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Als Belohnung ein feines Pilzragout

Seit 50 Jahren ist Hans Arni von der Pilzwelt fasziniert. Trotz einer für Sammler schlechten Saison ist ihm vor zwei Wochen ein besonderer Fund geglückt. Gefeiert hat der Burgdorfer diesen mit einem leckeren Pilzragout.

«In Burgdorf kenne ich fast jeden Baum», sagt Hans Arni. Kein Wunder, seit der 57-jährige Familienvater vor 43 Jahren nach Burgdorf gezogen ist, durchstreift er, auf der Suche nach Pilzen, regelmässig die Wälder der Emmentaler Gemeinde. Begleitet wird er dabei meistens von seiner Frau. Sie ist es schliesslich auch, welche anschliessend in der Küche, wenn es um die Zubereitung der Pilze geht, das Zepter führt. So auch vor rund zwei Wochen. Nahe einer Dähle fand Hans Arni am 17.Oktober eine anderthalb Kilogramm schwere Krause Glucke. «Ein besonders schönes Exemplar», wie er stolz ergänzt.

Ein feines Pilzragout

Der Fund ist keine Selbstverständlichkeit, denn «das war eine sehr schlechte Pilzsaison», weiss Arni. Vor allem zu trocken sei es gewesen. So wurden in anderen Jahren von der gleichen Pilzsorte Exemplare von bis zu fünf Kilogramm gefunden.

Doch der Fund ist das eine. Zu Hause muss der Pilz dann noch fein säuberlich mit einem Pinsel geputzt werden; beim Waschen mit Wasser würde er den Geschmack verlieren. Dann wird er nach einem Rezept von Arnis Vorbild Antonio Carluccio, einem italienischen Koch und Lokalbetreiber, zugerichtet. «Zusammen mit Olivenöl, Zwiebeln und Knoblauch wird der Pilz angedämpft, danach mit wenig Weisswein abgelöscht», erzählt seine Frau. Neben Salz und Pfeffer kommen nach 10 bis 15 Minuten noch Rahm und Petersilie dazu.

Serviert wurde der Pilz zusammen mit Kalbsplätzli, Reis, Salat und einem Glas Rotwein. «Herrlich», schwärmen die beiden noch heute. Was übrig geblieben ist, rund die Hälfte des Fundes, wird zurzeit gut verschlossen in einem Einmachglas gelagert. Das nächste Festmahl bei Arnis ist also nur eine Frage der Zeit.

«Man hat nie ausgelernt»

Sein Wissen hat sich Arni selber angeeignet. Bereits als Siebenjähriger wurde er vom Pilzvirus befallen. «Ich war mit meinem Vater, einem Förster, in der Region Bucheggberg unterwegs», erinnert er sich. Da habe ihm ein Pilzsammler einige Exemplare gezeigt. Das war vor 50 Jahren, die Faszination für die Pilzwelt ist seither ungebrochen. Mit Büchern hat er sich in der Folge weitergebildet. Doch Arni weiss: «Ausgelernt hat man nie.» Nicht nur im Wald oder in der Küche sind die Pilze omnipräsent. «Wenn ich Leute treffe, reden wir fast nur über Pilze, so intensiv, dass der Friseur manchmal vergisst, die Haare zu schneiden, oder der Arzt, die Spritze zu machen», sagt Arni lachend.

Die Schonzeit einhalten

Erlebt hat Arni in all den Jahren einiges. So hat er einmal einem älteren Mann, der schlecht sah, einen Knollenblätterpilz aus dem Korb genommen. Ein Dankeschön gab es nicht, im Gegenteil: «Er ist fast sauer geworden, dass ich ihm den sehr giftigen Pilz weggenommen habe», erinnert sich Arni schmunzelnd.

Wer Pilze sammelt, muss übrigens eine Schonzeit beachten. Diese dauert vom 1. bis zum 7. Tag des Monats. «In der Nacht zum 8.Tag kann ich jeweils nur noch schlecht schlafen», sagt Arni. Morgens um 5 Uhr verlässt er dann in der Regel das Haus, um seinem Hobby zu frönen.

Nicht nur seinem Hobby, auch seiner Arbeit ist Arni treu geblieben. Seit 40 Jahren arbeitet er bei der Stanipac AG in Burgdorf, im Schichtbetrieb. Die Arbeit gefällt Arni, doch die Vorfreude auf die Pensionierung ist gross. Der Grund ist schnell gefunden: «Dann habe ich noch mehr Zeit, um nach Pilzen zu suchen.»

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