Zum Hauptinhalt springen

«Liebling, hältst du mal die Kamera?»

Spiessig ist anders: Das pensionierte Ehepaar Martin und Ursula Burkhard aus Uetendorf dreht hobbymässig Dokumentarfilme. Doch das ist nicht alles. Zusammen haben sie das Film Team Uetendorf gegründet.

Burkhards gibts nur im Doppelpack: Martin und seine Frau Ursula sind ein eingespieltes Filmteam.
Burkhards gibts nur im Doppelpack: Martin und seine Frau Ursula sind ein eingespieltes Filmteam.
Christian Pfander

Mag sein, dass in Uetendorf dieser Tage die Augen vor allem auf die Hännis gerichtet sind. Seit Luca, der 17-jährige Spross einer Patchworkfamilie, unlängst das Finale von «Deutschland sucht den Superstar» gewonnen hat, ist ein regelrechter Hype um den singenden Maurerlehrling ausgebrochen. Doch auch ein Blick in Wohnung und Leben anderer Uetendorfer verspricht Spannendes. So etwa an der Dorfstrasse 26. Hier trifft man Martin und Ursula Burkhard. Er ist 66, gelernter Elektroniker und seit drei Jahren pensioniert. Sie ist 64, ausgebildete Verkäuferin und Hausfrau, und ebenfalls im Ruhestand. Ein ganz normales Rentnerpaar, könnte man meinen, wenn man sie, so wie an diesem Morgen, im Wohnzimmer sitzen sieht. Doch weit gefehlt. Während andere Pensionäre walken, den Garten pflegen, Golf oder Tennis spielen, drehen die Burkhards Filme – genauer gesagt Dokumentarfilme.

Es begann in den 70ern

Die Burkhards gibts nur im Doppelpack – das ist auch beim Filmen nicht anders. Er filmt und schneidet, sie filmt und ja, wie könnte man das nennen: assistiert, schaut über die Schulter und gibt notfalls Tipps. «Ich gebe einfach meinen Senf dazu», nennt es Ursula Burkhard ohne Umschweife. Wie reagiert da der Künstler am Schnittpult, das sich übrigens in den eigenen vier Wänden befindet? Kommt es da zu Differenzen? «Wir haben nie ein ‹Gstürm› deswegen», meint Martin Burkhard und fügt lächelnd an: «Und zudem hat sie ja meistens recht.» Alles begann in den 70er-Jahren, als der Vater von zwei Kindern – heute sogar von fünf Grosskindern – in den Tauchferien mit der Familie das Filmen für sich entdeckte, damals mit einer Super-8-Kamera – an heutigen Standards gemessen ein Steinzeitmodell. Danach war die Kamera steter Begleiter von Martin Burkhard, aber auch dessen Frau liess sich davon anstecken. 2004 war das Dorf Gurzelen die Initialzündung für einen weiteren Entwicklungsschritt – genauer gesagt ein Kohlenmeiler. Der Aufbau eines neuen Kohlenmeilers sollte filmisch dokumentiert werden. Die Initianten gelangten an die Burkhards, die sich schliesslich des Projekts annahmen. Während zweier Wochen begleiteten die beiden mit Kameras ausgerüstet die Arbeiten. Das Werk über den Kohlenmeiler in Gurzelen überzeugte und wurde später sogar von Schulen als Anschauungsmaterial gekauft. Der Dreh hatte auch zum Effekt, dass die burkhardsche Begeisterung fürs Filmen noch mehr anstieg.

Kaum Einnahmen

Aktuell drehen Martin und Ursula Burkhard eine Dokumentation über die letzte Knopffabrik der Schweiz – domiziliert in Bern. Es wird eine Art dokumentarischer Nachruf auf die Branche, denn die Fabrik schliesst Ende Jahr. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine bezahlte Auftragsarbeit, wie eigentlich nie, wenn Burkhards zur Kamera greifen. «Wir machen das rein hobbymässig», sagt Martin Burkhard. Interessierte können zwar DVDs ihrer Werke kaufen, doch ansonsten haben die Hobbyfilmer keine Einnahmen. «Wir wollten nie den Druck einer Deadline im Nacken spüren», erklärt Martin Burkhard. Und: «Die Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig.» Und wie siehts auf der Ausgabenseite aus? Ist so ein Filmequipment nicht teuer? «Man hat hohe Anschaffungskosten, danach hat man lange Zeit Ruhe», meint der Filmer aus Uetendorf. «Da hat ein Skifahrer ein teureres Hobby, wenn er alle drei Jahre eine neue Ausrüstung braucht», fügt er an.

Wo bleiben die Frauen?

Doch gefilmt wird bei den Burkhards nicht nur in der Zweierkiste. Vom Filmfieber gepackt, riefen Martin Burkhard und seine Frau vor rund acht Jahren den Klub Film Team Uetendorf ins Leben. Heute sind dort 12 Hobbyfilmer Mitglied. Alle drei Wochen trifft man sich im Allmendhof in Thun zum kreativen Austausch. Wenn Initiator Martin Burkhard nicht gerade im Rahmen eines Theoriekurses über professionelle Film-, Beleuchtungs- oder Schnitttechnik referiert, zeigen die Teammitglieder einander ihre neusten Filmwerke. Ob es sich um einen Dok-Streifen à la Burkhards handelt oder um einen Ferienfilm aus Kanada, das spielt dabei keine Rolle. Hauptsache, man kriegt ein Feedback und kann einander Tipps weitergeben. Beitreten kann dem Klub übrigens jeder, der die Liebe zum bewegten Bild in sich trägt – auch Anfänger sind herzlich willkommen. «Und vor allem Frauen», ergänzt Ursula Burkhard. Denn: Sie ist momentan die einzige Frau im Team. Eigentlich schade, oder?

www.film-team.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch