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Zweite Röhre verlängernBund prüft Vollausbau des Lötschbergs nochmals

Beim Basistunnel drängen Walliser Politiker statt des beschlossenen Teilausbaus nun doch auf die durchgehende Doppelspur. Der Bund lässt die BLS alles detailliert abklären.

Rund sieben Kilometer vor Frutigen endet bislang die vom Wallis her ausgebrochene Weströhre des Lötschberg-Basistunnels.
Rund sieben Kilometer vor Frutigen endet bislang die vom Wallis her ausgebrochene Weströhre des Lötschberg-Basistunnels.
Foto: Christian Pfander

Der langjährige Streit um den Ausbau des Lötschberg-Basistunnels nimmt womöglich eine überraschende Wendung. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) beauftragt die BLS, das Projekt für den Vollausbau des Tunnels zu detaillieren. Das bestätigt das Berner Bahnunternehmen, nachdem die Zeitung «Blick» über ein entsprechendes Schreiben berichtet hat.

In dem 2007 eröffneten Tunnel sind bislang erst gut 14 von 35 Kilometern doppelspurig in Betrieb. Auf 14 weiteren Kilometern ist die zweite Röhre zwar ausgebrochen, aber aus Kostengründen und auf Druck des früheren Finanzministers Otto Stich (SP) im Rohbau belassen worden.

Überraschend ist der Auftrag des Bundes deshalb, weil National- und Ständerat erst letztes Jahr beschlossen haben, vorläufig nur die 14 Rohbau-Kilometer der Weströhre auszubauen und in Betrieb zu nehmen. Knapp 7 Kilometer würden mit diesem Teilausbau einspurig bleiben. Trotzdem würde so der durchgehende Halbstundentakt mit Intercityzügen zwischen Bern und dem Wallis möglich, und Güterzüge müssten nicht mehr über die Bergstrecke umgeleitet werden. Die BLS lobbyierte mit Berner und Walliser Politikern erfolgreich dafür, nachdem sich der Bundesrat und die SBB dagegen ausgesprochen hatten, das Projekt in den Bahnausbauschritt 2035 aufzunehmen.

Acht Monate schliessen

Nicht thematisiert wurde beim Teilausbau allerdings, dass dafür längere Zeit gar kein Zug durch den Tunnel fahren könnte: In der vertieften Projektplanung habe sich gezeigt, dass eine achtmonatige Sperrung nötig würde, sagt BLS-Sprecherin Tamara Traxler. Grund ist, dass unterhalb von Mitholz beim Ende des Rohbauabschnittes eine Verbindung von der West- in die Oströhre ausgebrochen werden müsste.

Wegen der drohenden Sperrung verlangte Nationalrat Philipp Matthias Bregy (CVP, Naters) von Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga, den Vollausbau nochmals zu prüfen. Damit würden die fehlenden sieben Kilometer zwischen Mitholz und Frutigen doch noch doppelspurig, und auf die zusätzliche Verbindung zwischen den beiden Röhren könnte verzichtet werden.

Auf dieser älteren Grafik der BLS wird die Querverbindung bei Mitholz irrtümlicherweise so dargestellt, als sei sie ausgebrochen.
Auf dieser älteren Grafik der BLS wird die Querverbindung bei Mitholz irrtümlicherweise so dargestellt, als sei sie ausgebrochen.
Grafik: PD

Auf den Vorstoss aus dem Parlament hin gleist die Berner Bundesrätin Sommaruga den Vollausbau neu auf, nachdem sich ihre Aargauer Vorgängerin Doris Leuthard skeptisch gezeigt hatte. Bemerkenswert ist ferner, dass mit der Walliserin Viola Amherd letztes Jahr eine CVP-Politikerin Bundesrätin wurde, die zuvor Geschäftsleiterin des Lötschberg-Komitees war, das für den Ausbau des Tunnels kämpft.

2022 entscheiden

Der Bundesrat will nun im Jahr 2022 entscheiden, ob er dem Parlament doch noch einen Vollausbau beantragt. Aus Sicht der BLS ist der direkte Vollausbau sinnvoll, da er keine Totalsperre zur Folge hat, deshalb volkswirtschaftliche Kosten vermeidet und den Steuerzahler auf lange Sicht weniger kostet als ein etappierter Vollausbau.

Die Kosten für den Teilausbau waren von der BLS auf rund 920 Millionen Franken veranschlagt worden. Für den Vollausbau müsste gemäss früherer Schätzung mit rund 1,34 Milliarden Franken gerechnet werden. Das Bundesamt für Verkehr fordert die BLS nun auf, zu prüfen, ob diese Kosten «noch optimiert» werden können.

Der Teilausbau wird nun teilweise gestoppt. Zwar soll noch dieses Jahr das Plangenehmigungsverfahren aufgelegt werden. Bauaufträge sollen aber erst ausgeschrieben werden, wenn das Parlament über den Vollausbau entschieden hat.