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Tücken der HeimarbeitCorona-Krise lässt die Laptop-Preise steigen

Einzelne Modelle werden im Onlinehandel teurer. Die Heimarbeiter sehen sich zusehends nach günstigen Geräten um.

Jon Mettler
Die Notwendigkeit, Kommunikation aus den eigenen vier Wänden zu gestalten, erfordert in vielen Haushalten Neuanschaffungen von Computern.
Die Notwendigkeit, Kommunikation aus den eigenen vier Wänden zu gestalten, erfordert in vielen Haushalten Neuanschaffungen von Computern.
Christian Beutler (Keystone)

In Zeiten von erzwungener Heimarbeit und verordnetem Hausunterricht kann die Verfügbarkeit von Computern im Haushalt erschwert sein, wenn mehrere Familienmitglieder darauf arbeiten müssen. Immer mehr Anwender überlegen sich deshalb, zusätzliche Geräte anzuschaffen. Doch wie Leser melden, kann das teuer zu stehen kommen. Die Preise für Laptops im Onlinehandel steigen.

Eine Familie etwa wollte sich das leistungsfähige Modell HP Elitebook 840 G6 mit 16 Gigabyte Arbeitsspeicher leisten. Die Mutter stöberte im Internet auf Portalen für Preisvergleiche und stellte erstaunt fest: Seit Mitte Januar ist der Produktpreis um 500 Franken auf knapp 1600 Franken gestiegen.

Der jüngste Preisanstieg fällt mit den verschärften Massnahmen des Bundesrats zur Bekämpfung der Epidemie zusammen. «Wir haben letztlich auf einen Kauf verzichtet», sagt die Mutter.

Die grossen Schweizer Onlinehändler bestätigen auf Anfrage, dass sich die Coronavirus-Krise auf die Preise von Computern und Laptops auswirkt. Die Tendenz zeige aber nicht nur nach oben, heisst es. Brack teilt mit, dass bei Notebooks die Verkaufspreise angestiegen seien. Betroffen sei aber nicht das gesamte Sortiment, sondern nur einzelne Modelle und Hersteller, sagte ein Firmensprecher.

Steigende Beschaffungspreise

Der Grund: Weil vielerorts die Produktion von Laptops noch nicht wieder vollständig hochgefahren ist, kann es zu einer zunehmenden Begrenzung des weltweiten Angebots kommen. Das führt zu höheren Preisen in der Beschaffung. «Notebooks weisen sehr niedrige Handelsmargen auf. Wenn wir teurer und aufwendiger einkaufen müssen, müssen wir auch die Verkaufspreise anheben», sagt der Brack-Sprecher.

«Womöglich sehen unsere Kunden jetzt weniger Aktionen auf unserer Seite und haben dadurch das Gefühl, dass die Preise gestiegen sind.»

Firmensprecher von Digitec Galaxus

Digitec Galaxus verkaufte im laufenden Monat doppelt so viele Notebooks wie im gleichen Zeitraum vor einem Jahr, wie das Unternehmen mitteilt. «Vor Ausbruch der Corona-Pandemie gab es bei uns einige Preisaktionen auf Notebooks. Womöglich sehen unsere Kunden jetzt weniger Aktionen auf unserer Seite und haben dadurch das Gefühl, dass die Preise gestiegen sind», sagt ein Firmensprecher. Aktionspreise seien aber keine Marktpreise.

Die Migros-Tochter machte in den vergangenen Tagen einen Trend zu sinkenden Verkaufspreisen aus. «Unsere Kunden kaufen nämlich ungewöhnlich viele günstige Notebooks. Diese eignen sich ebenfalls fürs Homeoffice», sagt der Sprecher von Digitec Galaxus.

Die meisten Geräte sind noch lieferbar

Microspot und Interdiscount melden ebenfalls eine gesteigerte Nachfrage bei Laptops und Notebooks. Es seien keine allgemeinen Preisaufschläge feststellbar, heisst es bei den beiden Tochtergesellschaften von Coop.

Alle vier Onlinehändler geben bekannt, dass sie die meisten der angebotenen Geräte noch in den eigenen Lagern haben und diese somit auch liefern können. Es könne jedoch vereinzelt zu längeren Wartezeiten als gewohnt kommen. Eine lückenlose Lieferfähigkeit garantieren aktuell aber weder Brack, Digitec Galaxus noch Interdiscount und Microspot.

Während der Ausbruch des neuartigen Coronavirus bei elektronischen Geräten zu Preisschwankungen führt, beschert das verstärkte Arbeiten von zu Hause den Herstellern solcher Produkte brummende Geschäfte. «Wir registrieren in unseren Onlineshops eine verstärkte Nachfrage nach Artikeln für das Homeoffice. Dabei handelt es sich um Notebooks, Bildschirme, Kabel und Drucker», sagt ein Sprecher der Elektronikhandelskette Media Markt der Nachrichtenagentur Reuters.

«Wir sehen momentan ein gesteigertes Interesse am Thema VPN, also an einer gesicherten Verbindung von zu Hause zum Firmennetz.»

Fritzbox-Hersteller AVM aus Berlin

Dem Fritzbox-Hersteller AVM aus Berlin kommt gelegen, dass das eigene Heim zum Arbeitsplatz werden muss: «Wir sehen momentan ein gesteigertes Interesse am Thema VPN, also an einer gesicherten Verbindung von zu Hause zum Firmennetz.» Da Smartphones und Tablets mehr im Einsatz seien, würden auch Produkte für eine höheren WLAN-Reichweite wie Signalverstärker vermehrt nachgefragt.