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Umstrittene schutzmassnahmeCorona-Ampeln machen Autofahrer wütend

Fussgänger in der Stadt Bern müssen nicht mehr den roten Ampelknopf drücken, um Strassen überqueren zu können. Velo- und Autofahrer sehen sich im Nachteil.

In der Stadt Bern müssen keine roten Knöpfe mehr gedrückt werden.

Wer in Bern eine Strassen überqueren will, musste bislang den roten Ampelknopf drücken, um grünes Licht zu bekommen. In Zeiten von Corona für viele Menschen eine widerwillige Routine. Doch diese ist jetzt nicht mehr nötig: «Fussgänger können nun eine Strasse queren, ohne den Drücker anfassen zu müssen», sagt der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel gegenüber dem «Bund». 56 von 80 Ampeln hat die Stadt Bern auf eine sogenannte «Daueranmeldung für Fussgänger» umgestellt. Das soll die Fussgänger besser vor dem Coronavirus schützen.

Für Auto- und Velofahrer kann diese Umstellung zu längeren Wartezeiten führen. «Zu gewissen Zeiten kann es dazu kommen, dass Ampeln für Fussgänger auf Grün stehen, obwohl gar niemand den Fussgängerstreifen überqueren will», sagt Vogel. Dies macht sich auch bei Bernmobil bemerkbar: Auf der Linie 19 kommt es laut Mediensprecher Rolf Meyer zu einer leichten Verlangsamung. «Zudem müssen unsere Fahrerinnen und Fahrer stets erwarten, dass eine Fussgängerampel auf Rot fällt, obwohl kein Fussgänger, der die Strasse überqueren will, zu erblicken ist», so Meyer.

Verschiedene Ansichten

Andrea Zryd, Co-Präsidentin von Fussverkehr Bern und SP-Grossrätin, begrüsst die neue Regelung: «Es waren noch nie so viele Fussgänger unterwegs wie jetzt.» Deshalb sei es umso wichtiger, deren Sicherheit zu gewährleisten.

Dem widerspricht Lars Guggisberg (SVP), Vizepräsident TCS Bern-Mittelland. Für die TCS Sektion Bern seien diese Massnahmen «willkürlich und unverhältnismässig». Sie würden die Vermutung nahe legen, dass eine mögliche Ansteckung lediglich als Vorwand für einen verkehrspolitischen Schachzug diene.

Wie lange die neue Regelung umgesetzt wird, steht noch nicht fest. «Dort, wo es nicht viel bringt, heben wir die Daueranmeldung bald wieder auf», sagt Verkehrsplaner Vogel.

RC