gewinn ist dagegen leicht gesunken auf 23 Millionen Franken. Das begründet Thoma mit Integrationskosten und vorübergehenden Geschäftsbeschränkungen wegen der Coronapandemie.

Profitieren kann die BKW vom stabilen Gewinn von 93 Millionen Franken im Netzgeschäft, wo der Konzern ebenfalls über Monopolbereiche verfügt. Unter dem Strich fiel der Konzerngewinn um 44 Prozent auf 112 Millionen Franken. Grund dafür ist einzig der stark schwankende Wert der Anlagen im Stilllegungs- und Entsorgungsfonds. Nach deutlichen Kursgewinnen im letzten Jahr gab es im Zuge der Coronakrise Einbussen an den Finanzmärkten.

Für die zweite Jahreshälfte ist Thoma zuversichtlich. Die BKW-Chefin erhöht die Prognose für den operativen Gewinn (EBIT) im laufenden Jahr auf 400 bis 420 Millionen Franken (bisher 380 bis 400 Millionen Franken).

5 Kommentare
    Krebs Walter

    Wie lange noch? Mit billigem AKW-Strom und zum Teil „dreckigem“ Alternativstrom aus dem Ausland. Stecken die BKW und Energie Wasser Bern (LWB) unter der gleichen Decke? Einführung Einheitstarif per 1. Januar 2021. Die Abzockerei vom EWB war vorauszusehen. Zuerst billigen Alternativ-/Solarstrom anbieten und dann die Stromkosten um 10% und mehr erhöhen. Sofort zurück zur Kernenergie – Kernkraftwerke. Diese sind eine Teil der Lösung im Kampf gegen den wachsenden Energiehunger der Erde. Die Engländer, Chinesen, Russen, USA, Indien, Japan und andere bauen neue AKWs? Wer Menschen, Natur und Klima schützen will, setzt auf sauberen, bezahlbaren Atomstrom der immer fliesst und nicht wetterabhängig ist.

    W. Krebs, Bümpliz