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Der deutsche Egostreit

Bundestrainer Jogi Löw hat trotz des Sieges über die USA und die Qualifikation für die Achtelfinals ein echtes Problem, das in Deutschland eine hitzig geführte Debatte entfacht hat.

Deutschlands Bundestrainer Jogi Löw (l.) hat mit seinem Captain Philipp Lahm ein echtes Problem.
Deutschlands Bundestrainer Jogi Löw (l.) hat mit seinem Captain Philipp Lahm ein echtes Problem.
Keystone
Philipp Lahm entfacht in Deutschland eine hitzige Debatte, weil er nur noch im defensiven Mittelfeld und nicht mehr als Aussenverteidiger spielen will.
Philipp Lahm entfacht in Deutschland eine hitzige Debatte, weil er nur noch im defensiven Mittelfeld und nicht mehr als Aussenverteidiger spielen will.
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Bayern-Trainer Josep Guardiola (r.) funktionierte Philipp Lahm vom Aussenverteidiger zum defensiven Mittelfeldspieler um. Mit Erfolg: Die Bayern holten auch den Pokal.
Bayern-Trainer Josep Guardiola (r.) funktionierte Philipp Lahm vom Aussenverteidiger zum defensiven Mittelfeldspieler um. Mit Erfolg: Die Bayern holten auch den Pokal.
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Das Problem heisst Philipp Lahm: Der 30-jährige Bayern-Star wurde in München vom neuen Trainer Josep Guardiola vom Aussenverteidiger zum defensiven Mittelfeldspieler umfunktioniert. Die Experten waren skeptisch. Doch das Experiment funktionierte tatsächlich über weite Strecken überraschend gut – die Bayern holten das Double.

Und prompt meldete Lahm vor der Weltmeisterschaft auch in der Nationalmannschaft seine Ansprüche im defensiven Mittelfeld an und erklärte sogar, er wolle nie mehr, so wie in den Jahren zuvor, in der Nationalelf als Aussenverteidiger eingesetzt werden. Er wolle nicht mehr hin- und hergeschoben werden – vom Mittelfeld zur Abwehr und wieder zurück.

Die Meinung von 100 Ex-Nationalspielern

Doch mit seiner Meinung steht Lahm zurzeit in Deutschland ziemlich allein da. Denn seine Leistungen im defensiven Mittelfeld waren in den drei Gruppenspielen gegen Portugal, Ghana und gestern gegen die USA mittelmässig bis schlecht. Und weil sich auch in der deutschen Abwehrkette mit den vier gelernten Innenverteidigern Boateng, Mertesacker, Hummels und Hoewedes vor allem Probleme über die Seiten ergaben, ist Löw im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Turniers, an dem man Weltmeister werden will, schon fast gezwungen, etwas zu ändern und Lahm wieder auf seiner angestammten Position des rechten Aussenverteidigers spielen zu lassen oder auch links, wo Lahm ebenfalls ohne Probleme spielen könnte, wenn er nur wollte und sich nicht verweigern würde.

Die Experten sind sogar davon überzeugt, dass Lahm sogar der beste Aussenverteidiger der Welt ist. In Deutschland ist jedenfalls eine heiss geführte Debatte um Lahm entbrannt. Es wird ihm sogar Egoismus vorgeworfen, weil er mit seinen Ansprüchen im defensiven Mittelfeld anderen Spielern vor der Sonne steht. Sein Münchner Teamkollege Bastian Schweinsteiger sass gegen Portugal und Ghana vorerst auf der Bank, Sami Khedira zuletzt gegen die USA.

Ballack kritisiert Löw und Lahm

Michael Ballack, der ehemalige Spielmacher und Vorgänger Lahms als Captain in der deutschen Nationalelf, kritisiert seinen ehemaligen Teamkollegen. In seiner Kolumne im «Kölner Express» schreibt Ballack, dass Lahm der Nationalelf als Aussenverteidiger mehr helfen könne als im defensiven Mittelfeld.

Er wirft ihm unterschwellig auch Egoismus vor. «Ich kann mir vorstellen, dass Philipp eine Rückkehr in die Viererkette nicht schmecken könnte. Er ist jetzt dreissig Jahre alt, er weiss natürlich, dass es in den nächsten Jahren immer schwieriger wird, auf der laufintensiven Aussenverteidigerposition zu bestehen.» Mit einem Wechsel ins defensive Mittelfeld könnte er mit seiner Spielintelligenz locker noch drei, vier Jahre auf höchstem Niveau spielen. Mit dieser Massnahme, Lahm im Mittelfeld zu bringen, würden sich die Deutschen selbst schwächen. «Bei Lahm kann ich Jogi Löw nicht verstehen», resümiert Ballack.

So wird Deutschland nicht Weltmeister

Auch wenn Lahm, zumindest statistisch gesehen, Ballack Lügen strafte und gegen die USA mit 95 Prozent angekommenen Pässen, 118 Ballkontakten und einer Laufstrecke von 11,2 Kilometern gute Werte erzielte, war seine Leistung unter dem Strich erneut ungenügend. Das war eindeutig viel zu wenig für ein Team, das den Anspruch und das erklärte Ziel hat, Weltmeister zu werden. Lahm fehlte die Courage, den letzten tödlichen Pass in die Tiefe zu spielen. Er spielte oft nur auf Sicherheit, deshalb vorwiegend quer, und nahm somit das Tempo aus dem Spiel – ein Tempo, das auf dem Niveau einer Weltmeisterschaft zwingend nötig ist.

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