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«Donnerwetter!» Maloney im BZ-Zug: Herzlichen Glückwunsch, Frau Wyss!

Der Maloney-Fall «Das Diebesgut» ist gelöst. Der Schreibwettbewerb ist damit beendet. Vertreter der Burgdorfer Krimitage und die BZ Berner Zeitung haben unter 56 Einsendungen die fünf besten Maloney-Geschichten ausgewählt. Wir danken allen Autoren für ihre Teilnahme und gratulieren den fünf ausgewählten Schreibtalenten zum Erfolg! Lesen Sie ab heute bis zum 3. November alle Fortsetzungen in der BZ Berner Zeitung und hier. Den Auftakt macht Erika Wyss (51) aus Grosshöchstetten.

Was bisher geschah …

Und nun die Fortsetzung von Erika Wyss:

Maloney besucht die Witwe Mumenthaler in Burgdorf.

«…Goldbarren?» Penelope Mumenthaler schaute mich mit tränenden Augen an. «Nicht genug, dass mein Emil gerade erst verstorben ist, nun soll ich mich auch noch mit Privatdetektiven herumschlagen.»Maloney: «Ich habe noch nie eine trauernde Witwe geschlagen, bei meiner Ehre – was immer das auch heissen mag. Aber ganz im Emil, ähm ich meine im Ernst: Sie wollen mir weismachen, dass Ihr Gatte Sie niemals in das Goldbarren-Geheimnis eingeweiht hat, am Ende wissen Sie nicht einmal wofür er im Knast gesessen hat.»Frau Mumenthaler:«Unterstehen Sie sich meinem Emil Geheimniskrämerei zu unterstellen! Er hat immer gut für mich gesorgt – weit über seinen Tod hinaus.»Maloney: «Ich wollte ja nur die Kondolenzgrüsse eines ehemaligen Compagnons Ihres Mannes überbringen. Herr Traber lässt Ihnen sein Beileid ausrichten.» Peng! Die Tür schlug zu. Ich ging den schmalen Plattenweg ums Haus herum zum Gartensitzplatz. Über eine leichte Böschung, welche mit alten Eisenbahnschwellen befestigt war, gelangte ich zu einem kleinen Bächlein hinunter. Das Wasser glitzerte in der Sonne; ich zog Schuhe und Socken aus und liess mir eine Reihe Goldbarren durch den Kopf gehen, während ich im kühlen Nass stand.Zehn Minuten später spazierte ich durch das Wohnquartier von Frau Mumenthaler und läutete wahllos an einem der Nachbarhäuschen.Maloney: «Guten Tag, mein Name ist Beck, ich bin vom städtischen Umweltamt. Wir machen eine Bestandesaufnahme der Wohnquartiere und kontrollieren in diesem Zusammenhang das Einhalten der Umweltvorschriften. Wie ich festgestellt habe, werden oftmals alte Eisenbahnschwellen in Gärten verwendet, das ist seit elf Jahren nicht mehr gestattet. Ich mache Sie auf Ihre Auskunftspflicht aufmerksam. Wenn Sie von solchen gesetzeswidrigen Einbauten aus neuerer Zeit wissen, sind Sie zur Meldung verpflichtet.»Der Nachbar bekam einen dicken Hals: «Das habe ich diesem Mumenthaler tausendmal gesagt, als er vor nicht langer Zeit diese Schwellen in seinem Garten einbaute. Eine Sauerei ist das. Und nur, weil er sie gratis erhalten hat, dieser Geizkragen.» Er wetterte noch eine Weile über seinen verblichenen Nachbarn und ich tat, was ich in solchen Situationen immer tue: mich aus dem Staub machen. Abends rief ich Herrn Traber an.Maloney: «Also Herr Traber, ich habe mit der Witwe gesprochen. Ich bin nicht so sicher, dass sie vom Diebesgut nichts wissen will. Es könnte sogar sein, dass sie mehr weiss.»Herr Traber: «Gut gemacht Maloney, ich werde Frau Mumenthaler selber einen Besuch abstatten. Sie können immer noch auf 10% hoffen!» Am nächsten Morgen weckte mich die grauenhafte Stimme des Inspektors: «Na, Maloney? In was sind wir da wieder hineingeraten? Am besten kommen Sie sofort und sehen sich die Sache an!» Ich fuhr zum Haus von Frau Mumenthaler. Trotz der frühen Morgenstunde herrschte schon Hochbetrieb. Weissgekleidete Gestalten sicherten allerhand Spuren und einige Uniformierte sperrten das Gelände ab. Im Bächlein lag jemand im Wasser, das Gesichts nach unten. Genau an der Stelle, an der ich gestern meine Füsse gebadet hatte. Ich bekam ein schlechtes Gewissen und schwor mir, am Abend die Socken zu wechseln.Inspektor: «Üble Sache, Maloney. Ich denke der Arzt wird Tod durch Ertrinken feststellen. Aber ich frage mich, weshalb Herrn Traber so schlecht geworden ist, dass er ins Wasser gefallen ist.»Maloney: «Sie wissen bereits, wie der Tote hiess? Alle Achtung, das scheint mir Rekord!»Inspektor: «Tun Sie nicht so, Maloney! Ausweise alle noch da. Sie selber wissen ebenfalls haargenau, wer hier liegt! Die letzte Nummer, die Herr Traber auf seinem Handy angerufen hat, ist die Ihre! Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen, Maloney?»Maloney: «Ich sage gar nichts mehr. Ich muss mich erst mal setzen.» Ich setzte mich auf eine der Eisenbahnschwellen. Ein rechteckiger Einschnitt mitten in der Schwelle weckte mein Interesse. Mit spitzen Fingern versuchte ich das eingekerbte Rechteck herauszunehmen. Tatsächlich, darunter verbarg sich ein kleiner Holraum. Dieser Holraum war mit einer klebrigen Flüssigkeit aufgefüllt, die ich nicht definieren konnte. Der Gestank war mörderisch, mir wurde leicht übel. Das erinnerte mich an eine Zeitungsmeldung, die ich vor Jahren gelesen hatte sowie an den Umstand, dass ich noch nichts im Magen hatte. Ich beehrte Penelope Mumenthaler mit einem weiteren Besuch. Frau Mumenthaler war in aufgeräumter Stimmung und bot mir Tee in feinstem englischen Porzellan an: «Nein, ich kannte Herrn Traber nicht persönlich. Aber sein Unfall tut mir nicht leid. Wegen ihm kam mein Emil auf die schiefe Bahn. Er überredete ihn, krumme Dinger zu drehen. Nun gut, mein Emil hat dafür gesühnt und seine Strafe abgesessen. Aber es ist nicht richtig, dass der andere seine Beute verjubeln konnte und die ganze Zeit frei herumlief. Erst kurz vor seinem Tod hat mich Emil in die Geschichte eingeweiht.»Maloney: «Das war, als Ihr Verblichener die Eisenbahnschwellen einbaute, nicht?» Frau Mumenthaler:«Ich halte sie in Ehren.»Maloney:«Deshalb pflegen Sie sie auch grosszügig mit Holzschutzmitteln? Wussten Sie, dass die Dämpfe bei einigen Produkten hochgiftig sind? Vor Jahren sind bei einer Kirchensanierung sogar Leute gestorben.»Frau Mumenthaler: «Ich habe auch davon gelesen. Ich wusste, dass Herr Traber eines Tages hier aufkreuzen würde. Wie er das Versteck der Goldbarren mit den Eisenbahnschwellen in Verbindung bringen konnte, weiss ich nicht. Jedenfalls hat er die Holzschwellen gestern Abend intensiv untersucht. Die Goldbarren sind natürlich längst nicht mehr dort. Und – ja, die Dämpfe des Holzschutzmittels können einem ganz schön zu schaffen zu machen.» Maloney: «Das ist auch Herrn Traber passiert, nicht wahr?»Frau Mumenthaler: «Herr Traber wurde sehr durstig, er war praktisch ohnmächtig beim Bächlein unten, ich musste ihn nicht lange unter Wasser festhalten. Er hat sich nicht einmal gewehrt.»Maloney: «Was nie zu beweisen sein wird! So geht das!»

Erika Wyss, Grosshöchstetten

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