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Bürgermeister warnt vor KollapsCorona-Lage in London «ausser Kontrolle»

Wegen der dramatischen Situation rief Bürgermeister Sadiq Khan einen «major incident» aus. In der britischen Hauptstadt droht ein akuter Mangel an freien Spitalbetten.

Die Intensivstationen sind praktisch voll: Pflege im Spital St. George in London.
Die Intensivstationen sind praktisch voll: Pflege im Spital St. George in London.
Foto: Victoria Jones (Keystone)

Wegen der dramatischen Situation in den Krankenhäusern von London hat der Bürgermeister der britischen Hauptstadt vor einem Kollaps des Gesundheitssystems gewarnt. Angesichts des drastischen Anstiegs der Infektionen drohten in den Kliniken die Betten auszugehen, erklärte Sadiq Khan am Freitag. «Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass wir innerhalb weniger Wochen keine Betten mehr für Patienten haben, wenn die Virusausbreitung nicht drastisch gebremst wird.»

Khan rief einen «major incident» aus – ein Grossschadenereignis, das die öffentliche Sicherheit bedroht. Es handle sich um eine absolute Krisensituation, das Virus sei «ausser Kontrolle», sagte Khan. Er forderte unter anderem mehr finanzielle Unterstützung der britischen Regierung im Kampf gegen das Virus. «Wenn wir nicht sofort aktiv werden, wird unser Gesundheitssystem überfordert und noch mehr Menschen werden sterben.»

Am Donnerstag hatten britische Medien ein internes Papier des öffentlichen Gesundheitsdienstes NHS veröffentlicht, wonach bei einem Anhalten der jetzigen Entwicklung bereits am 19. Januar in London rund 1500 Krankenhaus-Betten fehlen könnten. Im schlimmsten Fall könnten es sogar 4400 fehlende Betten sein.

Seit dem 4. Januar befindet sich Grossbritannien im dritten Lockdown. Schulen sind geschlossen, das Haus darf nur noch für notwendige Aktivitäten wie Arztbesuche, die Arbeit oder «lebensnotwendige» Einkäufe verlassen werde. Die neuen Regeln dürfen bis Mitte Februar in Kraft bleiben, können sich aber laut den Angaben eines Ministers auch bis in den März hinziehen.

Die Impf- und Coronapolitik des Premierministers Boris Johnson wird im Land immer stärker kritisiert. Die Verschärfungen seien zu spät gekommen, kritisieren selbst Johnsons Parteikollegen.

Landesweit herrscht Alarmstufe 5, die höchste Stufe. Das bedeutet, dass ohne einschneidende Massnahmen die totale Überforderung des Gesundheitswesens binnen 21 Tagen zu befürchten steht. Mit mehr als 78’000 Corona-Toten ist Grossbritannien eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern weltweit. Derzeit kämpft die Regierung in London insbesondere gegen die rasante Ausbreitung eines mutierten Virus, das im Dezember erstmals im Südosten Englands entdeckt wurde. Erste Studien legen nahe, dass die Variante B.1.1.7 um bis zu 70 Prozent ansteckender sein könnte als die bisher bekannten Stämme.

Insgesamt wurden in Grossbritannien am Freitag mehr als 68 000 neue Corona-Fälle gemeldet – ein neuer Tagesrekord. Einen weiteren traurigen Rekord stellte das Land bei den Todesfällen innerhalb eines Tages auf: 1325 Menschen starben an oder mit Covid-19.

Die Spitäler kommen an ihre Grenzen: Ein Patient wird ins Royal London Hospital gebracht. (7. Januar 2020)
Die Spitäler kommen an ihre Grenzen: Ein Patient wird ins Royal London Hospital gebracht. (7. Januar 2020)
Foto: Andy Rain (Keystone) 

AFP/SDA/cpm

49 Kommentare
    Christoph Goeser

    Reiseverkehr und andere Orte der Virusverteilung derzeit noch am Laufen?

    Noch sind wir weltweit verschont von eine Letalität wie Ebola oder Marburg oder Dengue....