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Kopf des TagesDer grösste Corona-Leugner von allen

Tansanias Präsident John Magufuli verbreitet die absurdesten Theorien über die Seuche. Er selbst hält aber auf Social Distancing und geht nicht einmal ans Telefon.

Zitrone, Ingwer und beten: Tansanias Präsident John Magufuli empfiehlt unorthodoxe Mittel gegen Covid-19. Jetzt ist er von der Bildfläche verschwunden.
Zitrone, Ingwer und beten: Tansanias Präsident John Magufuli empfiehlt unorthodoxe Mittel gegen Covid-19. Jetzt ist er von der Bildfläche verschwunden.
Foto: Thomas Mukoya (Reuters)

John Magufuli sagt, er habe Proben einer Papaya, einer Ziege und eines Schafs zum Testen schicken lassen, und in allen seien Erreger von Covid-19 gefunden worden. «Wir sehen, dass sie nur positive, positive, positive Resultate veröffentlichen», beklagte Tansanias Präsident das Wirken des Nationalen Gesundheitslabors.

Daten werden nicht mehr gemeldet

Einen Tag später feuerte er dessen Chef. Seitdem veröffentlichen die Gesundheitsbehörden keine positiven Testergebnisse, es werden überhaupt keine Daten mehr gemeldet, seit Anfang Mai.

Gäbe es einen internationalen Wettbewerb zwischen den Staats- und Regierungschefs, wer der grösste Corona-Leugner ist, dann wäre es wohl ein enger Dreikampf zwischen Donald Trump, Brasiliens Jair Bolsonaro und eben Magufuli.

Lockdown? Überflüssig

Als es in Tansania die ersten Fälle gab, empfahl der 60-Jährige seinen Bürgern, viel und eifrig zu beten, da das Virus «nicht im Körper von Jesus überleben kann; es wird verbrennen». Sein Sohn habe sich mit einer Mischung aus Zitrone und Ingwer von der Infektion geheilt.

Einen Lockdown hält Magufuli für überflüssig, in der grössten Stadt Daressalam dürfen Restaurants weiter öffnen, Bars Bier verkaufen, die Menschen in die Kirche gehen. Alles kein Problem, sagt der Präsident. Er selbst hat sich zur Sicherheit aber in sein Heimatdorf zurückgezogen.

Knapp über 500 Fälle hatte Tansania zuletzt offiziell gemeldet, seit fast zwei Wochen nun gibt es keine neuen Zahlen. Die US-Botschaft hat ihre Bürger davor gewarnt, das Haus zu verlassen, da es in der Hafenmetropole Daressalam eine «extrem hohe Ansteckungsgefahr» gebe, Krankenhäuser seien «überfordert». Die Nachbarländer Sambia und Kenia haben ihre Grenzen geschlossen, weil unter den Lastwagenfahrern aus Tansania extrem viele positiv getestet worden seien. In den sozialen Medien kursieren Bilder von nächtlichen Beerdigungen.

Schlangenöl und heisser Dampf

Man solle sich mit Schlangenöl einreiben oder heissen Dampf einatmen, schlägt der Präsident vor, dann sei die Heilung nahe. Er scheint in eine ganz eigene Welt abgedriftet zu sein. Selbst enge Freunde wie der kenianische Oppositionschef Raila Odinga berichten, sie könnten Magufuli nicht mehr telefonisch erreichen, im Nachbarland Südafrika wundert sich Präsident Cyril Ramaphosa vielleicht, dass sein guter Bekannter nicht mehr an den regionalen Koordinierungskonferenzen teilnimmt.

Dabei hatte Magufuli einst als Hoffnungsträger begonnen. «Der Bulldozer» wurde er genannt, weil er als Minister für öffentliche Arbeiten viele Strassen hatte bauen lassen und dann nach seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2015 eine Kampagne gegen Korruption und Missmanagement startete.

Die Zahl der Minister im Kabinett sank, ebenso das Einkommen des Staatschefs. Er legte sich mit den ausländischen Minenkonzernen an, seine Frau liess sich in einem öffentlichen Krankenhaus behandeln, nicht in einem teuren Privatspital im Ausland.

Sein wahres Gesicht

Viele jubelten, Magufuli war auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit. Und zeigte bald sein wahres Gesicht: Kritiker verschwanden und tauchten tot wieder auf. Wer den Präsidenten nicht ausreichend lobte, verlor seinen Job. Im Herbst stehen eigentlich Wahlen an in Tansania, der Präsident war trotz seiner zunehmend autokratischen Züge immer noch beliebt. Viele im Land fühlen sich in Zeiten von Corona nun aber von ihrem Präsidenten im Stich gelassen.