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«Querfinanzierung ist keine Schande – sie ist eine Notwendigkeit»

Raphael Urweider, Schriftsteller und Co-Leiter Schlachthaus-Theater Bern zum Thema Buchpreisbindung.

BuchpreisbindungMenschen, die Gedichte schreiben, sind oft nicht an Geld oder Reichtum interessiert. Gedichte sollen, so der Wunsch von denen, die sie schreiben, Alltagsgegenstände sein. Gedichte sollten erschwinglich sein, damit sie nicht nur von solchen, die so viel Geld haben, dass sie selbstverständlich teure Bücher kaufen, gelesen werden. Mit der Buchpreisbindung werden gerade die Bücher, die nicht marktorientiert geschrieben und produziert wurden, zu Luxusartikeln.

Ich kann meinen Gedichtband mit gutem Gewissen verkaufen oder empfehlen, wenn er nicht viel mehr als ein Kinoeintritt oder eine CD kostet. Ich mache mir keine Illusionen: Gedichte sind wahrscheinlich nicht mehr wert als ein gutes Kinoerlebnis oder eine schöne CD.

Einen Gedichtband kann und sollte man konsumieren können wie andere reproduzierbare Kunst: Zu einem anständigen Preis, und es sollte Möglichkeiten geben, ihn zu erwerben. Genau dies ermöglicht die Buchpreisbindung. Wenn nun Gedichtbände plötzlich so selten und teuer werden wie Kunstdrucke, dann kauft sie niemand mehr, oder nur Leute, die sie besitzen wollen, weil sie teuer sind. Gedichte sind keine Statussymbole. Niemand, der Gedichte schreibt, denkt dabei an den Marktwert. Sonst würde er keine schreiben. Buchhandlungen, die sich überhaupt noch die Mühe machen, Gedichtbände und andere Raritäten zu verkaufen, müssen diese querfinanzieren können. Als 2007 die Buchpreisbindung aufgehoben wurde, verschwanden immer mehr Gedichtbände. Auch aus kleinen Buchhandlungen, da bereits die Verlagsvertreter, die die Bücher in Umlauf bringen sollten, nicht mehr an den Verkauf solcher Spezialitäten glauben konnten.

Ein Milchbauer muss die Milch mit Direktzahlungen querfinanzieren, um gleichzeitig den Verfassungsauftrag der Landschaftspflege wahrnehmen zu können. Querfinanzierung ist keine Schande, sie ist eine Notwendigkeit, damit das Land nicht öd und wüst wird. Eine vielfältige Landschaft ist für die Schweiz selbstverständlich. So wie eine vielfältige Literaturlandschaft es auch sein sollte.

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