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Tag 7: Zmittag mit dem Gastroschreck

Nur wenige kennen die veganen Optionen in Bern besser als Fräulein Wu, darum hat sich BZ-Redaktorin Claudia Salzmann bei ihr für ein Zmittag aufgedrängt.

Fräulein Wu schreibt über die vegane Gastronomie in Bern.
Fräulein Wu schreibt über die vegane Gastronomie in Bern.
Claudia Salzmann

Fräulein Wu sitzt schon im Restaurant Du Nord, als ich eintreffe. Ihren kupfernen Undercut hat sie zurückgekämmt und ihr Teint widerspiegelt Ferienstimmung. Sie hat für uns telefonisch bei den Köchen zwei vegane Menüs organisiert. Alsbald sitzen wir vor dem Menü «Ohne Tier», Gelberbsentätschli mit Erdnusscurry, Herbstgemüse und Tomaten.

Wenn Mademoiselle Wu nicht gerade als Juristin in Zürich arbeitet, daheim in ihrer Wohnung die zwei Zwerghamster Leon und Finn beobachtet oder Partys für die Berner Homo- sowie Drag-Szene organisiert, schreibt sie vegane Gastrorezensionen. Zu Beginn schrieb sie für die Interessengruppe «Vegan in Bern und Umgebung», dessen Mitglieder sie zu ihrer eigenen Facebook-Seite «Des Fräuleins Besuche» überredeten. So wurde auch der Stadtflüsterer Ronorp auf sie aufmerksam und fragte für ihre Rezensionen an (den von heute gibt’s hier nachzulesen).

Wir sind beim zweiten Tätschli angelangt und während sie es zerschneidet und aufgabelt, beschreibt sie ihren Werdegang: Seit vier Jahren ist sie Vegi, seit zweien vegan. «Damals war ich oft im Schilf, wo ich essen gehen sollte», erzählt sie und erinnert sich an überforderte Kellner und nicht kritikfähige Beizer. Oft rufe sie auch heute noch kurz an, um nach einer veganen Option zu fragen. «Mir ist es dann auch lieber, wenn sie sagen, sie haben nichts, als einfach einen Tofublock zu servieren», erzählt sie zwischen zwei Bissen Curry. Die Köche im Du Nord haben sich ins Zeug gelegt und wir sind nach der Hälfte des Tellers schon fast satt. Aber weil es so lecker ist, muss man alles aufessen.

«Ich war schon immer ein Gastroschreck und habe Ansprüche an mein Essen», lacht die Bernerin, die seit Kindesbeinen kulinarische Sonderwünsche hat. Sie verkehrt im links-alternativem Umfeld und kennt einige aus der Berner Gastroszene. So gibt’s auch von der Du-Nord-Wirtin ein Küsschen. «In Bern vegan zu leben, ist super easy», erklärt sie und erzählt von ihren veganen Schuhen von Macbeth, die sie im Wyler bei Löru von Planetspade gekauft hat. Ihren Nagellack kauft sie bei Ruprecht, «die haben auch schöne Farben». Für Kosmetik geht sie in den Müller und Egli, weil es ihr da wegen der Düfte nicht schlecht werde, wie bei Lush in der Marktgasse. Ihr mangle es in veganer Hinsicht an rein gar nichts mehr, ausser einem anständigen Deo.

Die Tipps sprudeln nur so aus ihr raus, denn schliesslich hat sie das meiste selbst getestet. «Am Anfang liest man eigentlich nur und da kann man alle Informationen brauchen», erklärt sie. Mit Omnis mag sie nicht immer über Veganismus diskutieren, unter anderem weil sie einfach oft zu wenig informiert seien. «Jeder soll vor seiner Haustüre wischen. Wenn aber jemand nicht über seinen Tellerrand hinausschauen mag, dann nervt mich das», erklärt sie.

Pappsatt gönnen wir uns eine Pueblo-Zigarette und rühmen das Mahl. Warum immer Reis servieren, wenn auch Gelberbsen zu einem perfekt abgeschmeckten Curry mit meinem Lieblingsgemüse Kürbis passt?

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