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Das Runde in das Eckige

Kommt das Kind, kommt die Persönlichkeitsveränderung.

Neulich ist mir etwas klar geworden: Wenn man Eltern wird, bekommt man nicht nur ein Kind, sondern gleich noch eine Persönlichkeitsveränderung mit dazu. Spassbremsen spielen plötzlich mit Furor «Gugus, dada!», Hy­gienefanatiker haben nun keine Probleme mehr damit, erst Erbrochenes wegzuwischen und danach Pilzrisotto zu essen. Ich wurde von der Stubenhockerin zum Frischluftjunkie. Ich muss raus, mich bewegen (das neue Ich) oder Eis essen (Reste des alten Ichs).

Das Kind kommt ganz nach meinem neuen Ich: Es wäre am liebsten den ganzen Tag draussen. Am allerliebsten jagt es Bällen hinterher. So ist es gekommen, wie es kommen musste: Das Kind spielt jetzt Fussball. So richtig, in einem Verein.

Womit wir bei der bisher krassesten Persönlichkeitsveränderung meinerseits wären: Ich bin jetzt eine Fussball-Mum. Früher (sprich: bis vor drei Monaten) habe ich Mütter belächelt, die am Spielfeldrand mitfiebern, als gings um Leben und Tod. Die schreien, die Hände verwerfen und sich in den Armen liegen, wenn ein Tor fällt. Die ganz Angefressenen tragen dabei Sportklamotten oder zumindest einen Fussballschal. Davon bin ich zum Glück weit entfernt. Ich gehe zwar an jedes Spiel, fiebere mit, aber ich kleide mich normal und verliere nie die Contenance.

Wo kämen wir denn da hin, wenn ich gleich toben würde, nur weil so ein kleines verwöhntes Würstchen mein hochbegabtes Kind foulen würde! Mein Kind! Wenn ich gleich hyperventilieren würde, nur weil die gegnerische Mannschaft mit ihren teuren Schickimicki-Fussballtrikots und den überdimensionierten Sponsorenlogos grosskotzig einfach Tor um Tor schiesst! Und der Trainer mit dem Pudeltoupée auch noch die Frechheit besitzt, sich darüber zu freuen. Nein! Ich rege mich nicht auf! NIE!!!

Ich geh dann kurz an die frische Luft. Eis essen.

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