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Der letzte Wettkampf in ihrer Skeletonkarriere

Titelverteidigerin Maya Pedersen bestreitet heute und morgen in Whistler den letzten Wettkampf in ihrer Skeletonkarriere. Die Vorbereitung auf das wichtigste Rennen des Winters ist nicht reibungslos verlaufen.

Zuversicht trotz ungünstiger Vorzeichen: Der olympische Eiskanal komme ihren Qualitäten engegen, sagt Maya Pedersen.
Zuversicht trotz ungünstiger Vorzeichen: Der olympische Eiskanal komme ihren Qualitäten engegen, sagt Maya Pedersen.
Keystone

Den Einstieg in ihre letzten Olympischen Spiele dürfte Maya Pedersen nie mehr vergessen. Das erste, was die Skeleton-Goldmedaillengewinnerin von Turin sah, als sie das Büro von Swiss Olympic in Vancouver betrat, war der tödliche Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili – der Fernseher steht gleich beim Empfang. Es sei nicht einfach, das Geschehene gedanklich hinter sich zu lassen, sagt die im norwegischen Lillehammer lebende Berner Oberländerin, welche im Eiskanal von Whistler vor Jahresfrist selbst zu Fall gekommen war. «Im ersten Trainingslauf bin ich zweimal fast gestürzt, im zweiten ist es schon wesentlich besser gelaufen. Jetzt weiss ich, dass es kein Problem ist, heil ins Ziel zu gelangen.

Langsame Kufen...

Der Abstand zwischen den Kufen sei beim Skeleton grösser als beim Schlitten, der Schwerpunkt tiefer, sagt Snorre Pedersen, Ehemann von Maya und Trainer des Schweizer Nationalteams. «Bei uns muss wesentlich mehr passieren, damit ein Athlet aus der Bahn fliegt.» Der Norweger ist mit den Verhältnissen im «Whistler Sliding Centre» nicht sonderlich glücklich. «Wir hatten den Verantwortlichen bereits im letzten Jahr erklärt, dass gewisse Passagen entschärft werden müssen. Nun scheint es, als würden wir so langsam ernst genommen.» Aus der Sicht von Reto Gilly, dem Trainer der helvetischen Rodler, dienen die ergriffenen Massnahmen eher der Aussenwirkung als der Sicherheit. «Was bringt es, die Unglückskurve förmlich zuzumauern, die anderen gefährlichen Stellen jedoch unverändert zu lassen?», fragt der Bündner.

Die Verarbeitung des Todesfalls ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Maya Pedersen dieser Tage konfrontiert sieht. Die Temperaturen sind wesentlich höher als erwartet, die Kufen dadurch langsamer als erhofft. Ausgegangen war man vom Durchschnittswert der vergangenen Jahre – minus 3,6 Grad. Jüngst seien am Eiskanal 11 Grad gemessen worden, hält Snorre lakonisch fest. In den Trainings habe man einiges ausprobiert, die Deutschen seien bezüglich Material jedoch einen Schritt voraus, ergänzt Maya. Die 37-Jährige laboriert an einer Sehnenansatzentzündung im linken Knie, behandelt wird diese mit Kortison. Ohne medizinische Hilfe sähe sie sich derzeit ausser Stande, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils zwei Läufe zu bestreiten.

...und kurze Nächte

Der Wettkampf beginnt am Donnerstagnachmittag, die Entscheidung fällt am Freitagabend – Ortszeit, versteht sich. Es gibt keine europäischen TV-Stationen, die auf eine Durchführung zur Primetime drängen; der Skeletonsport wird in der Öffentlichkeit lediglich im Vierjahresrhythmus wahrgenommen. Alles andere als durchdacht wirkt das Trainingskonzept der Eiskanalsparten. Angesetzt werden die Einheiten jeweils am Abend und am darauffolgenden Morgen. In Pedersens Fall ist das mit einer kurzen Nacht verbunden. Nach Videoanalyse und Simulation der bevorstehenden Fahrt reiche es maximal für sechs Stunden Schlaf, sagt die in Hondrich oberhalb Spiez aufgewachsene Mutter zweier Töchter. Während der Spiele in Turin hätten Bobfahrer, Rodler und Skeletonpiloten die zuständigen Funktionäre auf den Missstand aufmerksam gemacht. «Geändert hat sich nichts», konstatiert die ausgebildete Sportlehrerin.

Rund 13 Namen umfasse der Kreis der Edelmetallanwärterinnen, sagt Pedersen, die in der vor Olympia zu Ende gegangenen Weltcup-Saison mitunter wegen schlechter Startnummern nie über Platz 5 hinausgekommen ist. Rangziele gibt es keine, im letzten Wettkampf ihrer Karriere will sie «vier gute Läufe zeigen, damit ich Kanada mit einem positiven Gefühl verlassen kann». Favorisiert seien andere, sagt die Bernerin, im nächsten Atemzug ergänzend, der hohe Schwierigkeitsgrad der Bahn komme ihren Qualitäten entgegen.

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