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Brasiliens Wackelkandidat will Geschichte schreiben

Der Spieler im Fokus: Goalie Júlio César hofft mit 34 Jahren auf den Höhepunkt seiner Karriere.

Hoffnungsträger von 200 Millionen Landsleuten: Brasiliens Goalie Júlio César. Foto: Keystone
Hoffnungsträger von 200 Millionen Landsleuten: Brasiliens Goalie Júlio César. Foto: Keystone

Vor vier Jahren in Südafrika zog er im Trikot mit der Nummer 1 die Handschuhe aus und wischte sich mit einem Handtuch die Tränen aus den Augen. «Es ist wirklich ein sehr trauriger Moment», sprach Júlio César. Brasilien hatte im WM-Viertelfinal von Port Elizabeth gerade 1:2 gegen Holland verloren, der Torhüter sah bei beiden Kopfball–treffern schlecht aus. Er sprang am Ball vorbei oder irrte durch den Strafraum. Júlio César schluchzte beim Interview danach. Sein Ruf näherte sich dem von Moacyr Barbosa, dem tragischen Keeper der WM 1950, der dort im entscheidenden Spiel gegen Uruguay einen verhängnisvollen Fehler fabrizierte.

Später ging es im Club bergab, Inter Mailand wollte sich sein üppiges Gehalt 2012 nicht mehr leisten. Der Schlussmann aus Rio wechselte zu den Queens Park Rangers und stieg in Englands zweite Liga ab. Zunächst hatte er keinen Arbeitgeber mehr und unterschrieb 2014 in Not beim FC Toronto, Kanada. Trainer Luiz Felipe Scolari hielt Júlio César aber die Treue, und Brasilien gewann mit ihm zwischen den Pfosten 2013 den Confederations Cup. Der Torhüter hielt tadellos. Jetzt steht der Wackelkandidat beim WM-Eröffnungsspiel gegen Kroatien mit grosser Wahrscheinlichkeit im Tor der Brasilianer – trotz der Rivalen Jefferson (Botafogo) und Victor (Atlético Mineiro).

Beim 1:0-Sieg im Testspiel gegen Serbien zeigte er zwar ein paar Schwächen, im Training indes wirkt er beweglich und reflexstark. «Ganz ehrlich, ich fühle mich nicht als Stammspieler», behauptet Júlio César. Scolari aber legt das Schicksal der Seleção in seine Hände, auch wenn er die Nummer 12 und Reservist Jefferson die 1 auf dem Trikotrücken trägt. «Du brauchst einen Trainer, der deiner Arbeit vertraut», sagt Cláudio Taffarel, einer seiner Vorgänger.

Im Alter von 34  Jahren hofft Júlio César an der WM in seiner Heimat den Höhepunkt seiner wechselhaften Karriere zu erleben. Er sei besser als 2010, verspricht er. Das hoffen fast 200 Millionen Landsleute auch.

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