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Neues AngebotBKW verkauft künftig auch Gas

Die Öffnung des Schweizer Gasmarktes läuft an. Der Berner Energiekonzern will in diesem Geschäft mitmischen und neue Kunden gewinnen.

Nach Strom auch Gas: Die BKW setzt auf einen weiteren Energieträger, der allerdings wegen seiner Klimaschädlichkeit umstritten ist.
Nach Strom auch Gas: Die BKW setzt auf einen weiteren Energieträger, der allerdings wegen seiner Klimaschädlichkeit umstritten ist.
Foto: PD

Die BKW expandiert ins Gasgeschäft. Der Berner Energiekonzern will seinen Kunden nebst Strom künftig auch Gas liefern können. Und er will schweizweit Gasverbrauchern auch Strom verkaufen, sofern die Märkte weiter liberalisiert werden.

Die Ankündigung erfolgt, wenige Tage nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) den Gasmarkt in der Zentralschweiz geöffnet hat. Die Weko veranlasste, dass der Luzerner Energieversorger EWL und die Erdgas Zentralschweiz AG (EGZ) anderen Lieferanten die Durchleitung über die Erdgasnetze ermöglichen müssen. Damit können Endkunden künftig den Anbieter frei wählen.

Die Wettbewerbsbehörde stellte weitere Untersuchungen gegen Gasnetzbetreiber in Aussicht, welche die Durchleitung ebenfalls verweigern. Denn dies verstosse gegen das Kartellrecht. Die Weko-Entscheide können jedoch noch vor Bundesgericht angefochten werden.

Allerdings stehen auf Bundesebene weitere Gesetzesänderungen zur zumindest teilweisen Öffnung des Gasmarktes zur Diskussion, wie die BKW schreibt. Der Entscheid der Weko zum Zentralschweizer Gasmarkt habe eine vergleichbare Signalwirkung wie jener von 2001, mit dem der Schweizer Strommarkt geöffnet wurde. Seither können Grossverbraucher den Stromlieferanten frei wählen.

Auch Gaskraftwerke

Die BKW verfügt in ihrem Stammgebiet zwar weiterhin über ein Monopol in der Stromversorgung von Kleinkunden. Doch Konzernchefin Suzanne Thoma plädiert schon länger dafür, den Markt vollständig zu öffnen. Nun wird klar, dass sie auch bei anderen Energieträgern auf die Liberalisierung drängt und auf dem Gasmarkt aktiv werden will.

Strom und Gas aus einer Hand sind nichts Ungewöhnliches: Diverse städtische Versorger sind in beiden Geschäften aktiv. Sie könnten nun Konkurrenz von der BKW erhalten, die Paketlösungen zu günstigen Tarifen anbieten will.

Ist diese Expansion abgesprochen mit dem Mehrheitsaktionär Kanton Bern? Dazu sagt BKW-Sprecher Gilles Seuret, der Schritt erfolge im Rahmen der bestehenden Strategie. Die BKW handle seit Jahren mit Gas und dehne diese Aktivität nun im Interesse ihrer Kunden auf die Gaslieferung aus.

Mit Gas handelt die BKW insbesondere, weil sie in Italien mit Partnern ein Gaskraftwerk und ein Gaskombikraftwerk in Betrieb genommen hat. Letzte Woche brachte Konzernchefin Thoma zudem erneut ein Gaskraftwerk für die Schweiz ins Spiel, um eine Versorgungslücke im Winter verhindern zu können. Die BKW habe die Pläne in der Schublade, sagte sie mit Blick auf das einst in Utzenstorf geplante Gaskraftwerk.

«Eine Übergangstechnologie»

Die BKW will ihre Gasstrategie aber nicht als Abkehr vom Ausbau der erneuerbaren Energiequellen verstanden wissen. Ziel sei es nicht, mit zusätzlichem Gasverbrauch andere Energieformen zu ersetzen, heisst es. Aber als Übergangstechnologie spiele Gas für viele Kundinnen und Kunden eine bedeutsame Rolle.

Strom und Gas aus einer Hand will die BKW künftig vor allem Industriebetrieben, KMU, Immobilienverwaltungen und Gasversorgern anbieten. Es geht also um grössere Kunden mit einem Gasverbrauch von über 100 Megawattstunden pro Jahr. Diesen Schwellenwert hat der Bund für die Teilmarktöffnung vorgeschlagen. Die Gasbranche fordert allerdings einen zehnmal so hohen Schwellenwert.

Das Gas will sich die BKW am Markt besorgen und als selbstständige Lieferantin auftreten. Partnerschaften wurden bislang keine vereinbart. Sie seien künftig aber auch nicht ausgeschlossen, sagt BKW-Sprecher Seuret.

Gas ist umstritten, weil es zur Klimaerwärmung beiträgt und Russland ein wichtiger Lieferant ist. So hatte Russland diverse Male der Ukraine den Gashahn zugedreht, um Druck auszuüben. Die Schweiz ist beim Gas auf Russland angewiesen: Letztes Jahr stammten die Gasimporte zu 53 Prozent von dort. Deutlich dahinter folgen Norwegen (27 Prozent), die EU (15 Prozent) und andere Länder (5 Prozent).