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«Bei Lugano spürt jeder Spieler, dass er wichtig ist»

Lars Leuenberger (41), Meistertrainer des SC Bern 2016, äussert sich wöchentlich zu den NLA-Playoffs.

Natürlich werde ich im Moment häufig gefragt, ob wegen der Halbfinalaffiche Bern gegen Lugano Erinnerungen aufkommen an die letzte Saison. Ich verstehe das. Die Leute lieben es zu vergleichen. Ich aber versuche das Ganze nüchtern zu betrachten. Letztes Jahr war letztes Jahr, nun haben wir eine andere Zeit, eine andere Ausgangslage, andere Spieler, andere Trainer mit anderen Philosophien.

Im ersten Halbfinalspiel am Dienstag haben mir die Emotionen gefehlt. Natürlich soll ein Match nie über­borden, aber man darf und muss auch spüren, dass ein Playoff-Halbfinal gespielt wird, dass es für zwei Teams um den Einzug in den Final geht. Bern war zu Beginn klar besser, hat es aber verpasst, das zweite Tor zu erzielen. Ab dem Mitteldrittel fand Lugano den Weg in die Partie, drehte den Spiess um. Der SCB stand in dieser Phase eher auf den Fersen statt auf den Zehenspitzen.

Wir haben in der vergangenen Saison den Erfolg in der Offensive gesucht, indem wir ein hartes, aggressives Forechecking betrieben. Nun wird beim SCB mehr Wert auf Geduld gelegt. Ist die Mannschaft nicht im Puckbesitz, zieht sie sich zurück in die neutrale Zone und wartet ab, was passiert. Ich will diese zwei Taktiken weder werten noch gegeneinander ausspielen. Aber weil auch Lugano zumindest ein ähnliches System pflegt wie der SCB, darf niemand erwarten, dass in jedem Match «Feuer frei» gilt.

Ich gebe zu: Mir gefällt, wie Lugano als Mannschaft funktioniert. Natürlich verfügen die Tessiner über einen guten Goalie, das ist die Grundvoraussetzung. Elvis Merzlikins wird aber auch hervorragend unterstützt und abgeschirmt. Die Spieler stehen in der eigenen Zone sehr eng, praktizieren ein «Collapse»- System. Das Ziel ist es, den Gegner nicht in den Slot vordringen zu lassen. Zürich bekundete damit im Viertelfinal viel Mühe. Der SCB machte im ersten Spiel zu Beginn sehr viel Druck auf den Slot, kam zu Chancen, Lugano war zu passiv. Je länger die Partie dauerte, desto weniger drückten die Berner aufs Gaspedal. Was ebenfalls auffiel: Beide Teams blockten viele Schüsse.

Entscheidender als das System ist aber, dass in Lugano in einem anderen Bereich ein wesentlicher Wandel statt­gefunden hat: Plötzlich sind alle vier Linien wichtig! Der Blick auf die Eis­zeiten vom Dienstag zeigt: Die Luganesi bewegten sich zwischen 10½ und 21 Minuten Eiszeit. Die Folgen: Die Spieler erhalten mehr Rhythmus, mehr Selbstvertrauen, sie erfahren Wertschätzung, beissen entsprechend mehr. Bei Lugano spürt nun jeder Spieler, dass er wichtig ist. Das ist vielleicht die grösste Errungenschaft von Coach Greg Ireland.

In Bern verfolgt Kari Jalonen punkto Verteilung der Eiszeiten eine andere Philosophie. Mir ist aufgefallen, dass am Dienstag zwei Verteidiger über 26 Minuten auf dem Eis gestanden sind. Das hat mich überrascht. Klar: In einem ersten Match einer Serie kannst du so etwas machen. Aber nun wird die Intensität erhöht: Spiel am Donnerstag, Spiel am Samstag, dazu kommen lange Reisen, die Beine werden mit Sicherheit nicht frischer. Es wird interessant zu beobachten sein, wie beide Coaches mit dem Kräfteverschleiss haushalten werden.

Der SCB muss nun mindestens einmal in Lugano gewinnen. Das wird ein schwieriges Unterfangen. Denn in der Resega wartet die Hölle. Wir haben dies letztes Jahr vor dem ersten Finalspiel mit dem Team thematisiert. Trotzdem konnten wir nicht mit der hitzigen ­Ambiance umgehen, waren zu un­diszipliniert, kassierten zu viele Strafen und zwei Tore bei drei gegen fünf. Im zweiten Auswärtsmatch klappte es dann wesentlich besser. Doch der SCB tut gut daran, bereits am Donnerstag bereit zu sein. Denn Lugano hat Lunte ge­rochen und will das Break unbedingt bestätigen. Doch das heisst noch lange nichts: Der SCB besitzt absolut die Qualität und hat auch die richtigen Spieler in der Mannschaft, damit er Rück­schläge wegstecken und reagieren kann.

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