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Coronavirus weltweit +++ Bolsonaro legt Veto gegen Maskenpflicht ein +++ Air France will 7500 Stellen streichen

Brasiliens Präsident wehrt sich gegen eine vom Parlament beschlossene Maskenpflicht. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weltweit haben sich mehr als 10 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Allein die USA haben über 2,5 Millionen Fälle.
  • Zahlreiche Länder lockern ihre Einschränkungen oder Ausgangsbeschränkungen wieder. Gleichzeitig werden die ersten Staaten bereits von einer zweiten Welle erfasst.
  • Ein Impfstoff gegen den Erreger ist noch nicht gefunden – Tests verlaufen aber vielversprechend.

Hier sehen Sie, wie die Massnahmen in der Schweiz wirken: Der Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern.

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Bolsonaro legt Veto gegen Maskenpflicht ein

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat sein Veto gegen eine vom Parlament beschlossene Maskenpflicht zur Eindämmung des Coronavirus eingelegt. Der Staatschef nutzte am Freitag sein Vetorecht, um zwei Artikel aus einem Gesetz zu entfernen, die eine Mundschutzpflicht in Geschäften sowie in Kirchen vorsehen. Der Kongress muss Bolsonaros Veto nun prüfen und dann entscheiden, ob er diesem nachkommt.

In mehreren brasilianischen Bundesstaaten gilt wegen der Corona-Pandemie eine regionale Mundschutzpflicht. Die vom nationalen Parlament beschlossene Mundschutzpflicht ist jedoch die erste dieser Regelungen mit landesweiter Gültigkeit.

In einem Artikel des Gesetzes heisst es, dass Atemschutzmasken in «kommerziellen und industriellen Einrichtungen, religiösen Stätten, Lehranstalten sowie in geschlossenen Räumen, in denen Menschen sich versammeln» getragen werden müssten.

1,5 Millionen Infektionen

Bolsonaro argumentierte nun, dass dieser Artikel gegen die Verfassung verstosse, weil er angeblich einen Eingriff in die Privatsphäre darstelle. So könnten etwa Geschäftstreffen auch in privaten Räumen stattfinden.

Die brasilianische Verfassung schützt den privaten Wohnraum vor staatlichen Eingriffen. Das Abgeordnetenhaus betonte jedoch, dass sich der Artikel klar auf geschlossene Räume beziehe, die «der Öffentlichkeit zugänglich» seien und nicht auf Wohnungen.

Bolsonaro legte sein Veto zudem gegen einen Gesetzesartikel ein, der Geschäfte und Unternehmen dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen und Behörden dazu, Mundschutze an «wirtschaftlich Schwache» zu verteilen.

Protest gegen den Präsidenten: Jair Bolsonaro wird für seine Corona-Politik immer wieder heftig kritisiert.
Protest gegen den Präsidenten: Jair Bolsonaro wird für seine Corona-Politik immer wieder heftig kritisiert.
Keystone

Brasilien verzeichnet inzwischen mehr als 1,5 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus und ist damit das weltweit am zweitstärksten betroffene Land nach den USA. Die Zahl der Todesfälle liegt bei über 63'000.

Bolsonaro, der die von dem neuartigen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 als «kleine Grippe» bezeichnete, trägt in der Regel keine Maske und ignoriert bei seinen öffentlichen Auftritten auch die Abstandsregeln: Der brasilianische Präsident schüttelt weiterhin Hände und umarmt seine Anhänger auch.

Britische Regierung warnt Kneipengänger

Unmittelbar vor der Wiedereröffnung der Pubs in England hat die britische Regierung die Kneipengänger vor Exzessen gewarnt. «Man könnte hinter Gittern landen, wenn man das Gesetz bricht», sagte Gesundheitsminister Matt Hancock laut «Daily Mail» (Samstag). Betrunkene Schläger würden eingesperrt, wenn sie am «Super-Samstag» randalieren würden. Briten könnten «heute auf jeden Fall» in die Bar gehen, aber sie müssten vernünftig sein. Ab 19 Uhr MESZ darf das erste frischgezapfte Pint seit mehr als drei Monaten bestellt werden.

Keystone

Gäste im Pub müssen beim Betreten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Menschenansammlungen am Tresen sind nicht erlaubt. Die Polizei hat die Zahl ihrer Einsatzkräfte stark erhöht. Premierminister Boris Johnson hatte seine Landsleute am Freitag aufgefordert, sich an die Regeln zu halten, um eine zweite Corona-Welle zu vermeiden. Er betonte, dass «wir noch nicht über den Berg sind» und fügte hinzu: «Lasst es uns nicht vermasseln.»

Hancock sagte: «Ich bin kein Spielverderber, aber das Virus kann immer noch töten. Ich will nicht, dass Bars und Kneipen wieder schliessen müssen. Ich liebe es, in die Kneipe zu gehen, und ein oder zwei Bier zu trinken.» Er werde aber nicht davor zurückschrecken, Pubs und Restaurants wieder zu schliessen, wenn das nötig sein würde.

Grossbritannien ist das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land in Europa. Laut Johns Hopkins Universität sind knapp 286'000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 44'200 Infizierte starben

Air France will 7500 Stellen streichen

Die französische Fluggesellschaft Air France will 7500 Stellen streichen. Davon sollen 1000 bei der Tochter HOP! wegfallen, wie Air France entsprechende Berichte bestätigte. Der Stellenabbau solle vornehmlich über natürliche Fluktuation erfolgen.

Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Konzern nicht aus. Die französische Regierung, die der durch die Coronavirus angeschlagenen Airline mit 7 Milliarden Euro unter die Arme greift, hatte die Airline jedoch aufgefordert, den Stellenabbau zu vermeiden.

WHO: Potenzial einer zweiten Welle ist da

Die jüngst wieder steigenden Zahlen an nachgewiesenen Corona-Infektionen in vielen Ländern sind nach Meinung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kein Anzeichen einer zweiten Welle. Vielmehr handele es sich um einen zweiten Höhepunkt der ersten Welle.

«Was wir jetzt in vielen Ländern erleben, ist ein zweiter Höhepunkt der ersten Welle in vielen Ländern, wo das Virus nicht genug unterdrückt worden ist, um eine Übertragung der Krankheit zu verhindern», sagte der WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan am Freitagabend in einem Briefing bei der Genfer Auslandspresse.

Um so mehr müssten Massnahmen wie Handhygiene, Abstand halten und Isolation von Infizierten und ihren Kontakten konsequent weiter angewendet werden. «Sonst könnten wir eine Situation bekommen, wo das Infektionsniveau anhaltend höher ist als wir es wirklich wollen.»

Das Potenzial einer zweiten Welle sei da, sagte Ryan, etwa im Winter, wenn wieder mehr Menschen eng in Räumen zusammen seien und das Virus sich dadurch leichter von Mensch zu Mensch verbreiten könne als jetzt. Womöglich reagiere das Virus auch auf Temperaturen.

US-Behörden melden 53'301 weitere Infektionen

Die Zahl der Infektionen in den USA ist nach Angaben der Zentren für Seuchenkontrolle (CDC) um 53'301 auf 2,732 Millionen gestiegen. Zudem seien 624 weitere Todesfälle und damit insgesamt 128'648 verzeichnet worden.

Ohne Maske: US-Präsident Mike Pence hält einen Vortrag in einem Gesundheitszentrum in Tampa (Florida).
Ohne Maske: US-Präsident Mike Pence hält einen Vortrag in einem Gesundheitszentrum in Tampa (Florida).
(Ivy Ceballo/Tampa Bay Times via AP/Keystone/3. Juli 2020)
Remdesivir erhält europäische Zulassung für Covid-19

er Wirkstoff Remdesivir wird in Europa unter Auflagen als erstes Mittel zur Therapie von Covid-19 zugelassen. Die Entscheidung gab die EU-Kommission am Freitag bekannt. «Die heutige Zulassung eines ersten Medikaments zur Behandlung von Covid-19 ist ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen das Virus», erklärte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die Zulassung sei im Schnellverfahren weniger als einen Monat nach dem Antrag ergangen.

Remdesivir gilt als eine von wenigen wirksamen Arzneien bei schweren Fällen der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit. Es kann Studien zufolge den Krankenhausaufenthalt verkürzen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte die Zulassung für Patienten ab zwölf Jahren empfohlen, die eine Lungenentzündung haben und mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden müssen.

Ärzte sehen Remdesivir nicht als Allheilmittel, wohl aber als Lichtblick für Corona-Patienten. Eine internationale Studie mit über 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann – von 15 auf 11 Tage.

Eine Ampulle des Arzneimittels Remdesivir.
Eine Ampulle des Arzneimittels Remdesivir.
Foto: Reuters

Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wurde in klinischen Studien getestet.

Nordkoreas Kim spricht von «leuchtendem Erfolg» im Kampf gegen Corona

Trotz der weltweiten Coronavirus-Krise ist Nordkorea nach Angaben von Machthaber Kim Jong-un von Infektionsfällen bisher verschont geblieben. Nordkorea habe es geschafft, dass das «bösartige Virus» nicht eingeschleppt und eine Epidemie verhindert worden sei, wurde Kim am Freitag von den staatlich kontrollierten Medien zitiert.

«Das ist ein leuchtender Erfolg», sagte er. Die Menschen des Landes müssten aber weiter äusserst wachsam bleiben. Kim sprach den Berichten zufolge am Donnerstag bei einem erweiterten Treffen des Politbüros der in dem Land herrschenden Arbeiterpartei.

Nordkorea ist eines der wenigen Länder weltweit, die nach eigenen Angaben bisher keine bekannten Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet haben. Aus Furcht vor einer Verbreitung des Erregers hatte das ohnehin abgeschottete Land im Januar seine Grenzen zu China und Russland geschlossen. Auch wurden Tausende von Menschen vorbeugend unter Quarantäne gestellt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
Foto: Getty Images

Im Ausland gibt es Zweifel, dass Nordkorea wegen der engen Handels- und Schmuggelverbindungen zu China die Einschleppung tatsächlich verhindert hat. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, allein der Fakt, dass das Politbüro zum zweiten Mal binnen drei Monaten wegen der Pandemie tagte, könnte auf eine ernsthafte Situation in dem Land hinweisen.

Kim will Corona-Massnahmen nicht lockern

Die Teilnehmer des Politbüro-Treffens hätten die Abwehrmassnahmen gegen das Virus in den vergangenen sechs Monaten geprüft und Probleme diskutiert, die «antiepidemische Situation» stabil zu erhalten, berichteten die Staatsmedien. Kim habe vor Selbstzufriedenheit und Entspanntheit gewarnt. Auch habe er die Unaufmerksamkeit von Beamten und Verstösste gegen die Notfall-Schutzmassnahmen gegen das Virus kritisiert. Ein voreiliges Nachlassen bei den Massnahmen werde in eine «unvorstellbare und unheilvolle Krise» münden, sagte Kim.

Das Politbüro hatte im April ein Resolution verabschiedet, um striktere Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung in der Corona-Pandemie durchzusetzen.

Ryanair verspricht Ticketerstattungen bis Ende Juli

Europas grösster Billigflieger Ryanair will die ausstehenden Erstattungen für in der Corona-Krise abgesagte Flüge schneller bearbeiten. Mehr als 90 Prozent der zwischen März und Juni betroffenen Kunden sollen ihr Geld bis Ende Juli erhalten.

Dies versprach Manager Eddie Wilson laut einer Mitteilung des irischen Unternehmens vom Freitag. Man habe zusätzliche Mitarbeiter geschult, um den Stau zu beseitigen.

Nach EU-Recht sind Fluggesellschaften bei von ihnen stornierten Flügen verpflichtet, den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen zu erstatten. In der Corona-Krise hatte dies auch bei anderen Gesellschaften nicht geklappt. So hat der Lufthansa-Konzern vor einer Woche angekündigt, den Stau innerhalb von sechs Wochen zu beseitigen. Es standen noch rund eine Milliarde Euro an Erstattungen aus.

Ryanair will Tickets bis Ende Juli einen Grossteil der Tickets zurückerstatten.
Ryanair will Tickets bis Ende Juli einen Grossteil der Tickets zurückerstatten.
Foto: Keystone

Das Unternehmen beschuldigte erneut Online-Reisebüros, bei ihren Buchungen gefälschte E-Mail-Adressen und virtuelle Kreditkarten zu verwenden, die nicht zu einzelnen Verbrauchern zurückverfolgt werden könnten. Die Büros müssten die Daten ihrer Kunden offenlegen, damit an diese Erstattungen fliessen könnten.

Zahl der Corona-Neuinfektionen in Israel erstmals über 1000er-Marke

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hat in Israel erstmals die Marke von 1000 überschritten. Wie das Gesundheitsministerium am Freitagmorgen mitteilte, wurden am Donnerstag 1107 Fälle registriert – so viele wie nie zuvor seit dem Ausbruch der Pandemie.

Der bisherige Höchstwert war am Mittwoch mit 967 vermerkt worden. Nach Angaben des Ministeriums ist der Erreger Sars-CoV-2 bisher bei 27 542 Menschen in Israel nachgewiesen worden, 325 Infizierte sind gestorben. Aktive Fälle gibt es etwa 9600.

Ein orthodoxer Jude wartet mit medizinischem Mundschutz darauf, eine Strasse überqueren zu können.
Ein orthodoxer Jude wartet mit medizinischem Mundschutz darauf, eine Strasse überqueren zu können.
Foto: Ariel Schalit/Keystone

In Israel und den Palästinensergebieten war die Pandemie zunächst glimpflich verlaufen. Nach Lockerungen stiegen die Zahlen der Infizierten jedoch seit gut einem Monat stark an. Experten führen den Zuwachs in Israel unter anderem auf zu rasches Lockern, aber auch auf die gestiegene Zahl von Tests zurück.

Die israelische Regierung hatte am Donnerstagabend neue Versammlungsbeschränkungen verhängt. In Gebetshäusern, Festhallen, Bars und Clubs dürfen nur noch bis zu 50 Menschen zusammenkommen. Vorher waren es bis zu 250 gewesen. An anderen geschlossenen Orten dürfen sich nur noch bis zu 20 Menschen versammeln. Im Westjordanland soll von Freitag an ein fünftägiger Lockdown gelten.

Gouverneur von Texas ordnet Maskenpflicht an

Der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas führt eine Maskenpflicht ein. Diese gelte für alle Bezirke mit über 20 Fällen, kündigte Greg Abbott am Donnerstag an. Das betrifft etwa zwei Drittel der 254 Countys in Texas. In den letzten Wochen habe es einen rasanten und beträchtlichen Anstieg von Coronavirus-Fällen gegeben. «Wir müssen uns wieder darauf konzentrieren, die Ausbreitung zu stoppen. Aber dieses Mal wollen wir Texas nicht wieder schliessen.» Sollte ein Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden können, müsse in allen öffentlichen Gebäuden und draussen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Bei Zuwiderhandlung solle einmal verwarnt werden, anschliessend könnten Strafen von bis zu 250 Dollar fällig werden, sagte Abbott.

Greg Abbott, Gouverneur des US-Bundesstaates Texas.
Greg Abbott, Gouverneur des US-Bundesstaates Texas.
Keystone

In den USA ist das Coronavirus weiter auf dem Vormarsch, die Pandemie breitet sich von Nordosten nach Süden und Westen aus. Neben Florida, Arizona und Kalifornien gehört auch Texas zu den besonders betroffenen Bundesstaaten. Allein am Donnerstag meldete Texas 8000 Neuinfektionen. Der Anstieg betreffe nicht nur grosse Städte, sagte Abbott. Er ermächtigte die lokalen Behörden, nach Bedarf Versammlung von mehr als zehn Personen zu verbieten. Er rief die Menschen auch auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben.

Mit der Maskenpflicht vollzieht der Republikaner Abbott eine Kehrtwende. Führende demokratische Politiker aus den Ballungsräumen von Texas fordern seit Monaten eine Maskenpflicht, die Abbott wie viele Republikaner bislang nicht für nötig hielt. Nun sei sie aber unbedingt erforderlich, sagte er in einer Videobotschaft.

Portugal erhöht Anteil an Fluggesellschaft TAP

Der portugiesische Staat springt als Retter bei der nationalen Fluglinie TAP Air Portugal ein. Er übernehme die Kontrolle über die wegen der Corona-Pandemie schwer angeschlagene Fluggesellschaft, sagte Finanzminister Joao Leao am späten Donnerstagabend in Lissabon.

Mit den privaten Aktionären sei ein Abkommen zur Erhöhung des Staatsanteils am Aktienkapital der traditionsreichen Airline auf 72,5 Prozent vereinbart worden. «Dies ist eine wichtige Vereinbarung und eine gute Lösung für TAP», zitierte die Zeitung «Publico» den Minister für Infrastruktur, Pedro Nuno Santos. Die Airline gehörte zuvor zu 50 Prozent dem Staat und zu 45 Prozent dem privaten Investor Atlantic Gateway.

Medienberichten zufolge reduziert sich nun der Anteil des Konzerns Atlantic Gateway auf 22,5 Prozent. Dafür zahlt der Staat 55 Mio. Euro, sagte Leao. Fünf Prozent des Aktienkapitals werden weiterhin von Mitarbeitern gehalten.

Keystone

Die sozialistische Regierung hatte zuvor mit einer Zwangsverstaatlichung der Fluggesellschaft gedroht, falls keine Einigung mit den privaten Investoren zustande kommen sollte. Auch eine Insolvenz war zeitweilig in Erwägung gezogen worden.

Infrastrukturminister Santos hatte kürzlich bekräftigt: «TAP ist für Portugal zu wichtig, als dass das Land sich den Luxus leisten könnte, das Unternehmen zu verlieren." Immerhin kämen 60 Prozent der Touristen mit der nationalen Airline ins Land.

Grossbritannien lockert Quarantäne-Regeln

Die britische Regierung hebt Quarantäne-Vorschriften ab dem 10. Juli auf. Dies gelte unter anderem für Reisende aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, teilt das Verkehrsministerium mit. Eine vollständige Liste der Länder, für die die Lockerungen gelten sollen, soll am Freitag veröffentlicht werden. Bislang müssen nach England Einreisende für 14 Tage in Quarantäne – eine Regelung, die insbesondere von der Luftfahrt- und Tourismusbranche scharf kritisiert wurde.

Wie sollen die USA den 4. Juli feiern?

Mit einer Rekordzahl von mehr als 50 000 Neuinfektionen an einem Tag spitzt sich die Corona-Pandemie in den USA dramatisch zu. Während US-Präsident Donald Trump die Gefahr herunterspielt, nahmen am Mittwoch mehrere Bundesstaaten kurz vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli Lockerungen des Alltagslebens zurück. Demokraten werfen der Regierung Unfähigkeit vor.

US-Präsident Trump redete die Gefahr am Donnerstag bei einem Pressekonferenz klein und feierte zugleich die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Es gebe noch vereinzelte Corona-Brandherde, diese würden aber schnell bekämpft. «Wir löschen die Flammen oder Feuer», sagte er. «Wir verstehen diese schreckliche Krankheit jetzt.» Die Öffnung des Landes gehe «viel schneller" als erwartet.

Trumps designierter Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, widersprach Trump deutlich: «Das ist einfach keine ehrliche Bewertung von dem, was geschieht», sagte Biden. Für ihn und viele Amerikaner sei die Entwicklung besorgniserregend, doch der Präsident weigere sich, das Thema anzusprechen. An einigen Orten im Land würden die Notfallbetten in den Krankenhäusern bereits knapp.

Trump forderte am Donnerstag unterdessen, dass auch die Kirchen in den Vereinigten Staaten wieder geöffnet werden sollten. Am Mittwoch hatte er dem Fernsehsender Fox Business noch gesagt, das Virus werde «irgendwann gewissermassen einfach verschwinden».

Mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli zeigten sich mehrere US-Gesundheitsexperten angesichts des erwarteten höheren Reiseaufkommens und der Lockerungen besorgt. Es könne sich «ein perfekter Sturm» zusammenbrauen, zitierte der Sender CNN einen Arzt für Infektionskrankheiten. Problematisch sei zudem, dass sich die Menschen nicht immer an die Hygienevorschriften hielten. In Kalifornien und Michigan wurden Lockerungen bereits wieder zurückgenommen. Die Innenbereiche von Bars und Restaurants wurden in mehreren Städten wieder geschlossen. Im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde eine Maskenpflicht angeordnet.

Der Nationalfeiertag in der Pandemie: Ein Arbeiter schützt sich auf dem Flughafen in Atlanta.
Der Nationalfeiertag in der Pandemie: Ein Arbeiter schützt sich auf dem Flughafen in Atlanta.
(Keystone/Erik S. Lesser/2. Juli 2020)

Gegenwind kommt von den Demokraten, die dem Republikaner Trump vorwerfen, vor dem Virus kapituliert zu haben. Mehrere demokratische Senatoren kündigten am Mittwoch an, das Verhalten der Regierung in einer parteiübergreifenden Kommission untersuchen lassen zu wollen. «Von Anfang an wurde die Reaktion der Verwaltung auf die Covid-19-Pandemie durch Versorgungsengpässe, mangelnde Koordination und die Unfähigkeit, das Virus einzudämmen, erschwert», sagte die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein in einer Mitteilung. Es gehe jetzt darum, Lehren für kommende Pandemien zu ziehen.

Neue Einschränkungen in Israel

Angesichts eines Rekordwerts von Corona-Neuinfektionen verhängt Israel neue Einschränkungen. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Donnerstag, Versammlungen sollten wieder beschränkt werden. In Festhallen, Bars und Clubs dürfen nur noch bis zu 50 Menschen zusammenkommen. Vorher waren es bis zu 250 gewesen. An anderen geschlossenen Orten, darunter auch Gebetshäuser, dürfen sich nur noch bis zu 20 Menschen versammeln.

«Wir müssen zu der Politik der Beschränkungen zurückkehren, damit die Kurve wieder flacher wird», sagte Netanjahu. Sonst drohe ein Kontrollverlust. Gleichzeitig kündigte er ein wirtschaftliches Hilfsprogramm für das kommende halbe Jahr an.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Israel hat einen neuen Höchstwert erreicht. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 966 neue Fälle registriert. Das ist der höchste Ein-Tages-Wert, der in Israel seit dem Ausbruch der Pandemie registriert wurde. Der bisherige Höchstwert stammt mit 819 vom 3. April.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist der Erreger Sars-CoV-2 bisher bei 26'452 Menschen in Israel nachgewiesen worden, 324 Infizierte sind gestorben.

Neue Einschränkungen: Auch in Israel steigt die Zahl der Neuinfizierten an.
Neue Einschränkungen: Auch in Israel steigt die Zahl der Neuinfizierten an.
(AP/Keystone/Ariel Schalit/2. Juli 2020)
WHO: Tests an Menschen mit 17 Impfstoff-Kandidaten gegen Virus

Im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus werden inzwischen 17 Impfstoffkandidaten an Menschen getestet. Am weitesten fortgeschritten ist ein Impfstoff, den die Universität Oxford entwickelt hat, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag nach einer zweitägigen Corona-Forschungskonferenz berichtete. Selbst, wenn diese Kandidaten nicht erfolgreich sind, ist die WHO optimistisch: «Wir haben eine breite Pipeline mit vier verschiedenen Impfstofftypen», sagte Ana Maria Henao Restrepo, bei der WHO für Forschung und Entwicklung zuständig. Es werde an mehr als 150 Wirkstoffen geforscht.

Der Impfstoff AZD1222 aus Oxford gehe als erster in die Phase III einer klinischen Studie. Damit sind grosse Tests an vielen Menschen zu Wirksamkeit und Sicherheit gemeint. Fünf weitere Kandidaten seien in Phase II. Dabei wird eine kleinere Zahl von Patienten behandelt, bei denen aufgrund ihrer Gesundheit eine Wirkung angenommen wird. In Phase I werden Wirkstoffe in der Regel an gesunden Menschen getestet, um die Verträglichkeit zu prüfen.

Ob ein Impfstoff bereits Ende des Jahres vorliegt, könne nicht vorhergesagt werden. Diese Hoffnung hatte die Chefwissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, im Juni geäussert. Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffs 10 bis 15 Jahre. Die weltweite Verbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 hat aber unzählige Forscher, Pharmafirmen und Regulierungsbehörden zu beispiellosen Anstrengungen gebracht, um die Entwicklung zu beschleunigen.

Wien spricht höchste Reisewarnung für alle sechs Balkanstaaten aus

Ab sofort gelte wieder die höchste Stufe der Reisewarnung, sagte Aussenminister Alexander Schallenberg am Mittwoch in Wien.

Urlaubsreisen nach Serbien, in den Kosovo, nach Albanien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Montenegro seien unbedingt zu unterlassen, sagte Integrationsministerin Susanne Raab mit Blick auf die 530'000 Menschen in Österreich, die familiäre Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien haben.

In Österreich gebe es bereits Corona-Fälle, die auf Reisende vom Westbalkan zurückzuführen seien, sagte Schallenberg. Innenminister Karl Nehammer kündigte intensive Kontrollen im Grenzraum an. Die Einreise sei nur mit negativem Coronatest oder mit einer 14-tägigen Quarantäne möglich.

Trump: «Sehe gut aus mit Schutzmaske»

US-Präsident Donald Trump hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht. Er wird immer wieder damit konfrontiert, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht mit Maske zeigt – also nicht mit gutem Beispiel vorangeht. Mittlerweile ist neben anderen republikanischen Politikern auch Vizepräsident Mike Pence öfter mit Maske zu sehen. Trumps Stellvertreter empfiehlt den US-Bürgern jetzt auch aktiv das Tragen einer Bedeckung für Mund und Nase.

Trump selbst betonte in einem Fox-Interview, in den USA gebe es genug Orte, an denen ausreichend Abstand eingehalten werden könne. Er habe persönlich aber keine Probleme damit, eine Maske zu tragen. «Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe», sagte er. «Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus.» Er habe ausgesehen wie «Lone Ranger», eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist – und eine Augenmaske trägt.

Berliner Philharmoniker sagen USA-Tournee wegen Corona ab

Die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Kirill Petrenko sagen eine weitere Tour wegen der Corona-Krise ab.

Wegen der andauernden Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr und Schliessung einiger Konzertsäle sei das Orchester gezwungen, die für November geplante USA-Tournee abzusagen, hiess es am Donnerstag in einer Mitteilung. Geplant waren zehn Konzerte in sechs verschiedenen Städten, darunter in der New Yorker Carnegie Hall.

Es wäre die erste USA-Reise der Berliner Philharmoniker mit ihrem neuen Chefdirigenten Petrenko gewesen. «Wir sind bereits im Dialog mit den Veranstaltern, um die geplanten Konzerte in Naples, Miami, Boston, Ann Arbor, Chicago und New York in den kommenden Jahren nachholen zu können», sagte Andrea Zietzschmann, Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker.

Zuvor hatten die Philharmoniker bereits ein Konzert in Tel Aviv und die anschliessend geplante Europatournee absagen müssen.

USA erstmals mit mehr als 50'000 Neuinfektionen – Gegenwind für Trump

In den USA schnellen die Corona-Zahlen mit einem Rekordwert von mehr als 50 000 Neuinfektionen an einem Tag in die Höhe.

Während US-Präsident Donald Trump weiter an das Verschwinden des Virus glaubt, nahmen am Mittwoch mehrere Bundesstaaten kurz vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli Lockerungen des Alltagslebens zurück. Demokraten werfen der Regierung Unfähigkeit vor. Auch aus Trumps engerem Kreis kommen kritische Signale.

Die Johns-Hopkins-Universität meldete für Mittwoch rund 50'700 neuen Corona-Fälle an einem Tag. Schon in der vergangenen Woche hatte das Infektionsgeschehen stark angezogen, meist wurden mehr als 40 000 Fälle täglich verzeichnet. Das sind mehr als beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie im April und Mai. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Insgesamt verzeichneten die USA, die mehr als 320 Millionen Einwohner haben, seit Beginn der Pandemie bisher mehr als 2,6 Millionen Infektionen und mindestens 128'000 Tote.

Mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli zeigten sich mehrere US-Gesundheitsexperten angesichts des erwarteten höheren Reiseaufkommens und der Lockerungen besorgt. Es könne sich «ein perfekter Sturm» zusammenbrauen, zitierte der Sender CNN einen Arzt für Infektionskrankheiten. Problematisch sei zudem, dass sich die Menschen nicht immer an die Hygienevorschriften hielten.

Die Wirtschaft werde sich bald wieder erholen und «das Virus wird irgendwann gewissermassen einfach verschwinden», sagte glaubt US-Präsident Trump noch immer.
Die Wirtschaft werde sich bald wieder erholen und «das Virus wird irgendwann gewissermassen einfach verschwinden», sagte glaubt US-Präsident Trump noch immer.
Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Zahl der Corona-Fälle in Südafrika steigt rasant an

In Südafrika steigt die Zahl der Corona-Infektionen rasant an. Innerhalb eines Tages meldeten die Behörden nach den letzten verfügbaren Zahlen 8124 neue Fälle sowie 92 Todesfälle.

Nach der Westkap-Provinz mit Kapstadt als Zentrum entwickelt sich nun das Wirtschaftszentrum rund um Johannesburg zur Schwerpunktregion. Die Provinz Gauteng stellt jetzt mit 45'944 Fällen knapp 29 Prozent aller landesweiten Fälle, die Westkap-Provinz kommt mit 64'377 Fällen auf 40,4 Prozent. Insgesamt hat Südafrika nach den letzten verfügbaren Zahlen 159'333 Covid-19-Fälle verzeichnet.

Das Coronavirus hatte sich im Vergleich zu anderen Weltregionen in Afrika bisher relativ langsam verbreitet, und die meisten Regierungen haben rasch strenge Massnahmen verhängt. Die meisten Todesfälle in Afrika gibt es laut einer Übersicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den Ländern Algerien, Ägypten, Nigeria, Südafrika und Sudan. Südafrika gilt bei der Zahl der Fälle als am stärksten betroffen.

Teilnehmer einer Demonstration protestieren gegen eine Covid-19-Studie vor der Witwatersrand-Universität. In der Studie wird nach einem möglichen Impfstoff geforscht.
Teilnehmer einer Demonstration protestieren gegen eine Covid-19-Studie vor der Witwatersrand-Universität. In der Studie wird nach einem möglichen Impfstoff geforscht.
Foto: Themba Hadebe/AP/dpa

(red/sda/reuters)