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«Donnerwetter!» Maloney im BZ-Zug: Herzlichen Glückwunsch, Herr von Kauffungen!

Der Maloney-Fall «Das Diebesgut» ist gelöst. Der Schreibwettbewerb ist damit beendet. Vertreter der Burgdorfer Krimitage und die BZ Berner Zeitung haben unter 56 Einsendungen die fünf besten Maloney-Geschichten ausgewählt. Wir danken allen Autoren für ihre Teilnahme und gratulieren den fünf ausgewählten Schreibtalenten zum Erfolg! Lesen Sie ab heute bis zum 3. November alle Fortsetzungen in der BZ Berner Zeitung und hier. Hier setzt Roderick von Kauffungen (69) aus Bern den Maloney-Krimi fort.

Was bisher geschah …

Und nun die Fortsetzung von Roderick von Kauffungen:

Maloney besucht die Witwe Mumenthaler in Burgdorf.

Ich stand vor der prächtigen Villa und läutete. Eine Frau mit weissem Schurz öffnete. Sie musterte mich mit eisigem Blick, der langjährige Erfahrung mit hausierenden Messerschleifern verriet. «Was wollen Sie?». Ich schloss die Augen und dachte an die 50 000. «Frau Mumenthaler». «Erna Mumenthaler, die Putzfrau?», fragte sie. Ich realisierte, dass der Fall um einiges komplizierter war als angenommen. «Sie wohnt im Gartenschuppen. Aber den Hintereingang, den für Dienstboten!» Ich zottelte ab, nicht ohne dem Drachen die Pest an den Hals zu wünschen. Die kleine Parktür war verschlossen. Ich polterte an die morsche Pforte, die nachgab und sah eine Holzbaracke vor mir. Der Raum war mit Gartengeräten angefüllt, in der Ecke standen Bett, Tisch und Stuhl. Und ein Papageienkäfig mit Inhalt. Grün-gelb-blau gefiedert. Der Papagei zwitscherte eine mir unbekannte dämliche Melodie. Ich streckte dem Federvieh meinen Zeigefinger entgegen, in den es hineinbiss. Das Miststück plapperte «Coco, lieb». Der Finger blutete. Ich zeigte dem Vogel meinen gesunden Zeigefinger und durchsuchte erfolglos die Habseligkeiten. Schritte näherten sich. Eine nicht unattraktive, einfach gekleidete Frau stand vor mir. «Was suchen Sie in meiner Wohnung?». Ich beschloss aufs Ganze zu gehen. «Die Goldbarren!“. Erna Mumenthaler stiess ein verächtliches Lachen aus. «Die Goldbarren? Die suche ich auch. Glauben Sie, ich würde mit meiner Arthritis auf den Knien die Zimmer der grosskotzigen Familie putzen, wenn ich das Gold hätte? Ich besitze nichts, mein Mann hatte nur den Suff im Kopf, was er mit den Goldbarren gemacht hat, weiss ich nicht. Mir blieb nur sein Papagei». Ich beschloss, die Sache mit dem blutenden Finger nicht zu erwähnen. «Kennen Sie einen Herrn Traber?» «Ein Tagedieb, ein Nichtsnutz, er hatte den Überfall ausgeheckt, mein Mann war ein versoffener Trottel, Gott hab ihn selig. Traber war nicht nur auf Weiber scharf, sondern vor allem auf den Anteil meines Manns. Ich hatte nur Schikanen am Hals, die Polizei, die mich nach dem Tod meines Manns wieder mit ihren dämlichen Fragen löcherte und Traber, der mir die Hälfte des Erlöses für die 10 Goldbarren und noch viel mehr versprach». Ich realisierte, dass Traber ein abgefeimter Schurke war und beschloss, die Seite zu wechseln. «Ich suche für Sie das Gold. Falls ich es finde, erhalte ich zwanzig Prozent.» Die Augen von Erna begannen zu glitzern. «Thailand, da ist es sonnig und warm ….und keine Arthritis mehr!» Ich quetschte Erna zu ihrem Ex aus. Mumenthaler arbeitete nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis als Gärtner, hauste mit seiner Frau im Gartenschuppen und vertrank seinen kärglichen Lohn mit Billigfusel. Erna verschwand in einer Nebenkammer und kam zurück, in einem hübschen Kleid und geschminkt. Sie öffnete die Tür des Käfigs. Coco krächzte freudig, setzte sich auf meine Schultern und knabberte meine Ohren an. Erna setzte sich neben mich aufs Bett und presste ihre Schenkel an die meinen. Ich öffnete meinen Hemdskragen. Coco pfiff seine Lieblingsmelodie. Ich summte mit und der Text sprang mich an wie eine Fata morgana. «Schenkt man sich Rosen im Tirol, weisst du, was das bedeutet wohl?» Ich sprang auf und verabschiedete mich hastig von der enttäuschten Erna. Mumenthaler hatte im Suff wohl immer wieder die Melodie gesungen, seine Hoffnung auf ein besseres Leben, dann, wenn die Polizei Ruhe gegeben hätte. Das Bahngleis war ein Ablenkungsmanöver für Traber und Gefängniskumpane. In der Nacht kam ich zurück, bewaffnet mit Spaten und Spitzhacke und begann, das Rosenbeet im Park umzugraben. Der Spaten stiess auf Hartes. Es waren die Goldbarren, verhüllt in einem dreckigen Tuch. «Gute Arbeit, Maloney», sagte eine spöttische Stimme. Es war Traber, der mit gezückter Pistole vor mir stand. Ich kniete vor ihm. Traber zeigte sein gelbgeflecktes Wolfsgebiss und richtete den Lauf auf mich. «Ruhe sanft, Maloney», flüsterte er. Ich hörte einen Schrei: «Du verdammtes Aas, du hattest mir die Liebe versprochen, dir ging’s aber nur ums Gold». Erna stiess ihren Ex-Liebhaber in die Grube. Kein schöner Anblick. Aus seinem Gesicht ragte die Spitzhacke. Wir liessen Traber zurück. Ein Geschenk für den Hausdrachen. Erna flog nach Bangkok. Ich blieb mit zwei Goldbarren zurück. Coco beisst immer noch in meinen Finger. Vielleicht besuchen wir Erna in Thailand.

Roderick von Kauffungen, Bern

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