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Servette und YB trennen sich 0:0Der Meister sucht seine Kaltblütigkeit

Die Young Boys spielen Servette eine Halbzeit lang an die Wand. Doch die Berner vergeben hochkarätige Chancen en masse – und müssen sich nun über ein Remis ärgern.

Dem Torjäger läuft es noch nicht wie gewünscht: Jean-Pierre Nsame hat in dieser Saison erst ein Tor erzielt.
Dem Torjäger läuft es noch nicht wie gewünscht: Jean-Pierre Nsame hat in dieser Saison erst ein Tor erzielt.
Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Der Mann beim Eingang beweist Humorzumindest Galgenhumor. «Geniessen Sie die Stimmung mit Fans im Stadion», meint er augenzwinkernd. «Bald wird das wieder vorbei sein.» Zur Erinnerung: Am Samstagabend dürfen erstmals seit dem 16. Februar wieder mehr als 1000 Personen ins Stade de Genève. 19300 wären erlaubt, es erscheinen aber nur 5240. Die Zurückhaltung dürfte zu einem grossen Teil an den rasant steigenden Coronainfektionen liegen, welche vielleicht bald dafür sorgen, dass die Stadien fürs Publikum wieder geschlossen werden.

Womöglich aber auch am Saisonstart des Heimteams. Servette befindet sich auf Formsuche. Doch die Young Boys meinen es gut mit den Servettiens. Am Ende eines durchaus unterhaltsamen Fussballabends steht es 0:0. Ein Resultat, mit dem die Genfer bestens leben können, wie Trainer Alain Geiger sagt: «Mit diesem Ergebnis sind wir wirklich glücklich.» Anders präsentiert sich die Gefühlslage bei YB. «Es ist ein ungerechtes Unentschieden», findet Trainer Gerardo Seoane. «Das Team hat viele gute Sachen umgesetzt. Aber wir waren zu wenig effizient.»

YB brilliert – und vergibt grosszügig

Seoanes Erkenntnis gründet vor allem auf den Geschehnissen in der ersten Halbzeit. Weil es zur Pause eigentlich nur wenig Bedenken gab, dass YB dieses Spiel nicht siegreich gestalten würde. Die Young Boys spielten schwung- und druckvoll wie auf fremden Terrain lange nicht mehr. Bereits nach dreieinhalb Minuten hätte Meschack Elia das Führungstor erzielen können, unmittelbar vor der Pause vergab er dann die mit Abstand beste YB-Chance, wobei sich Jérémy Frick mit seiner Parade Höchstnoten verdiente. Dazwischen hatten der auffällige Elia (14.), Christian Fassnacht (15./37.) und Jean-Pierre Nsame (44.) weitere ausgezeichnete Gelegenheiten, ihre Farben in Front zu schiessen. 15 Abschlüsse verzeichneten die Young Boys zur Pause.

So gefällig ihr Auftritt wardie Chancenauswertung war äusserst mangelhaft. Zumal Servette seit der 39. Minute mit einem Mann weniger spielte, weil Boubacar Fofana Gelb-Rot sah. Es war ein bitterer Einstand für den Neuzugang der «Grénats». Doch ausgerechnet mit einem Mann mehr bauten die Berner abund machten dadurch die Genfer stark. Sie hielten nun dagegen, setzten in den Zweikämpfen nach. Erst als Vincent Sierro ebenfalls Gelb-Rot sah, übernahmen die Berner wieder das Zepter. Unglücklich für Sierro: Vor dem Foul, das zur zweiten Gelben Karte führte, hätte Schiedsrichter Fähnrich nach einem Foul an Silvan Hefti abpfeifen, und nicht auf Vorteil entscheiden müssen.

Torjäger Nsame läuft es noch nicht

Derweil Servette nun zwar dagegen hielt, aber keine wirklich grossen Torchancen hatte, hätte YB beinahe noch den Siegtreffer erzielt. In der 86. Minute traf Nicolas Bürgy nach einem Corner per Kopf nur den Pfosten.

Somit bleiben die Young Boys nach vier Runden zwar ungeschlagen, aber sie haben gerade in der Offensive viel Luft nach oben. Drei Treffer haben die Berner bisher erzielt, diese Ausbeute ist alles andere als meisterlich. Und wer nach Gründen für die Abschlussschwäche sucht, wird rasch fündig: Jean-Pierre Nsame, vergangene Saison mit 32 Treffern noch überragender Torschützenkönig, hat erst einmal reüssiert.