Brüssel und London räumen grössten Brexit-Stolperstein weg

Wie die «Sunday Times» berichtet, will die EU Grossbritannien auch nach dem Brexit in der Zollunion belassen. Zumindest übergangsweise.

Die Premierministerin bekam offenbar Zusicherungen von der EU: Theresa May verlässt für eine Fragerunde im House of Parliament ihre Residenz in der Downing Street. (31. Oktober 2018)

Die Premierministerin bekam offenbar Zusicherungen von der EU: Theresa May verlässt für eine Fragerunde im House of Parliament ihre Residenz in der Downing Street. (31. Oktober 2018)

(Bild: Keystone Facundo Arrizabalaga)

Die grösste Hürde bei den Brexit-Verhandlungen ist einem britischen Zeitungsbericht zufolge aus dem Weg geräumt worden. May habe die Zusicherung aus Brüssel erhalten, dass Grossbritannien auch nach dem EU-Austritt in der Zollunion bleiben könne. Ein Regierungssprecher in London bezeichnete die Darstellung der «Sunday Times», wonach Premierministerin Theresa May der EU wichtige Zugeständnisse in der Irland-Frage abringen konnte, jedoch als Spekulation. «Wir haben gute Fortschritte bei unseren zukünftigen Beziehungen gemacht», sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur DPA am Sonntagmorgen lediglich.

Nach dem «Times»-Bericht hat May bereits das Zugeständnis aus Brüssel, dass ganz Grossbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union in der Zollunion bleiben kann. Auf diese Weise solle eine feste Grenze zwischen dem EU-Mitgliedstaat Irland und dem britischen Nordirland vermieden werden. Die Mitgliedschaft in der Zollunion sei zeitlich befristet. Eine Extra-Klausel hierfür in der Vereinbarung soll auch die Brexit-Hardliner in London überzeugen.

Zeit wird knapp

Das Kabinett wird laut «Times» am Dienstag über den Plan beraten. May hoffe auf genug Unterstützung und Fortschritte bis Freitag. Möglicherweise kündige Brüssel dann einen Brexit-Sondergipfel an. Die Zeit wird knapp: Grossbritannien will Ende März 2019 die EU verlassen.

Insgesamt seien die Gespräche schon weiter fortgeschritten als bekannt, berichtete die «Times». Die bisherigen Ergebnisse seien auf einem mindestens 50 Seiten umfassenden Dokument festgehalten. Waren sollen demnach nicht an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland, sondern beispielsweise in Lagern und Geschäften kontrolliert werden können.

Nicht näher genannten Kabinettsquellen zufolge lese sich das Papier so, als sei es von dem Parlamentarier Jacob Rees-Mogg geschrieben, heisst es in dem Bericht. Der Hinterbänkler ist ein einflussreicher Brexit-Hardliner mit extrem konservativen Ansichten. Er ist einer der grössten Widersacher Mays.

Grösster Streitpunkt

London und Brüssel fürchten, dass eine feste Grenze auf der irischen Insel den brüchigen Frieden in der früheren Bürgerkriegsregion gefährden könnte. Sie waren sich bislang aber nicht einig geworden, wie das praktisch verhindert werden kann. Derzeit ist die Grenze in der hügeligen Region nahezu unsichtbar.

Grossbritannien will die EU Ende März 2019 verlassen. Grösster Streitpunkt bei den Verhandlungen war bislang die künftige Grenze zwischen Irland und Nordirland. May sprach zuletzt davon, dass das Abkommen sogar schon zu «95 Prozent» fertig sei.

roy/SDA

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt