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Fiktiver Dialog«Das war unglücklich»

Manöverkritik in der BAG-Kommunikationsabteilung, nachdem das Amt komplett falsche Zahlen zu den Corona-Ansteckungsorten kolportiert hat.

In Clubs passieren längst nicht so viele Ansteckungen, wie ursprünglich vom BAG kommuniziert.
In Clubs passieren längst nicht so viele Ansteckungen, wie ursprünglich vom BAG kommuniziert.
Foto: Keystone
Das BAG hat falsche Zahlen zu Ansteckungen in Clubs veröffentlicht.
Das BAG hat falsche Zahlen zu Ansteckungen in Clubs veröffentlicht.
iStock
Obwohl sich an Partys viele Menschen auf engem Raum aufhalten, haben sich nur wenige in einem Club angesteckt.
Obwohl sich an Partys viele Menschen auf engem Raum aufhalten, haben sich nur wenige in einem Club angesteckt.
KEYSTONE
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Mitarbeiter: Was für eine Katastrophe.

Chef: Wovon redest du?

Mitarbeiter: Von den Ansteckungs-Daten, die wir einem falschen Ansteckungsort zugeordnet haben.

Chef: Das war unglücklich.

Mitarbeiter: Wir haben 41,6 Prozent der bekannten Ansteckungen auf Clubbesuche vermeldet. Dabei waren es nur 1,9 Prozent!

Chef: Nun, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.

Mitarbeiter: Das hat der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz auch gesagt. Aber die Presse zerreisst uns gerade!

Chef: Wir haben uns doch entschuldigt!

Mitarbeiter: Vielleicht sind gewisse Fehler unentschuldbar?

Chef: Na ja, wir hätten die Sache auch vertuschen können. Oder auf «alternative Daten» verweisen können, höhö.

Mitarbeiter: Chef, die Sache ist ernst.

Chef: Ich weiss. Ich bin aber für eine konstruktive Fehlerkultur. Eine einmalige Fehlhandlung sollte als Chance für Verbesserung gesehen werden.

Mitarbeiter: Wir vermeldeten ein 9-jähriges Mädchen als Corona-Opfer weil wir das Geburtsdatum versehentlich auf 2011 statt 1911 setzten.

Chef: Das war

Mitarbeiter: …unglücklich, ja. Im Mai nannten wir eine falsche Anzahl von Neuansteckungen.

Chef: Weil die Ansteckungsmeldungen per Fax reinkamen! Wichtig ist: Respekt für jene, die Fehler zugeben oder entdecken. Nie Schuldzuweisungen innerhalb des Teams machen.

Mitarbeiter: In Deutschland hat man seit Jahren ein digitales Meldewesen.

Chef: Deutschland, Deutschland. Papperlapapp.

Mitarbeiter: Und in der Maskenfrage...

Chef: Das war der Koch, der da…

(Handy des Chefs klingelt)

Chef: Wenn man vom Teufel spricht... Dani, was gibts?

Koch: Habt ihr schon gesehen? Eure Zahlen sind falsch!

(Chef drückt Anruf weg)

Mitarbeiter: Ich glaube, wir dürfen uns ab jetzt keinen Fehler mehr leisten.

Chef: Theoretisch mag das stimmen. Aber es gibt auch innovative Fehler. Dem Modell «Trial and Error», kombiniert mit einer Prise Zufall, verdanken wir die Erfindung der bunten Post-its…

(Handy klingelt erneut)

Koch: Nächste Woche kommt übrigens mein Buch heraus. Es heisst «Stärke in der Krise».

Chef: Wir sind in einer Krisensitzung. Wir haben jetzt keine Zeit.

Koch: Wenn ihr wollt, kann ich es euch signie...

(Chef drückt Anruf weg)

Chef: Wo waren wir?

Mitarbeiter: Bei farbigen Post-its. Aber was ich wichtiger finde: Kommt jetzt die Maskenpflicht für die Läden?

Chef: (macht Gänsefüsschen in die Luft) Masken nützen «offiziell» nichts.

Mitarbeiter: Aber Chef, jetzt haben wir doch genug Masken.

Chef: Ah ja stimmt. Haben wir das schon kommuniziert?

Mitarbeiter: Nein.

Chef: Plant das doch auf nächste Woche ein.