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Podcast «BZ us dr Box»Das Inferno von Mitholz

Die Explosion des Munitionsdepots Mitholz gehört zu den schwersten Katastrophen in der Schweizer Armeegeschichte. In ein paar Jahren wird Mitholz ihretwegen zu einem Geisterdorf. Wie ist es so weit gekommen?

Helfer durchsuchen ein komplett zerstörtes Gebäude in Mitholz (aufgenommen im Dezember 1947).
Helfer durchsuchen ein komplett zerstörtes Gebäude in Mitholz (aufgenommen im Dezember 1947).
(Keystone/Photopress-Archiv)

Kurz nach 23 Uhr züngeln die ersten Flammen aus dem Berg. Im Stollen rattern die Patronen und Granaten, die Erde zittert. Donnergrollen. Und auf Mitholz geht ein Hagel aus Geröll und Geschossen nieder.

Neun Menschen lassen in der Nacht des 19. Dezember 1947 ihr Leben. Dutzende werden verletzt. Mitholz fast komplett zerstört.

Das kleine Dorf im Kandertal wurde in jener Nacht zum Schauplatz einer der grössten Katastrophen der Schweizer Militärgeschichte. In der Felsflanke, die über Mitholz thront befand sich damals eines der grössten Munitionsdepots des Schweizer Militärs – rund 7000 Tonnen Granaten, Munition und Fliegerbomben lagerten hier. Man schätzt, dass rund die Hälfte davon in jener Nacht detonierte.

In der jüngsten Ausgabe von «BZ us dr Box» schauen wir auf die verhängnisvolle Nacht zurück – und wir blicken auf das Mitholz von heute. Gemeinsam mit den Redaktoren Nik Sarbach und Stefan von Bergen, die beide über das Dorf geschrieben haben und weiter recherchieren. (Hier geht es zum Text über die Herkunft der gewaltigen Munitionsmenge)

Mitholz, der Berg und die Munition, sie sind bis heute aktuell geblieben. Begraben unter Geröll, im eingestürzten Zugangsstollen vermuten Experten riesige Mengen des Kriegsmaterials. Die nicht detonierten Restanzen jener Nacht rosten vor sich hin, in einer Felswand, im Steinschlaggebiet.

Im Februar 2020 gar die Hiobsbotschaft: Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen ihr Dorf verlassen, wenn nebenan die komplizierten Aufräumarbeiten im Berg beginnen. Zurückkehren werden sie vermutlich erst Jahre später.